Unser e.V.

Badischer Kunstverein

Unser E.V. – Badischer Kunstverein Karlsruhe
Ausstellungsansicht "Why here is always somewhere else" mit Arbeiten von Pawel Althamer und Katalin Ladik (Courtesy Badischer Kunstverein / Foto: Thorsten Hallscheidt)

UNSER E.V. – BADISCHER KUNSTVEREIN KARLSRUHE

In unserer Serie "Unser e.V." stellen wir Ihnen jede Woche einen neuen Kunstverein vor. Diesmal: zehn Fragen an Anja Casser, Leiterin des Badischen Kunstvereins in Karlsruhe.
// ERIK STEIN

Frau Casser, über welche Ausstellung wurde am meisten gestritten? Und warum?

Richtig gestritten wurde bisher eigentlich nicht. Es gibt immer wieder Kontroversen über diskursivere Ausstellungsformate, wie beispielsweise die Reihe "Kritische Gesellschaften", die 2005 unter der damaligen Direktorin Angelika Stepken veranstaltet wurde, fast über ein Jahr dauerte und sich dabei stetig veränderte. Aber auch Ausstellungen an der Schnittstelle zur Popkultur wie "Pop! goes the weasel" in 2007 oder die aktuelle Ausstellung "Learn to Read Art: A History of Printed Matter" über die Bedeutung von Büchern, Zeitschriften und Fanzines als Format in der zeitgenössischen Kunst, stoßen gleichermaßen auf Begeisterung wie Irritation.

Und welches war Ihre bestbesuchte Ausstellung?

Wir messen den "Erfolg" einer Ausstellung nicht an ihren Besucherzahlen. Es ist viel wichtiger, welche Auseinandersetzungen angestoßen werden können, was die Besucher in der Ausstellung erfahren und was sie mit nach Hause nehmen. Wenn unsere Ausstellungen bei einigen Besuchern zu einer nachhaltigen Reflektion über zeitgenössische Kunst führen können, haben wir sehr viel mehr gewonnen, als eine von Massen frequentierte Großausstellung, in der weder Zeit noch Raum für einen intensiven Diskurs gegeben sind.

Wenn Sie eine eigene Sammlung haben: Wo liegt der Schwerpunkt?

Wir haben keine eigene Sammlung.

Welche Künstler würden Sie gerne einmal ausstellen?

Das sind die, die wir gerade ausstellen und in Zukunft ausstellen werden.

Wohin führte Sie die letzte gemeinsame Mitgliederreise?

Die letzte mehrtägige Reise führte zur Berlin-Biennale. Seit einem Jahr legen wir den Schwerpunkt auf regionale und lokale Reisen. Wir besuchten den Heidelberger Kunstverein, den Württembergischen Kunstverein und das Künstlerhaus in Stuttgart, das ZKM/Museum für Neue Kunst in Karlsruhe oder die Sammlung Grässlin in St. Georgen.

Was war die bislang höchste Spende?

10 000 Euro. Das hält sich in Karlsruhe leider sehr in Grenzen. Wichtiger sind uns allerdings auch die Unterstützungen, die regelmäßig und konstant fließen und gewährleisten sollten, dass das Ausstellungsprogramm stabil geplant werden kann.

Was würden Sie Ihrem Verein generell wünschen?

Eine bessere finanzielle Basis, um mit mehr Konzentration und Flexibilität an dem inhaltlichen Programm arbeiten zu können. Außerdem ein besseres Verständnis der Politiker über die Bedeutung der Kunstvereine für eine Vermittlung und Rezeption zeitgenössischer Kunst. Mit ihrer offenen Struktur können sich die Kunstvereine auf ein wechselndes Ausstellungsprogramm konzentrieren und definieren ihr Profil außerhalb musealer oder marktorientierter Zwänge. Und genau darin besteht ihre besondere Ausrichtung, die entsprechend anerkannt und gewürdigt werden sollte – mal ganz abgesehen von der bedeutenden historischen Tradition, auf die viele Kunstvereine in ihren Städten und Regionen zurückblicken können und deren Entwicklung in Kultur und Bildung sie entscheidend beeinflussen konnten.

Wenn Sie kein Kunstverein wären, was für ein Verein wären Sie dann?

Dann wären wir kein anderer Verein.

Wo sehen Sie den Verein in den nächsten zehn Jahren?

Immer noch als ein sozialer und politischer Ort, an dem ein diskursiver und risikofreudiger Umgang mit zeitgenössischer Kunst stattfindet.

Drei Gründe, bei Ihnen Mitglied zu werden?

Vielseitiges Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm, Teilhabe an der Diskussion über zeitgenössische Kunst und ihre Präsentation sowie ein umfangreiches Mitgliederprogramm.

Zahlen, bitte! Gründungsjahr: 1818. Mitgliederzahl: 1200. Altersdurchschnitt: 40 bis 50 Jahre. Jahresbeitrag: 55 Euro (Künstler: 25 Euro, ermäßigt: 17 Euro). Ausstellungsfläche: 1000 Quadratmeter. Jahresbudget: zirka 400 000. Leitung: Anja Casser. Kommende Ausstellung: ab 25. September: Anja Kirschner & David Panos. The Last Days of Jack Sheppard.

"Learn to Read Art: A History of Printed Matter"

Artists' books and editions (1976-2009): Termin: bis 6. September, Badischer Kunstverein, Karlsruhe

http://www.badischer-kunstverein.de

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