Jerry Saltz über die Lage der Kunst

Was machen wir hier eigentlich?

Der Kunstwelt fehlt es an Radikalität, sie ist inzestuös und selbstbezogen. Die New Yorker Kritikerlegende Jerry Saltz wünscht sich einen Neustart. Aber ist die Szene in der Lage ist, sich selbst aufzurütteln?

Wir sind gegenwärtig Zeugen eines politischen Paradigmenwechsels, und angesichts der großen Umwälzungen und Risiken fühlt sich die Wirklichkeit außergewöhnlich lebhaft an. Doch je gründlicher ich nach ähnlichen Lebenszeichen in der Kunstwelt Ausschau halte – was ich stets tue – desto frustrierter bin ich. Dabei kommt mir Marianne Moores Gedicht über ihr Lieblingsthema "Poetry" (Dichtkunst) in den Sinn, das mit den Worten "Auch ich schätze sie nicht" ("I, too, dislike it") beginnt.

Zeichnung: Sohyun Jung
Jerry Saltz ist einer der weltweit bekanntesten Kunstkritiker. Er ist Chefkritiker des New York Magazine und war breits drei mal für den Pulitzer-Preis in der Sparte Kritik nominiert. Er lebt in New York.

Zumindest denke ich das, seitdem ich letzten Monat die provokante Gruppenausstellung "Wrong Side of History” besuchte. Diese setzt sich mit Trumps Amerika und dessen erstarkendem weißen Nationalismus, Rassismus und republikanischer Grausamkeit auseinander. Die Ausstellung ist durchweg politisch und bietet trotzdem genug gute Kunst und optische Raffinesse, um empfehlenswert zu sein. Neben den üblichen Verdächtigen – wie Martha Rosler, Shirin Neshat, Raymond Pettibon, Sue Coe, Lady Pink, Lee Quinones, Thomas Lanigan-Schmidt und David Wojnarowicz – sind auch Robert Upham (von den Dakota Sioux, dessen Zeichnung während der Standing Rock Proteste entstand), der Australier Colleen O’Reilly (mit der knorrigen Zeichnung einer Frau, die ihr Bein hebt, um auf einen rundlichen Trump zu pinkeln) und Dolores Castrucci (mit einer schönen Malerei aus der Hand der Mutter des gleichnamigen Galeristen, auf der ein zeitgenössischer amerikanischer Bombenangriff im Mittleren Osten dargestellt ist) vertreten. Trotzdem fühlte ich mich im Nachhinein niedergeschlagen – nicht der Ausstellung, sondern der Verfasstheit der Kunstwelt wegen.

Was machen wir hier eigentlich?

Blick in die Ausstellung "Wrong Side of History”

Fangen wir bei der Galerie an. Bullet Space befindet sich im Erdgeschoss eines sechsstöckigen Mietshauses, welches 1986 von Galerist Castrucci und anderen zunächst illegal besetzt wurde. Es trägt den Namen der Heroinsorte, die damals vor Ort gedealt wurde. Die Hausbesetzer mussten jahrelang mit einer einzigen Toilette für das ganze Haus, illegal angezapftem Strom, Holzöfen und einem aufgebrochenen Hintereingang vorlieb nehmen. 2009 erhielten sie dann einen legalen Mietvertrag.

Begleitend zur Ausstellung im Bullet Space erschien eine Zeitungspublikation mit drei herausragenden Essays. Castruccis Text beginnt mit den Worten "Kaum zu glauben, dass wir wieder hier sind". Damit bezieht er sich auf eine Ausstellung am gleichen Ort im Jahr 1985, die die "homophobe Ignoranz des Reaganlandes, gegenüber der AIDS-Krise kritisiert". Der größte Verdienst der Ausstellung besteht tatsächlich darin, uns zu verdeutlichen, dass wir uns heute wieder in der gleichen Lage befinden. Egal wie neuartig und grotesk alles seit der Wahl Geschehene erscheinen mag, sind wir wuterfüllt wie damals und richten diese Wut mitunter gegeneinander. Castrucci nennt Trump einen "irren, von glänzenden Goldobjekten besessenen König". Mich erinnert das daran, dass ein Verrückter, der denkt er sei König, nur dann einer sein kann, wenn die Anderen ihm Glauben schenken. Der Künstler Tom McGlynn – der im September 1991 mit einem Bild, auf dem er das Herz im "I [heart] NY" Logo zerbricht, auf dem Titelbild des Magazins Kunst Forum erschien – beschreibt, wie "Rechtsradikale nun von taktischer Ästhetik und einer systematischen Symbolisierung von Realität Gebrauch machen". Er führt dies auf jenen Bush-Sprecher zurück, der die "realitätsbasierte Community" mit den Worten "wir schaffen unsere eigene Realität" abtat. Trumps rote MAGA Schirmmütze – die für mich eine amerikanische Spielart des Hakenkreuzes darstellt – ist tatsächlich das prägnanteste Markenprodukt meiner Lebenszeit. Solange Trump noch im Amt ist sollte sie im MoMA ausgestellt werden – als Zugeständnis daran, dass sie auf unser aller Kappe geht. "Man kann sich nie sicher sein, welches die falsche Seite der Geschichte ist", schreibt der große Kritiker Carlo McCormick schließlich im dritten Essay der Publikation. "Aber man merkt immer, wenn man auf der falschen Seite steht oder ihr nahe kommt". "Das Problem ist", fährt er fort, "dass wir auch als Verlierer da stehen, sollten wir die Kulturkriege gewinnen". So wie Clinton und Gore trotz der Mehrheit der Wählerstimmen die Wahl verloren.

Langatmige Erklärungen in kaum leserlichen Texten

Folgende Zeile aus Castruccis Essay ist mir besonders in Erinnerung geblieben: "Ich hasse politische Kunst". Auf meine Frage, was er damit meine, antwortete er: "Die Arbeit muss eine dritte Ebene haben. Es darf nicht bloß Politik und Bild geben". Ich fragte ihn daraufhin: "Und was ist die dritte Ebene?", worauf er antwortete: "Kunst und Stofflichkeit". Amen.

Wie Castrucci sehe ich in der Kunstwelt – auf den großen Biennalen und internationalen Sausen, die heutzutage alle vorgeben, aktivistische Kunst auszustellen – kaum etwas, das wesentlich über den üblichen Text und das offensichtliche Bild hinausgehen würde. Und die politische Haltung bleibt sich immer gleich: "Ich habe diesen politischen Krisenherd aufgesucht und nun bin ich besorgt". "Wrong Side of History" dagegen hat mich zum Nachdenken über große Kunstweltsysteme, über Institutionen, über die Definition von "Kulturkampf" und Radikalität veranlasst.  

Ich liebe die Kunstwelt. Es wird großartige Kunst gemacht und ausgestellt. Und die Kunst wird immer leben, irgendwie. Aber wir müssen uns alle eingestehen, dass die Kunstwelt derzeit nicht gerade als Inbegriff von Radikalität gelten kann. Ihre Kunst ist oft inzestuös und selbstbezogen. Oder sie ist derart spezifisch, dass es langatmiger Erklärungen in kaum leserlichen Texten bedarf, nur um uns vor Augen zu führen, warum die jeweiligen Arbeiten überhaupt Relevanz haben. Und was uns relevant oder radikal erscheinen mag, wird vom Reichtum des Systems – schicke Museen, große Biennalen – häufig derart blank poliert und vereinnahmt, dass es kaum etwas wirklich Neuartiges bieten kann. Es stimmt, dass dieses Problem mehr auf die Kunstwelt als auf die Kunst oder die Künstler zutrifft. Und doch sind manche Künstler und Themen derart hip, dass sie kaum jemand zu kritisieren wagt. Ihre Anliegen sind so erhaben, dass vielleicht nur ein Hund in der Lage wäre, sie zu verstehen. Die Kunstwelt scheint mehrheitlich aus einer großen, homogenen Gruppe zu bestehen, die immer zusammengluckt. Ihre weltreisenden Mitglieder pflegen gemeinsam ihre Rituale und machen sich und uns weis, dass sie die Speerspitze einer mitfühlenden Avantgarde seien. 

Ein selbstgefälliges Mit-dem-Strom-schwimmen

Wer sich nun im Stillen denkt, dass "es kaum zu glauben ist, dass wir wieder hier sind", dem muss ich gestehen, dass auch ich das gegenüber der schillernden Kunstwelt einmal empfand. Darüber habe ich auch schon zuvor geschrieben – wahrscheinlich alle paar Jahre einmal, seitdem diese schöne, neue Welt in den Neunzigern geschaffen wurde. Aber so abgeschmackt und lähmend ich diese Kräfte im Jahr 2010 bereits empfunden haben mag, finde ich sie heute noch weit abstoßender: eine nach Aufmerksamkeit heischende Kultur, eine Politik, die versucht, uns alle wachzurütteln und ein engstirniger Kunstwelt-Kosmopolitismus, der weniger als ein selbstgefälliges Mit-dem-Strom-schwimmen erscheint, denn als mutwillige Zombieprozession.

Eigentlich sehne ich mich nicht einmal nach politischer Kunst. Explizit politische Kunst scheint mir – und hier stimme ich mit Castrucci überein – meist ziemlich simpel und unbefriedigend. Was wir meiner Meinung nach brauchen sind Zeichen einer neuen Energie oder Aktivität – ob politisch oder nicht sei erst mal dahin gestellt. Ich will wissen, ob die Kunstwelt in der Lage ist, sich selbst aufzurütteln. Angesichts der Kommerzialisierung unzähliger Widerstandsaktionen und Kritik durch Kunst und deren Institutionen, rückt diese Hoffnung in weite Ferne. In den letzten 20 Jahren kritisierte Kunst Kolonialismus, Kapitalismus, Sexismus, Rassismus – an denen sie immer auch selbst beteiligt ist – und immer wieder sich selbst. Heute ist unsere Welt noch größer, noch geschäftiger und noch effizienter. Sie hat Osama bin Laden, den Irakkrieg und die Weltwirtschaftskrise überstanden, ohne je ernsthaft beeinträchtigt zu werden. Ich hoffe, dass nicht das Gleiche auch für Trump und den Brexit gilt. Aber denkbar wäre es.

Man braucht sich nur die internationalen Ausstellungen anzusehen. Im Juni brach besagte Kunstwelt in Scharen zu den großen Ausstellungen wie der Documenta und der Biennale von Venedig auf um anschließend zur feschen Art Basel weiterzuziehen. Alle Berichte von Künstlern stimmen darin überein, dass beide Ausstellungen von einer inzwischen absolut generischen, zunehmend irrelevanten, internationalen kuratorischen Ästhetik dominiert wurden. Der frühere griechische Finanzminister Yanis Varoufakis verurteilte die Documenta als "Krisentourismus". Damit meint er die ganze späte, neokonzeptuelle Kunst, wie sie an Schulen gelehrt und von Kuratoren geschätzt wird. Sie besteht aus endlosen Dokumenten, Büchern, zerschnipselten Bildern und Videos in Vitrinen, auf Tischen, Böden und Haufen – oft mit anderen, angelehnten oder anders platzierten Objekten, mit Fotos und Filmen von Geflüchteten und gebeutelten Nationen arrangiert. Es wirkt, als spielten die Künstler nun die Rolle von rasenden Reportern. Problematisch ist nicht das Anliegen ihrer Arbeiten (wir nehmen alle gleichermaßen Anteil), ihrer Thematiken oder ihrer "Ernsthaftigkeit". Niemand meint, dass Kunst bloß lieblich, albern, zugänglich oder schön zu sein habe, oder gar dass ernsthafte Themen nicht in den Bereich der Kunst fielen. Und Wandtexte sind eigentlich toll. Problematisch ist jedoch, wie unoriginell, nachgeahmt, offensichtlich und trivial die Arbeiten sind. Und wie ähnlich sie einander sehen.

Was machen wir hier eigentlich?

"Nichtssagend": Ai Weiweis Installation "Hänsel & Gretel"

Das gilt leider auch für Ai Weiweis nichtssagende Armory Installation "Hänsel und Gretel", die er gemeinsam mit den Star-Architekten Herzog und de Meuron erarbeitet hat. Die Ausstellung kuratierten Tom Eccles (ein Genie, das ich bewundere und der es besser hätte wissen müssen) und Hans Ulrich Obrist (der es wahrscheinlich nicht besser weiß) – zwei Mitglieder der internationalen Kuratorenelite. Die über 5000 Quadratmeter große Haupthalle ist bis auf die über den Besuchern schwebenden, sirrenden Objekte und Netze dunkel. Die beiden Kuratoren bezeichnen dies als "einen bedrohlichen, dystopischen Wald aus projiziertem Licht und von Infrarotkameras und Drohnen verfolgten Besuchern”. Die Leute zahlen 15 US-Dollar Eintritt, um ziellos umherzulaufen und Abbildungen ihrer selbst auf dem Boden zu ihren Füßen zu betrachten. Dieser Unsinn ist der Welt größte Selfie-Maschine – die "Fake News" der Kunstwelt. Wenn wir die Republikanische Partei dazu auffordern, ihre eigenen "Fake News" aufzudecken, dann gilt Gleiches für die Kunstwelt. Und zwar schnell, klar und gründlich.

Natürlich gibt es auch Lebenszeichen. Das Fortnight Institute zum Beispiel wird von zwei jungen Frauen betrieben. Sie finanzieren die Galerie mit Vollzeitjobs: Jane Harmon leitet das Studio von Richard Prince, Fabiola Alondra ist Direktorin von 303 in Print, einem Verlag für limitierte Auflagen und Ephemera von Künstlern der 303 Galerie. 27 Quadratmeter misst das Ladenlokal im East Village. Bei vielen der übergroßen Ausstellungshäuser ist diese Art von Dichte verloren gegangen. Seit der Eröffnung im letzten Jahr waren Harmon und Alondra überaus aktiv. 2016 gab es die Ausstellung "Dicks", eine Gruppenausstellung überwiegend von Frauen, die mit besagtem Motiv arbeiten. Vor kurzem waren die "self-love/self-hate/self-taught"-Akte von Stacy Leigh ausgestellt. Beide Ausstellungen sind zu eigenartig, als dass in einer Institution wie dem Magazin Artforum jemals angemessen darüber berichtet werden könnte. Gerade werden die geometrischen Abstraktionen von Peter Shear gezeigt, in denen er persönliche Geometrien, Andrew Masullo und Raoul De Keyser kombiniert. Diesen Künstler sollte man sich merken.

Zumindest in den Schützengräben gibt es Energie

Auch Karma, ein paar Blocks weiter auf der East Second Street, sollte man nicht verpassen. Karma war nach der Eröffnung als Buchladen im Jahr 2011 im West Village (wo Künstler Rob Pruitt einst nackt Autogrammstunden gab) und anschließend in einem schönen Raum auf der Great Jones Street (in dem nun die hervorragende Zürcher Galerie Presenhuber ansässig ist) immer durchweg großartig. Bei Karma gab es sowohl verblüffende Shows von bedeutenden als auch von weniger bekannten Künstlern. Brice Mardens "1960s Suicide Notes" war eine der besten Ausstellungen des Jahres 2015. Julian Schnabels Ausstellung in der Galerie war das erste Nicht-Blue-Chip-Signal, dass es wieder okay ist, diesen Künstler zu mögen. Gegenwärtig ist bei Karma eins der seltsamsten Kunstwerke ausgestellt, dass ich je gesehen habe. Robert Grosvenors "Three Car Unit" besteht aus drei stark modifizierten, alten Kraftfahrzeugen. Ich könnte sie nicht im Einzelnen identifizieren, aber alle kommen mir bekannt vor – aus Filmen, Fotografien und den Erinnerungen anderer Leute. Subtil veränderte Formen werden zur skulpturalen Proposition, die sich als nützliches Objekt ausgibt. Eigentlich sollte man es bis zum Jahr 2300 in einer Salzmine einlagern, um zu schauen, was die Menschen dann damit anfangen würden.

Wie die Kunstwelt ihre Kinder frisst
Kritikerlegende Jerry Saltz rechnet mit der Kunstwelt ab: Der aufgeheizte Markt produziert immer mehr künstlerische Eintagsfliegen, deren schneller Erfolg zu immer mehr leeren und mittelmäßigen Arbeiten führt

Letztes Jahr eröffnete die von zwei ausgezeichneten Künstlern betriebene Galerie Gordon Robichaux. Der in der Nähe des Union Square Building (wo Warhol erschossen wurde) gelegene Raum strahlt den Flair des bohèmehaften New York aus. Es empfiehlt sich, den alten Aufzug in den neunten Stock zu nehmen und sich durch die Korridore zu einem Raum zu schlängeln, der von entzückenden, marokkanischen Teppichen (günstig zu erwerben) bedeckt ist. Diese stammen von der jungen Wilden Katherine Bernhardt. Die erste Ausstellung der Galerie war die "Bibliothek des schönen Babel" von einem der besten unbekannten New Yorker Künstler und Lehrer der letzten 40 Jahre: Ken Tisa. Im Augenblick sollte man nicht zwei der besten Künstler, die ich dieses Jahr gesehen habe, verpassen: die in Uganda geborene Leilah Babirye und den 71-jährigen Autodidakten Frederick Weston aus New York.

Und schließlich gibt es noch die von der überaus kenntnisreichen Initiatorin Ellie Rines betriebene Galerie 56 Henry. Seit sie aus der Gansevoort Street in den winzigen Laden in Chinatown zog, waren hier ausgezeichnete junge Künstler wie Richard Tinkler, Ryan Wallace und Cynthia Talmarge Teil des Programms. Derzeit hängt Sam Moyers paradoxes Buntglasfenster über dem Schaufenster der Galerie – eine treffende Kunstmetapher darauf, hineinzusehen, während man ausgesperrt bleibt – eine Anspielung auf Trumps Mauer. Letzte Woche führte mich Rines zu einigen brandneuen, versteckt in Chinatown gelegenen Ausstellungsräumen. Diese winzig kleinen Läden befinden sich in den großen, geschäftigen Märkten von Chinatown und werden bereitwillig von chinesischen Eigentümern verpachtet. Hier sah ich faszinierende Ausstellungen in kleinen Glaskabinen, die nur aus ein oder zwei Objekten bestanden. Der Takt der Veränderung schlägt hier schnell. Wenigstens lässt sich feststellen, dass es in den Schützengräben Energie gibt.

Was machen wir hier eigentlich?

Derzeit in der Galerie Karma: Robert Grosvenors "Three Car Unit"

Aber reicht das in Kombination mit dem was andere tun aus? In "Poetry" fährt Moore fort mit den Worten "Beim Lesen mit der angemessenen Geringschätzung, stellt man aber fest, dass in ihr doch Raum für das Unverfälschte ist". Wir müssen diese "Geringschätzung" auf jene Bereiche des Systems übertragen, die nicht funktionieren. Außerhalb des Systems zu stehen ist nicht notwendigerweise besser als innerhalb. Wir müssen unsere Jobs nicht kollektiv hinschmeißen, Kunsthochschulen in die Luft jagen oder uns gegen die Galerien wenden. Das Gros der Kunst kommt aus den Galerien. Aber wir können es uns auch nicht leisten, einfach mit dem Strom zu schwimmen. Widerstand hat viele Gesichter. Meiner Meinung nach kann die globale, soziale, technokratische Kunstwelt in ihrer gegenwärtigen Verfassung nicht mehr lange von Bedeutung sein, es sei denn als Börsenparkett und Arbeitsagentur für unfähige, hochdotierte Weltverbesserer. Es hat sich lange angebahnt, nun drängt die Zeit. Aber wenn die Kunstwelt am Boden liegt, bedeutet das auch, dass wir sie wieder in Ordnung bringen und etwas aus ihr machen können. Was genau? Das ist im Grunde genommen egal, solange es neu ist.

Überzetzung aus dem Englischen: G&C Translators

Künstler, an die Arbeit!
Die überraschende Wahl Donald Trumps zum U.S.-Präsidenten verbreitet in der Kulturwelt Angst und Schrecken: Kommt der Kollaps des Kunstmarkts? Mehr Zensur? Kritiker Jerry Saltz bezweifelt das – und sieht vielmehr das Potential