Ein einfacher Grund ist ja auch: Die Mieten für Wohnungen und Ateliers sind in Berlin billiger.

Natürlich gehören Immobilien auch zu unseren Themen. Darum geht es ja auch beim Gängeviertel und Frappant – aber wir werden den Immobilienmarkt in Hamburg nicht auf den Kopf stellen können. Klar ist: Man muss Produktionsbedingungen schaffen, die gut für die Kreativen sind. Aber wir wollen keine Kreativzentren bauen, die im Zweifelsfall nicht angenommen werden. In England sind solche Versuche grandios gescheitert. Wir werden schauen: Wo wollen die Akteure sein, um dann zu ermöglichen, dass sie dort hinkommen und dort auch bleiben können.

Als Historiker und Soziologe kennen Sie die historischen Konfliktherde. Eigentlich geht es immer um den Gegensatz Kunst/Kreativität versus Kapital. Kommt man nicht schnell an den Punkt, an dem man sich für eine Seite entscheiden muss?

Joseph Beuys hat gesagt: "Kunst ist Kapital". Und was hat er damit wohl gemeint? Die eigentliche Frage ist: Befinden wir uns wirklich in einem Konflikt mit dem Kapitalismus? Ich glaube nicht, dass die Hamburger Kreativ GmbH daran arbeitet, den entwickelten Kapitalismus des 21. Jahrhunderts zu überwinden. Die Kreativindustrie wird ja auch gefördert, weil man von ihr erwartet, dass sie einen Ausweg aus den Krisen, in den wir uns momentan befinden, aufzeigt. Und man ahnt wohl schon, dass dieser Ausweg kein rein kapitalistischer Weg ist.

Zum ersten Mal seit langem gab es im Hamburger Gängeviertel eine Hausbesetzung. Können auch Hausbesetzer und Demonstranten auf Ihre Unterstützung hoffen?

Die Hamburg Kreativ GmbH ist eine Gesellschaft, die der Senat der Stadt finanziert. Die Gesellschaft hat nicht die Aufgabe Hausbesetzungen und Demonstrationen zu unterstützen. Aber wenn es inhaltlich in die richtige Richtung zielt, dann habe ich als Privatperson nichts gegen solche Mittel. Ich finde es richtig, wenn Hausbesetzungen auf Missstände aufmerksam machen und für die Stadtgesellschaft Position beziehen. Diese Formen finde ich akzeptabel, wenn sie besonnen vorgetragen werden und sich daraus auch eine Perspektive für die ganze Stadt und nicht nur für einzelne Individuen entwickelt. Sonst ist es für das Gemeinwesen nicht mehr interessant.

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