Urbane Kunst in Chemnitz

Industriebrache wird Kunstobjekt

Malerei und Graffiti, Illustrationen und Installationen, Müll und Multimedia: Eine alte Maschinenfabrik wird ein Kunstwerk. Das Festival für urbane Kunst ibug gastiert erstmals in Chemnitz.
Industriebrache wird Kunstobjekt

Farbe trifft Industriebrache: Das IBUg Festival, hier 2014 in Crimmitschau.

Es riecht überall nach Farbe, Elektrokabel ziehen sich durch alle Räume und Bauschutt wird zusammengetragen: Untermalt von Musik aus Lautsprechern wird in Chemnitz ein ehemaliges Maschinenwerk in ein Kunstobjekt verwandelt. Die denkmalgeschützten Gebäude der früheren Spezialmaschinenfabrik sind von Freitag bis Sonntag sowie vom 1. bis 3. September die zwölfte Station für das Kunstfestival Industriebrachenumgestaltung (ibug). Bereits seit vergangenem Freitag lassen 80 Künstler und Kollektive aus 19 Ländern auf dem Gelände am Bahndamm ihrer Kreativität freien Lauf.

"Das ist ein Traumobjekt", sagte Organisationsleiter Thomas Dietze am Mittwoch bei einem Rundgang. Man habe große Hallen, kleine Räume und Fassaden und damit alles, was die Künstler brauchen. Finanziert wird das mit Kosten von 160 000 Euro veranschlagte Festival durch die Ticketeinnahmen, Sponsorleistungen und erstmals durch die Kulturstiftung Sachsen. Diese Förderung sei Anerkennung, sagte ibug-Sprecher Michael Lippold.

Keine Gestaltungsgrenzen

Industriebrache wird Kunstobjekt

Wand trifft Farbe: Quintessenz, ibug 2015

Malerei und Graffiti, Illustrationen und Installationen, Müll und Multimedia - das vom Künstler Tasso aus Meerane initiierte Festival setzt keine Gestaltungsgrenzen. "Man sieht hier eine Fülle an Kunst", sagte Dietze. Umrahmt wird die Veranstaltung von Führungen, Diskussionen, einem Kunstmarkt und Partys. Die Organisatoren hoffen auf 9500 Besucher. "Dann sind wir halbwegs finanziert", sagte Dietze. Im vergangenen Jahr sei man bei Plusminus Null herausgekommen.

Zwischen den beiden Festivalwochenenden werden Schüler durch das zur Kunstfabrik umgestaltete Werk geführt. 925 Jungen und Mädchen seien bislang angemeldet. Man wolle Inspiration mitgeben und so auch versuchen, einen Bildungsauftrag zu erfüllen.

Das Festival findet erstmals in Chemnitz statt. Nachdem das 2006 ins Leben gerufene Festival sechsmal am Gründungsort Meerane (Landkreis Zwickau) über die Bühne ging, waren die Künstler anschließend auf Industriebrachen in Glauchau, Zwickau, Crimmitschau, Plauen und zuletzt Limbach-Oberfrohna aktiv. Das Chemnitzer Areal liegt seit der Insolvenz der Spezialmaschinenfabrik GmbH 1993 brach. Gegründet hatten das Werk die Brüder Arthur und Carl Unger 1881. Die spätere Gebrüder Unger AG stellte Fleischverarbeitungsmaschinen her. Nach der Verstaatlichung zu DDR-Zeiten hieß das Werk VEB Spezialmaschinenfabrik Chemnitz.

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