Bilder-Zyklus von Gerhard Richter

"Birkenau" im Reichstag

"Birkenau" im Reichstag

Gerhard Richter vor seinem Zyklus "Birkenau" im Museum Frieder Burda in Baden-Baden

Im Berliner Reichstag, dem Sitz des Bundestages, soll künftig der beklemmende Bilderzyklus "Birkenau" von Gerhard Richter an die Barbarei des Holocaust erinnern. Der Kunstbeirat des Bundestags stimmte einem entsprechenden Vorschlag von Parlamentspräsident Norbert Lammert (CDU) zu, wie die Pressestelle am Mittwoch mitteilte.

Für den vierteiligen monumentalen Zyklus hat Richter Motive aus Fotos verwendet, die im Jahre 1944 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau heimlich aufgenommen wurden. Schon seit der Neueröffnung des Reichstagsgebäudes 1999 hängt in der westlichen Eingangshalle eine abstrakt schwarz-rot-goldene Farbkomposition des Künstlers. Die vier Werke "Birkenau" sollen nun an der gegenüberliegenden Wand angebracht werden. "So wird in der Halle ein gedanklicher Spannungsbogen aufgebaut und die historische Dimension deutschen Selbstverständnisses zur Anschauung gebracht", hieß es vom Bundestag.

Finde Bedeutung!
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Gerhard Richter stellt die Fotografien der Mitteilung zufolge als Leihgabe zur Verfügung. Er will sie am 4. September an das Parlament übergeben. Für die Serie hatte er die KZ-Fotos als Vorlage übernommen, sie in mehreren Arbeitsgängen immer wieder übermalt und schließlich vier gleich große Fotografien davon gefertigt. Sie sind im Diasec-Verfahren hinter Acrylglas versiegelt. Die bisher an der Wand installierten Leuchtkästen des Künstlers Sigmar Polke müssen laut Bundestag restauriert werden. Deshalb sei es notwendig gewesen, eine neue Gestaltung für die Südwand zu finden, hieß es.

Gerhard Richter fotografiert von Lothar Wolleh, 1970
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