Tatort mit Christian Jankowski

Der Artort

Dass Videokünstler in die Welt von Film und Fernsehen abdriften, ist durchaus naheliegend, schließlich geht es hier wie da um bewegte Bilder. Am Sonntag nun trat Christian Jankowski im Tatort "Gott ist auch nur ein Mensch" auf - und fragte am Ende des Krimis kess: "War das jetzt Kunst?"
Der Artort

Frank Thiel (Axel Prahl, rechts) und Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, links): Kurz vor der Eröffnung der "Internationalen Skulptur-Tage" sorgt eine Skulptur vor dem Rathaus Münster für Aufsehen: In ihr ist ein Toter versteckt.

Nein, ein Kunstwerk war dieser "Tatort" sicherlich nicht. Dazu war "Gott ist auch nur ein Mensch" (Regie: Lars Jessen) doch zu konventionell gestrickt, fiel kaum aus der Reihe des überaus beliebten Münster-Tatorts und reflektierte auch in keinster Weise die medialen Konditionen seiner Ästhetik. Wieder einmal wurde ein Serienkiller gesucht, der dieses mal im Rahmen der "skulptur tage münster" - in Anspielung an die "Skulptur Projekte Münster" - seine Opfer in Form von skulpturaler Kunst im öffentlichen Raum der Polizei präsentierte.

Einer der Verdächtigen ist der Aktionskünstler Zoltan Rajinovic, dessen vielsagendes Pseudonym "G.O.D" lautet und der nur noch wenige Monate zu leben hat. Auch die feministische Videokünstlerin Swantje Hölzel gerät ins Visier von Kommissar Thiels und Rechtsmediziner Börnes Ermittlungen. Ein dritter Verdächtiger schließlich ist der Konzept-Künstler Jan Christowski alias Christian Jankowski. Der Mörder aber ist dann letztlich Roland Wenger, seines Zeichens Möchtegern-Künstler und Sohn der Ex-Kuratorin der "skulptur tage münster".

Der Artort

Christian Jankowski als Jan Christowski, hier mit Axel Prahl

Nebenbei wird noch die x-te Variante der uralten Geschichte vom Künstler als Gottes ähnlicher Schöpfer durchgehechelt. Durchgehechelt, denn flott und wie immer nicht unwitzig wird die Story erzählt, leider wird dabei aber auch nicht ein gängiges Künstlerklischee ausgelassen: Künstler sind eitle Egomanen, daher auch rücksichtslos erfolgsbewusst, sie sind verschroben, ja exzentrisch, und sie denken natürlich mehr an die Ewigkeit als an das schnöde Hier und Jetzt.

Mit seinem Auftritt als Schauspieler hat sich Jankowski keinen Gefallen getan.

Christian Jankowski nun, einer der auch international erfolgreichsten deutschen Videokünstler der letzten beiden Jahrzehnte, hat in seiner Karriere schon des öfteren die Fronten von der hehren Kunst hin zur Welt von Film und Fernsehen gewechselt. So zum Beispiel als er 2001 Teile seines Oeuvres dem Regisseur Lars Kraume für dessen Film "Viktor Vogel – Commercial Man" zur Verfügung stellte. Später verarbeitete er dann selbst diesen Film in seinem Video "Rosa", 2001. Im November 2009 gestaltet Jankowski die ARD-Kultursendung "Aspekte". Schnörkellos, aber irritierend ließ er damals die beiden Journalisten Luiza Braun und Wolfgang Herles die Sendung kopfüber moderieren, indem er sie mit dem Kopf nach unten an die Decke des Studios hängte. Die gefilmten Bilder wurden anschließend gedreht, so dass die zwei Moderatoren wieder scheinbar richtig herum saßen, doch die Haare standen beiden zu Berge, das Sprechen fiel ihnen sichtbar schwerer und ihre Körperhaltung wirkte seltsam angespannt. Jankowskis markiges Statement dazu. "Ich mache Journalismus zu Kunst".

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Mit seinem Auftritt als Schauspieler im "Tatort" hat sich Jankowski aber keinen großen Gefallen getan. Zu naiv werden hier sämtliche Vorurteile Künstlern gegenüber bestätigt, zu albern wird die fast schon als dümmlich dargestellte und nur vom Geld regierte Kunstwelt in "Gott ist auch nur ein Mensch" vorgeführt. Da hilft auch nicht die überraschende Schlussszene, in der der Künstler, eine medienkritische Metaebene antäuschend, den Film kurzerhand in einem zuklappenden Metallkoffer verschwinden lässt, um dann in der für ihn typischen, schelmischen Art zu fragen: "Und: War das jetzt Kunst". Zu aufgesetzt wirkt diese Pointe und hat mit dem Film als Ganzen rein gar nichts zu tun. Schade drum, bei dieser künstlerischen Krimi-Intervention mit Christian Jankowski wäre sicherlich mehr drin gewesen.

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