Gerhard Richter

Domfenster

Heimliche Ordnung im Farbenmeer
Gerhard Richter vor seinem Bild "4096 Farben" von 1974, das als Inspiration zu dem Domfenster-Entwurf diente – Filmstill aus: "Gerhard Richter: Das Kölner Domfenster" (Courtesy Gerhard-Richter-Archiv, Dresden)

HEIMLICHE ORDNUNG IM FARBENMEER

Dem Kölner Dom mangelte es auch vorher nicht an künstlerischen Glanzlichtern, doch mit dem Richter-Fenster wurde er 2007 erkennbar um ein weiteres bereichert. Ein Dokumentarfilm gibt nun Einblicke in die Entstehungsgeschichte der "Glasverpixelung" durch den Kölner Künstler und Ehrenbürger Gerhard Richter.
// STEFFEN ZILLIG

Eine kleine Kontroverse hatte es dann doch noch ausgelöst: Das Fenster, das Gerhard Richter für den Kölner Dom entworfen hatte, passe "eher in eine Moschee oder ein anderes Gebetshaus", polterte Kardinal Joachim Meisner in einem Kölner Boulevardblatt kurz nach der Enthüllung des Fensters 2007. Die überschaubare Aufregung im Anschluss galt jedoch eher dem kratzigen Kardinal, als den 11 263 farbigen Glasquadraten, aus denen sich Richters Arbeit zusammensetzt. Die große Mehrheit zeigt sich heute beeindruckt von der lichtdurchfluteten Farbenpracht.

Köln ist eben nicht nur stolz auf seinen Dom, es schmeichelt der Stadt nicht minder, wenn einer ihrer Künstler von der internationalen Presse als "Picasso des 21. Jahrhunderts" gefeiert wird. Die Begegnung der beiden Stadtikonen im Projekt "Domfenster" schien nahe liegend – ein Dokumentarfilm hat sie festgehalten und erscheint jetzt auf DVD.

In überschaubaren 30 Minuten begleitet der Film von Corinna Belz den Prozess der Entstehung, lässt Künstler und Beteiligte zu Wort kommen und klärt auf über Details von Entwurf und Montage. So erläutert der Künstler, wie er mit dezenten Wiederholungen innerhalb der chaotischen Musterung das wilde Farbenmeer zu beruhigen suchte. Überhaupt gerät die Unternehmung zu einem Lehrstück über die Beherrschbarkeit chaotischer Strukturen: Per Computer wurde die Anordnung der Farbquadrate zwar zufallsgeneriert. Andererseits beobachtet der Film seine Akteure bei laufenden Diskussionen über die Parameter eben dieses Zufalls, und zwischendurch scheint selbst der Künstler überfragt, wenn er zwischen verschiedenen Entwürfen unterscheiden soll. Dass am Ende doch die gelungenste Unordnung verwirklicht wurde, deutet der Film mit einem abschließenden Schwenk über das Domfenster jedoch nur an. Wer die Wirkung der 113 Quadratmeter Fensterfläche erfahren will, muss dann doch die Kirche selbst besuchen.

Der medienscheue Gerhard Richter wirkt in Belz’ Dokumentarfilm angenehm bescheiden und zurückhaltend. Umso stärker kontrastierend wirkt das Bild, das der Bonusfilm der DVD von Richter zeichnet. "In der Werkstatt: Gerhard Richter" von 1969 zeigt den jungen Künstler als coolen Cowboy. Richter malt mit lässiger Zigarette im Mundwinkel und lässt bei seinem Auftritt keinen Zweifel an der Bedeutung seines künstlerischen Auftrags. Eine gelungene Inszenierung mit einem Soundtrack seiner Zeit; eine amüsante Zutat, die zugleich erkennen lässt, warum Richter den Film damals zum Anlass nahm, nie wieder eine Filmkamera ins Atelier zu lassen.

"Das Kölner Domfenster"

Ein Film von Corinna Belz. Musik: John Cage. Zeroone Film / Gerhard Richter Archiv, 2008

http://www.gerhard-richter-archiv.de

Kommentieren Sie diesen Artikel

2 Leserkommentare vorhanden

Amort

22:34

04 / 10 / 09 // 

asdf

Hehe, guter Artikel, weiter so...wieso wird eigentlich bei art-magazin.de nie in den Kommentaren auch nur bisschen diskutiert? Haben Kunstinteressierte wirklich nichts zu sagen???

ART-REDAKTION

10:30

05 / 10 / 09 // 

Danke...

@ Amort: Danke für die Blumen – tja, kann ich nicht sagen, ich fände es auch super, wenn die Leser mehr diskutieren würden... Wir versuchen ja auch mit manchen Beiträgen zu polarisieren und Reaktionen hervorzurufen... Deshalb: Ja, bitte, mehr Diskussion, jetzt!

Abo