Documenta feiert Halbzeit

Erfolgreich trotz Kritik

Die Documenta in Kassel feiert Halbzeit und neue Bestmarken bei den Besucherzahlen. Doch die Ausstellung ist umstritten. Die Macher stört das wenig.
Erfolgreich trotz Kritik

Besucher auf der Documenta 14 in Kassel

Manchmal ist Kunst wie Fußball: Am Ende stimmt das Ergebnis, aber gute Kritiken gibt es nicht. So ergeht es der Documenta, der weltweit bedeutendsten Ausstellung für zeitgenössische Kunst. Die 100 Tage-Schau feiert Halbzeit in Kassel und steuert auf einen Besucherrekord zu. Doch in den vergangenen Wochen mehrte sich die Kritik. Die Ausstellung sei "missraten" und "enttäuschend", urteilten Medien.

In Kassel ist davon wenig zu spüren: Lange Menschenschlangen auf dem Friedrichsplatz, dem Herz der Documenta, gehören fest zum Stadtbild. Die Stimmung unter den meisten Besuchern ist gut. Selbst mehrere Tage Dauerregen schadeten der Ausstellung kaum. In den Ausstellungsgebäuden sei es umso voller gewesen, berichtet die Polizei, die mit einer eigenen Wache bei der Kunstausstellung vor Ort ist.

Die Zwischenbilanz der Documenta-Macher bestätigt den Eindruck. 445 000 Besucher seien bisher gekommen, 17 Prozent mehr als bei der Halbzeit der vergangenen Documenta im Jahr 2012. "Sehr zufrieden können wir auf den bisherigen Verlauf der Documenta 14 in Athen und Kassel zurückblicken", erklärte Annette Kulenkampff, Geschäftsführerin der Documenta. Als Künstlerischer Leiter sei er stolz auf das, was man bislang erreicht habe, erklärte auch Kurator Adam Szymczyk.

Radikale Entortung, Entzeitlichung und Entkunstung

"Die Leute scheinen zu kommen trotz massiver negativer Kritik", sagt der Kasseler Kunstwissenschaftler Harald Kimpel. Der 67-Jährige ist langjähriger Beobachter der Ausstellung und hat über die Documenta-Geschichte promoviert. "Man kann fast sagen: Der Ruf kann der documenta egal sein", erklärt er.

Kimpel fasst die Ausstellung unter den Begriffen "radikale Entortung, Entzeitlichung und Entkunstung" zusammen: Weil die Ausstellung auch zeitversetzt in Athen stattfand, löse sie sich von ihrer Geburtsstadt Kassel und hebe die traditionelle Dauer von 100 Tagen auf. "Und um Kunst im eigentlichen Sinn geht es nur zu geringen Teilen." Es handele sich um eine "Mitleidsdocumenta", bei der einem "die Traumata von Menschen aus aller Welt kommentarlos vor die Füße geworfen werden", sagt der Kunstwissenschaftler und spricht sogar vom "Ende der Documenta".

Abseits der Kunst sind die Reaktionen sehr positiv: Der Stadt Kassel bringt die Ausstellung viele Tausende Besucher in die städtischen Museen, die auch Documenta-Standorte sind. Der neue Kasseler Campingplatz war im Juli fast ausgebucht. "Die Stadt ist belebt, von internationaler Atmosphäre und Gästen geprägt, viele Menschen besuchen die Ausstellung und die Gastronomie", sagt Stadtsprecherin Petra Bohnenkamp. Man sei zufrieden.

Auch die Documenta-Wache der Polizei zieht eine durchweg gute Bilanz ohne größere Zwischenfälle. Lars Viereck, Leiter der Documenta-Wache, lobt die Organisatoren: Sie hätten beispielsweise eine detailliertere Documenta-Karte herausgebracht. Zum Start der documenta hatten noch viele verirrte Besucher Hilfe gesucht. Auch im Bezug auf Trittbrettfahrer, die die Ausstellung für eigene Anliegen nutzen wollen, habe man immer eine Lösung gefunden, "mit der alle zufrieden sind".

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Trotz aller Kritik ist auch Kunstwissenschaftler Kimpel zur Halbzeit klar, dass es mit der Documenta weitergeht. Die Ausstellung habe seit den sechziger Jahren alle "Todesanzeigen und Nachrufe" auf sich problemlos überstanden: "Es hat eine Documenta 14 gegeben, weil es eine Documenta 13 gab und es wird auch eine Documenta 15 geben."

Die Documenta in Kassel startete am 10. Juni und geht noch bis zum 17. September. Mehr als 160 Künstler zeigen an 30 Standorten ihre Werke. In Athen ist die Documenta bereits zu Ende.

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