10 / 11 / 2009
Durch den Monat mit:
Dirk Luckow
MEISTER UND AUßENSEITER
Die allerorts von der Wirtschaftskrise gezeichnete und nun erst recht schillernde Kunstwelt lebt im November auf. Jenseits der vielen schönen Momente dieses Jahres, unter anderem in London mit John Baldessari und Ed Ruscha, bietet das Novemberloch ideale Voraussetzungen für Ausstellungsbesuche mit Lust am genauen Blick. Die Liste der Möglichkeiten liest sich angesichts der vielen glanzvollen Auftritte wie ein Abenteuerroman. Man könnte im siebten Himmel schweben und entspannen: mit hundert Claude Monets in Wuppertal, mit Ernst Ludwig Kirchner, dem kompromisslosesten Expressionisten, in Salzburg oder – raffiniert und verrätselt – bei Renoir im 20. Jahrhundert in Paris.
Nicht weniger präsent als solch zeitlose Kunst sind die Werke von Bridget Riley: Wer letztes Jahr in den Genuss gekommen ist, ihre Retrospektive in Paris zu sehen, wird versucht sein, nun nach Goslar zu pilgern. Im Fotomuseum Winterthur kuratiert Urs Stahel eine Folgeschau seines Darkside-Erfolgs von 2008, die verspricht, Fotografie als direkte Brücke zum Leben zu zeigen: Darkside II – Fotografische Macht und fotografierte Gewalt, Krankheit und Tod. Im gleichen Haus: Augen zum Fliegen von Graciela Iturbide, der mexikanischen Fotografin und Assistentin des großen Manuel Álavarez Bravo. Auf ganz andere Weise fesselt Jeppe Hein den Betrachter mit seinen Räumen: In Aarhus werden seine coolen Skulpturen-Thriller ausgestellt. Schlagfertig kommt eine Themenausstellung in Leverkusen daher: Slow Paintings, mit verwirrend tiefgründig, in manischer Langsamkeit entstandenen Bildern.
Ein Gefühl, das Tatiana Trouvé in Zürich mit "A Stay Between Enclosure and Space" in den Raum überträgt. Sympathie für die rätselhafte Grenzlinie zwischen plastischem Körper und Raum zeichnet Katharina Fritschs Werke aus, vorgestellt in den Hamburger Deichtorhallen von Bice Curiger und Robert Fleck. Jahrhunderte vor Fritsch verdichtete Katharina von Kleve Frömmigkeit und Dämonen in ihrem Stundenbuch (zirka 1440), das als Leihgabe aus New York in Nijmegen zu bewundern ist. Malerische Raffinesse und aktuelle Vielseitigkeit bietet Wilhelm Sasnal auf 60 Bildern in Düsseldorf. Der Besuch seiner Ausstellung lässt sich mit einem Abstecher nach Köln verbinden, wo eine Isa Genzken-Retrospektive lockt: "Sesam, öffne Dich!"
10 / 11 / 2009
