Gib mir fünf!

Tipps der Woche



DIE FÜNF TIPPS DER WOCHE

Unsere Serie "Gib mir fünf!" präsentiert Ihnen jede Woche fünf Kunst-Höhepunkte, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. art-Autorin Sabrina Rullert empfiehlt diese Woche: Hörskizzen, ein Gespräch über Köln, sowie geilblökende und böse Dinge.
// SABRINA RULLERT
Berlin: Böse Dinge. Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks

Wer ein richtig "böses Ding" Zuhause hat, wie etwa Philippe Starcks unpraktische Zitronenpresse, sollte dieses Objekt einpacken und sich aufmachen zum Museum der Dinge in Berlin. In der Sonderausstellung des Werkbundarchivs "Böse Dinge - Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks", hat dieses üble Ding die Chance auf viele seiner Artverwandten zu treffen. Zudem gibt es, zum Dank für "die Mithilfe bei der Erforschung des Ungeschmacks", freien Eintritt in die Ausstellung. Hier werden erstmals historische Gegenstände aus der 1909 von Gustav E. Pazaurek angelegten "Abteilung der Geschmacksverirrungen" mit zeitgenössischen Produkten konfrontiert. Die aufgebaute Schausammlung mit 900 Objekten sollte vor 100 Jahren zum "guten Geschmack" erziehen. Nun greift das Museum für die Gegenüberstellung historischer und zeitgenössischer Produktkultur das von Pazaurek, dem damaligen Museumsdirektor des Stuttgarter Landesgewerbemuseums, entwickelte System zur Klassifizierung von Gestaltungsfehltritten auf. Von der Massenware bis zum Designerentwurf werden alle Objekte in Pazaureks Kategorien wie "Jägerkitsch, Dekorübergriffe, Konstruktionsattrappe, Dekorbrutalitäten oder Hurrakitsch" eingeordnet. Die Ausstellung verspricht einen guten Überblick über das Gruselkabinett der üblen Gestaltung.

Goslar: Herbert Volkmann und Jonathan Meese

Seit 1996 kennen sich Herbert Volkmann und Jonathan Meese, nun sind die beiden befreundeten Künstler in einer gemeinsamen Ausstellung im Mönchehaus-Museum in Goslar zu sehen. Volkmann und Meese fanden sich durch die Kunst. Volkmann hatte in den siebziger Jahren Malerei an der Berliner Hochschule der Künste studiert und seinen guten Blick zunächst für das Sammeln, statt für die eigene Malerei eingesetzt. 1996 kaufte er ein Bild des jüngeren Meeses. Als dann drei Jahre später Volkmann seine Sammlung aufgeben musste, war es Meese, der ihn ermutigte, wieder zum Pinsel zu greifen und der die erste neue Arbeit Volkmanns kaufte. Auf den Besucher ihrer Ausstellung "Fleisch ist härter als Stahl, Meerespferd Fötusmann und Beausatan Käse an der Ozbar", die ab dem 17. Juli zu sehen ist, warten "Geilblökende Dinger" in Installationen, Gemälden und gemeinsamer Performance. Die Künstler haben sich mit Goslar als Residenzstadt deutscher Könige und Kaiser auseinandergesetzt und werden bei der Eröffnung dabei sein. Der Hamburger Sammler Harald Falckenberg führt mit einer Rede in die Ausstellung ein. Nach dem Gang durch die Schau lockt gleich das Sommerfest im illuminierten Skulpturengarten des Museums. Man sollte sich anmelden und bereit sein, 30 Euro anzulegen.

Köln: Ein Zwiegespräch mit der eigenen Stadt

Die Kölner wieder für ihre eigene Stadt zu sensibilisieren, haben sich die beiden Studentinnen Juliana Csépe und Tina Westiner von der Köln International School of Design zum Ziel ihrer Diplomarbeit gesetzt. Herausgekommen ist dabei das Projekt "The Köln Concept“, zu dem die Ausstellung ein "Zwiegespräch über die Stadt Köln" in der Rheinlandhalle in Köln Ehrenfeld gehört. Gezeigt werden die Arbeiten von 50 Kulturschaffenden: Designern, Autoren, Architekten und renommierten Künstlern wie Walter Dahn und Rosemarie Trockel. Thematisiert werden nicht nur die Schokoladenseiten Kölns, Postkartenansichten und Klischees, sondern auch Missstände in der Rheinmetropole. Die Einwohner Kölns, aber auch andere Interessierte können ihren Blick auf die Stadt noch bis zum 22. Juli schärfen.

Hamburg: Das Filmprojekt "Belleville" im Hinterconti

Um kritische Ansichten einer Stadt geht es auch beim Videoprojekt "Belleville", dass ab dem 17.Juli in den Räumen des Vereins Hinterconti in Hamburg zu sehen ist. Vladan Jeremic, Maler, Hacktivist und Autor kritischer Texte, und Rena Rädle, freie Künstlerin, beschäftigen sich seit sieben Jahren mit den gesellschaftlichen Bedingungen und Entwicklungen in Belgrad und anderen Städten. In ihren kritischen Beobachtungen dokumentieren sie die sozialen und politischen Verhältnisse. Ihr Film "Belleville", zeigt den Abriss einer Roma-Siedlung in Belgrad und dokumentiert die nachfolgenden Proteste und die Verzweiflung der vertriebenen Bewohner. Die Barackensiedlung Blok 67 der Roma wurde Anfang 2009 mit polizeilicher Unterstützung gewaltsam geräumt und abgerissen, ohne das die Bewohner ihren persönlichen Besitz retten konnten. Die Siedlung lag in der Nähe eines Wohnblocks ("Belvil"), der anlässlich der internationalen Sportveranstaltung "Sommer-Universiade 2009" errichtet wurde. Die Behörden stellten den Roma keine anderen Unterkunftsmöglichkeiten zur Verfügung. Rena Rädle und Vladan Jeremic dokumentieren in ihrer Filmarbeit den Protest der 45 vertriebenen Familien und ihre Forderung nach Obdach, Nahrung und politischem Eingreifen.

Hamburg: Hörskizzen von Simon Waßermann

Etwas für und Augen und Ohren gibt es zudem beim Jubiläum des Korrespondentennetzwerks Weltreporter.net in Hamburg. Der Zusammenschluss freier Auslandskorrespondenten feiert sein fünfjähriges Bestehen mit einer Ausstellung in der Galerie Ruth Sachs und ihrem Reporterbüro, in der an Hörstationen gelauscht und Hörskizzen angeschaut werden können. An zehn Hörstationen geben die Korrespondenten mit Berichten, Reportagen und Sound-Collagen aus aller Welt einen Einblick in ihre Arbeit. Der Hamburger Künstler Simon Waßermann hat sich von den Hörbeiträgen zu spontanen "Hörskizzen" inspirieren lassen, die in der Galerie Ruth Sachs zu sehen sind. Der Bericht von Alois Berger aus Brüssel etwa über die "EU-Kommision und das deutsche Bäckerhandwerk" inspirierte Waßermann zu einer Filzstiftskizze mit Gebiss. Journalismus und Kunst werden in spannender audiovisueller Kombination präsentiert, die auf Alltagssituationen aus verschiedenen Teilen der Welt verweist.

Kommentieren Sie diesen Artikel

2 Leserkommentare vorhanden

T.Setzer

18:03

17 / 07 / 09 // 

unmsonst..

Na hoffentlich hat sich Frau Rullert mit der Erwähnung des Duos Volkmann/Meese den Eintritt verdient. Oder einfach den Harald anrufen.. der bringt Sie schon rein. Sie sind doch noch jung.. und der Wein dort sicher auch.

T.Setzer

18:10

17 / 07 / 09 // 

Nach all dem Gemecker..

..mal was bereicherndes: Munchs "Schrei" als 1,20m große Aufblasfigur. http://www.bankaustria-kunstforum.at/media/image/600/1900.jpg <img src="http://www.bankaustria-kunstforum.at/media/image/600/1900.jpg">

Abo