Unser e.V.

Kunstverein Lingen

Unser e.V. – Kunstverein Lingen
Harry Kramer: "Sitzender Automat", 1972-1973 (Courtesy Kunstverein Lingen)

UNSER E.V. – KUNSTVEREIN LINGEN

In unserer Serie "Unser e.V." stellen wir Ihnen jede Woche einen neuen Kunstverein vor. Diesmal: zehn Fragen an Meike Behm, Leiterin des Kunstvereins Lingen.
// ERIK STEIN

Frau Behm, über welche Ausstellung wurde am meisten gestritten? Und warum?

Ich habe die Leitung der Kunsthalle ja erst zu Beginn dieses Jahres übernommen und habe bis heute hier zwei Einzelausstellungen und eine Gruppenausstellung realisiert. Es wurde zwar nicht gestritten, aber die soziopolitischen Inhalte der slowenischen Künstlerin Marjetica Potrc haben zu vielen Diskussionen angeregt, vor allem in Bezug auf die Möglichkeit alternativer Lebensformen angesichts globaler Veränderungen des öffentlichen Raums.

Und welches war Ihre bestbesuchte Ausstellung?

Bisher diejenige von Marjetica Potrc mit dem Titel "New Citizenships". In der Geschichte des Kunstvereins war die von Heiner Schepers, der die Kunsthalle bis Ende 2008 leitete, realisierte Einzelausstellung des Berliner Künstlers Martin Eder von August bis Oktober 2004 die am besten besuchte Ausstellung.

Wenn Sie eine eigene Sammlung haben: Wo liegt der Schwerpunkt?

Die Kunsthalle Lingen betreut und pflegt einen großen Teil des Nachlasses des 1925 in Lingen geborenen und 1997 in Kassel gestorbenen Künstlers Harry Kramer, der Zeit seines Lebens sowohl mit dem Medium Theater arbeitete als auch kinetische Objekte und Plastiken realisierte, die Bewegung und die aktive Teilnahme der Betrachterinnen und Betrachter thematisierte. Er nahm an der Documenta 3 teil und war Professor an der Kunsthochschule in Kassel. Seine in den fünfziger bis achtziger Jahren entstandenen Werke, zu denen ebenfalls figurative Plastiken zählen, werden regelmäßig in der Kunsthalle gezeigt. Insofern pflegen und betreuen wir einen Nachlass, der jedoch der Stiftung Nekropole in Kassel gehört.

Welche Künstler würden Sie gerne einmal ausstellen?

Oh, da gibt es viele, unter ihnen Michael Asher, Agnes Martin, Gordon Matta-Clark und Eva Hesse.

Wohin führte Sie die letzte gemeinsame Mitgliederreise?

Die letzte Reise führte nach Bremen in die Kunstsammlungen Böttcherstraße zu den Ausstellungen von Lucas Cranach, den Modersohns und den Overbecks und die Gesellschaft für aktuelle Kunst zur Ausstellung "Space Revised".

Was war die bislang höchste Spende?

250 000 Euro.

Was würden Sie Ihrem Verein generell wünschen?

Der Kunstverein Lingen ist nicht nur Träger der Kunsthalle, sondern auch der seit über 30 Jahren bestehenden Kunstschule, die bis heute ein renommiertes Angebot an gestalterisch orientierten Kursen für Menschen ab zwei Jahren bietet. Es ist nicht nur mein Wunsch, sondern eines meiner Ziele, zu erreichen, dass der regional, national und international gute Ruf des Kunstvereins ausgebaut wird.

Wenn Sie kein Kunstverein wären, was für ein Verein wären Sie dann?

Dann wären wir kein Verein.

Wo sehen Sie den Verein in den nächsten zehn Jahren?

Es würde mich wie bereits gesagt freuen, wenn der Verein mehr Mitglieder aller Nationalitäten erreichen würde und er international – sowohl die Kunsthalle als auch die Kunstschule – wahrgenommen würde.

Drei Gründe, bei Ihnen Mitglied zu werden?

Die Möglichkeit, mit interessanten Künstlerinnen und Künstlern aus der Region und aus dem In- und Ausland in Kontakt zu treten und nicht nur ihre Werke, sondern sie auch persönlich kennenzulernen.

Die Möglichkeit zur Förderung von und spannender Auseinandersetzung mit Kunst der Gegenwart einerseits und gestalterisch orientierter Bildung auf spielerische Art und Weise für jeden Menschen andererseits.

Die Möglichkeit, Kunst auf ideelle, also auf alle Sinne ansprechende Art und Weise wahrzunehmen – sei es rein als Rezipient oder auch als potenzieller Produzent.

Zahlen, bitte: Gründungsjahr: 1983. Mitgliederzahl: 530. Altersdurchschnitt: zwischen 40 und 50 Jahren. Ausstellungsfläche: zirka 730 Quadratmeter. Jahresbudget: zirka 80 000 bis 100 000 Euro. Leitung: Meike Behm. Kommende Ausstellung: Mandla Reuter: "Now Sun Now Cloud" (vom 3. Oktober bis 13. Dezember 2009)

"Ein Traum ist alles Leben und die Träume selbst ein Traum"

Gruppenausstellung mit Ulla von Brandenburg, Kerstin Cmelka, Jeanne Faust, Harry Kramer, Kalin Lindena, Claus Richter, Jochen Schmith und Alexander Wolff / Termin: bis 13. September 2009

http://www.kunstverein-lingen-kunsthalle.de

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