Eröffnung der Ausstellungssaison

Ab in die Galerien!

In Hamburg, Frankfurt, München, Köln und Düsseldorf feiern Kunstgalerien an diesem Wochenende ihre Rückkehr aus der Sommerpause. Gute Gelegenheit für Kunstfans, die diese Orte sonst meiden.
Ab in die Galerien!
Ausstellungsansicht "Olaf Metzel enter the new", Produzentengalerie Hamburg, 2017

Immer wenn man eine fremde Stadt besucht, soll man als erstes in die Bars und die Galerien gehen – das empfahl angeblich Martin Kippenberger einst – denn in beide komme man gratis hinein. Trotz dieses guten Tipps halten viele kunstinteressierte Menschen allerdings immer noch gebührlichen Sicherheitsabstand zu den großen und kleinen Zentren des Kunstmarkts: ob aus zu viel Respekt vor den unter der Woche oft menschenleeren Räumen, vor grimmigen Galeristinnen oder arroganten Mitarbeitern – oder aus Angst, in ein Verkaufsgespräch verwickelt zu werden.

Dabei kann man gerade in Galerien neue und frische Kunst entdecken, die es vielleicht erst Jahre später in Museen oder große Sammlungen schafft, mit Künstlern ins Gespräch kommen und das eine oder andere Häppchen verdrücken. Genau aus diesem Grund sollte man es nun dieses Wochenende nicht verpassen, wenn in vielen deutschen Städten die Kunstgalerien die Wiedereröffnung der Ausstellungssaison feiern – ganz zugänglich und ohne Berührungsängste. Hier sind unsere Tipps.

Hamburg

In der Hansestadt öffnen am Donnerstag den 7. September die Galerien auf der Fleetinsel und am Freitag den 8. September die Galerien im Kontorhausviertel ihre Türen. 

Olaf Metzel – enter the new: Der deutsche Bildhauer Olaf Metzel (*1952) spielt gerne den Agent Provocateur: bereits im Berlin der 80er Jahre polarisierte er mit einer Skulptur aus Absperrgittern, seine Skulptur einer nackten Kopftuchträgerin sorgte für einen handfesten Skandal in Wien. In der Produzentengalerie zeigt er nun neue Arbeiten, Skulpturen und Collagen, in denen er sich mit Materialien des Stadtraums auseinandersetzt. Produzentengalerie, Admiralitätstrasse 71

Dirk Stewen – Negative: Minimalistisch, still und sensibel wirkt das Werk des in Hamburg lebenden Künstlers Dirk Stewen (*1972), der in seinen Collagen meist Zeichnung, Aquarell und Fotografie kombiniert. Galerie Karin Guenther, Admiralitätstr. 71

László von Dohnányi – Akzeptanzlücke: Der erst 1990 geborene László von Dohnányi beschäftigt sich in seinen Zeichnungen und Frottagen mit dem Zusammenleben zwischen Mensch und Maschine im 21. Jahrhundert. Der Titel der Ausstellung bezeichnet das seltsame Phänomen, dass ein Roboter als „unheimlich“ wahrgenommen wird, wenn er einem Menschen zu sehr ähnelt. Galerie Kai Erdmann, Klosterwall 4

Mindscapes: Die Galerie Nanna Preußners eröffnet mit einer Gruppenausstellung, deren Titel sich nicht einfach übersetzen lässt. Gemeint sind Seelen-, Erinnerungs- oder Vorstellungslandschaften, welche sich in den Gemälden von Flora Whiteley, Peter Sköld und Nikola Irmer zeigen. Galerie Nanna Preußners, Klosterwall 13

München

Open Art nennt sich das Münchner Kunstwochenende, das seit 1989 jährlich im Herbst in zahlreiche Galerien im gesamten Stadtgebiet lockt – ganze 65 Galerien feiern nun von 8. bis 10. September die Rückkehr nach der Sommerpause mit zahlreichen Sonderaktionen. (Freitag 18-21 Uhr, Samstag und Sonntag 11-18 Uhr)

David Lynch – Smiling Jack: Einer großen Öffentlichkeit bekannt wurde der Filmemacher David Lynch anfang der 90er Jahre mit seiner Mystery-Serie "Twin Peaks" – dass der US-Amerikaner allerdings über das Malen zum Film kam, wissen nur wenige. Unter dem Titel "Smiling Jack" zeigt Lynch nun skurrile und mysteriöse Papierarbeiten und Fotografien in seinem unverwechselbarem Stil. Galerie Karl Pfefferle, Reichenbachstraße 47

Charles Pollock: Stets stand der große Bruder von Jackson Pollock im Schatten des Action-Painting-Superstars, dabei galt Charles lange als der talentiertere der Beiden. Langsam entdeckt die Kunstwelt aber auch die Bilder des unbekannteren Pollocks – während zeigt die American Contemporary Art Gallery eine Auswahl von Arbeiten von 1950 bis 1980. American Contemporary Art Gallery, Maximilianstraße 29

 

Brigitte Kowanz, Codes and Cables 9: Die Künstlerin Brigitte Kowanz wurde mit ihren unverwechselbare Skulpturen aus Spiegeln und Neonröhren bekannt. In diesem Jahr bespielt sie gemeinsam mit Erwin Wurm den österreichischen Pavillon der Venedig-Biennale – wer es also nicht mehr nach Venedig schafft, der sollte sich zumindest ihre Schau bei Häusler Contemporary nicht entgehen lassen. Häusler Contemporary, Maximilianstraße 35

MaximiliansForum: Schwarze Spiegel, Babylonia Constantinides: In einer öffentlichen Unterführung im Stadtraum entwickelte die Münchner Künstlerin Babylonia Constantinides ein postapokalyptisches Untergangsszenario als Drehort für eine Videoarbeit. Am Wochenende wird die unheimliche Rauminstallation für Besucher geöffnet. MaximiliansForum, Maximilianstraße 38

Köln und Düsseldorf

DC Open nennen die Kölner und Düsseldorfer Galerien ihr gemeinsames Eröffnungswochenende vom 8. bis zum 10. September, bei welchem sich auch zahlreiche Institutionen und Off-Spaces beteiligen – dieses Jahr überraschen einige Galerien mit einer Austausch-Aktion (Freitag 18-22 Uhr, Samstag 12-8 Uhr, Sonntag 12-6 Uhr).

Okey Dokey: Eine Gruppe vorwiegend junger Kölner und Düsseldorfer Galeristen hat dieses Jahr unter dem Titel "Okey Dokey" internationale Galerien aus Paris oder Los Angeles eingeladen, ihre Räume mit Kunst ihrer Wahl zu bespielen; so zeigt Delmes & Zander etwa "Mystifizierung des Alltags", eine gemeinsame Ausstellung mit den Galerien Neue Alte Brücke aus Frankfurt und der Galerie 1900-2000 aus Paris. Galerien in Köln und Düsseldorf, etwa Delmes & Zander und Galerie Max Mayer

 

Henning Strassburger – JANE, Talia Chetrit – POSER: Die Doppelausstellung zeigt einerseits eine Installation von Henning Strassburger – das Privathaus der Schauspielerin Jane Fonda dient dem Künstler dabei als Vorlage für eine Auseinandersetzung mit privatem und öffentlichem Raum. Talia Chetrit dagegen zeigt eine Serie von Selbstporträts, die über eine Zeit von 23 Jahren entstanden sind. Sies + Höke, Poststraße 3, Düsseldorf

Reset III and Virtual Reality: Die neuen Möglichkeiten der virtuellen Realität haben sich längst auch in die Kunst des 21. Jahrhunderts eingeschrieben – die Ausstellung zeigt, die zahlreiche internationale Künstler und Künstlerinnen die immersive Technologie einsetzen und den Betrachter damit mitten in ihre virtuellen Welten holen. Priska Pasquer, Albertusstraße 18, Köln

Cutting Edge. Albers. Gaul. Knoebel.: Gegenstandslose Werke aus drei verschiedenen Generationen stellt "Cutting Edge" gegenüber. Was die Bilder der Künstler Imi Knoebel, Winfried Gaul und Josef Albers dabei eint, ist etwa die Konzentration auf die Farbe und auf geometrische Muster. Galerie Ludorff, Königsallee 22, Düsseldorf

Samson Young – Furniture Music: Der Hongkonger Künstler Samson Young (*1979) studierte eigentlich Musik und Komposition – das schlägt sich auch in seinen Installationen nieder, die meist mit Klang agieren. Gisela Capitain, Sankt-Apern-Straße 20, Köln

Frankfurt

In Frankfurt geht am Wochenende bereits der 23. Saisonstart der Galerien über die Bühne – mit dabei sind diesmal auch Museen der zeitgenössischen Kunst wie das MMK, Portikus oder die Schirn (Freitag 6-22 Uhr, Samstag und Sonntag 11-18 Uhr).

Markus Weisbeck – ABCstract: In der Galerie von Kai Middendorff zeigt der Künstler und Grafikdesigner Markus Weisbeck (*1965) neue Arbeiten. Der von der Lehre des Bauhauses beeinflusste Weisbeck thematisiert in seinem Werk - meist abstrakte, experimentelle Fotografien – die Grundsätze des Modernismus. Kai Middendorff, Niddastraße 84

Günther Förg – 84-90: Neben nüchtern Architekturfotografien schuf der 2013 gestorbene documenta-Teilnehmer Günther Förg auch buntfarbige, abstrakte Gemälde, deren Grundlage oft fensterartige Gitterlinien waren – ebenfalls Zeugnis seiner lebenslangen Auseinandersetzung mit der Architektur des Modernismus. Bärbel Grässlin Galerie, Schäfergasse 46 B

Johannes Franzen – Minus 1: Über komplexe Zahlenreihen am Computer erstellt der deutsche Künstler Johannes Franzen (*1967) seine Fotobelichtungen. Die pixeligen Ergebnisse, die stark an digitale Bildstörungen erinnern, wollen die Wahrnehmung der Betrachter herausfordern. L.A. Galerie – Lothar Albrecht, Domstraße 6

Faltungen – Alke Reeh, Shruti Mahajan: Die großflächigen Faltskulpturen von Alke Reeh breiten sich fächerartig im Galerieraum aus – nicht nur faszinierend anzusehen, sondern auch Metapher für Entwicklung und Entfaltung. Galerie Maurer, Fahrgasse 5

Alicia Viebrock – Of Loners and Charmeurs: Mit Tusche bearbeitet die 1986 in München geborene Viebrock die oft ungrundierte Leinwand – die Ergebnisse sind verwirbelte, zerflossene Pflanzenmotive. FILIALE, Stiftstrasse 9 B

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