Martin Roth gestorben

»Mit Format und Kanten«

Er war der erste Deutsche an der Spitze eines britischen Topmuseums. Martin Roth, früherer Direktor des Londoner Victoria and Albert Museums und zahlreicher deutscher Häuser, ist tot. Insbesondere in Sachsen wird man sich an ihn erinnern.
»Mit Format und Kanten«

Martin A. Roth war Museumsleiter in Dresden und London

Außenminister Sigmar Gabriel hat den verstorbenen Kulturmanager Martin Roth als einen der besten und einflussreichsten Museumsleiter der Welt gewürdigt. "In seiner erfolgreichen Karriere hat Martin Roth neue Maßstäbe für die Museumsarbeit gesetzt", erklärte der SPD-Politiker am Montag. "Sein viel zu früher Tod berührt mich tief."

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sprach von dem verstorbenen Kulturmanager Martin Roth als "einem der markantesten und auch streitbarsten Persönlichkeiten" der deutschen und internationalen Museumswelt. "Seine Rolle in der Kultur verstand Martin Roth immer auch als politische Intervention", schrieb Grütters in einer Mitteilung, die in der Nacht zu Montag verbreitet wurde. "Martin Roth war ein glänzender Verkäufer seiner selbst, seiner Ideen und seiner Ausstellungen. Als Kulturmanager mit Format und Kanten wird Martin Roth fehlen."

Der Museumschef und Kulturmanager war am Sonntagmorgen im Alter von 62 Jahren gestorben, wie der Deutschen Presse-Agentur aus dem persönlichen Umfeld Roths bestätigt wurde. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, wertete seinen Tod als "niederschmetternde Nachricht". Roth sei "ein Ermöglicher, ein Geldbesorger, ein Antreiber" gewesen. "Natürlich konnte er auch polarisieren und zuspitzen. Er wollte kein Fürstendiener sein und war es nie!", schrieb Parzinger. Roth habe stets die Museumsbesucher in den Mittelpunkt gestellt.

Der frühere Direktor des Londoner Victoria and Albert Museums (V&A) starb nach schwerer Krankheit in Berlin. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die zuerst über seinen Tod berichtet hatte, bezeichnete Roth als "Genie des Fundraising". "Er erfand das Museum neu, und zwar jedes, das man ihm anvertraute."

Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) würdigte Roth als hervorragenden Kulturmanager. "Er hat die Museen neu erblühen lassen", sagte Stange. Roth habe während der Flutkatastrophe 2002 "geistesgegenwärtig die Rettung der wertvollen Gemälde und Skulpturen organisiert".

Den Brexit empfand er als persönliche Niederlage

Roth gehörte zu Deutschlands wichtigsten Museumschefs. Er kam in Stuttgart zur Welt und studierte in Tübingen. Nach der Wende ging er nach Sachsen. Von 1991 bis 2001 war Roth Direktor des Deutschen Hygiene-Museums Dresden, von 2001 bis 2011 Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Von 1995 bis 2003 leitete er zudem den Deutschen Museumsbund.

Von 2011 bis 2016 leitete Roth schließlich das V&A in London. Damit war er der erste Deutsche an der Spitze eines britischen Topmuseums. Das V&A erzielte unter seiner Führung Besucherrekorde und wurde 2016 mit dem "Art Fund Prize Museum of the Year" ausgezeichnet.

Im Herbst vergangenen Jahres legte Roth die Tätigkeit in London auf eigenen Wunsch nieder. Grund war die Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen: Den Brexit empfinde er als persönliche Niederlage, sagte Roth der "FAZ". Zuletzt war er ehrenamtlich als Präsident des in Stuttgart ansässigen Instituts für Auslandsbeziehungen (IfA) tätig.

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