Polizeiwache auf der Documenta in Kassel

»Das ist normal, das ist Kunst«

Verrückte Aktionen und schräge Gestalten gehören zur Documenta dazu. Denn abseits der offiziellen Ausstellung versuchen selbst ernannte Künstler, die öffentliche Aufmerksamkeit zu nutzen. Die Polizei muss eingreifen.
»Das ist normal, das ist Kunst«

Könnten auch selber Kunst sein: Polizisten auf der Documenta in Kassel

"Brennt es da, oder ist das Kunst?" Auf solche Fragen müssen Polizisten auf der Documenta 14 in Kassel gefasst sein. Polizeioberkommissar Oliver Stiebing ist gerade auf Streife mit Kollegin Andrea Schallner, als ein Mann die Beamten auf dem Friedrichsplatz anspricht. "Das ist normal, das ist Kunst", sagt Stiebing. Denn der weiße Qualm über dem Museum Fridericianum ist Teil der weltweit bedeutendsten Ausstellung für zeitgenössische Kunst, die gerade in Nordhessen läuft.

Die Kasseler Polizei ist mit einer eigenen Wache vor Ort - und beliebter Anlaufpunkt. Egal ob herrenlose Gepäckstücke, verirrte Touristen oder verrückte Aktionskünstler, die Polizei auf der Documenta muss sich mit vielen Problemen beschäftigen. Kaum setzen die Polizisten Stiebing und Schallner ihren Rundgang fort, steht eine hilfesuchende Frau vor ihnen: Eine Chinesin fragt nach dem für sie kaum aussprechbaren "Museum für Sepulkralkultur". Deutsch kann sie nicht - die Beamten helfen schnell auf Englisch.

Ausstellungs-Besucher seien ein friedliches Publikum, erklärt Lars Viereck, Leiter auf der Documenta-Wache. Die besteht aus einem Wohnwagen in weiß-blau und einem Container. Zur Zahl der Einsatzkräfte sagt er aus taktischen Gründen nichts, versichert aber: "Wir haben diesmal mehr Kollegen dabei als bei der letzten Documenta." Das sei der allgemeinen Sicherheitslage geschuldet. Terrorangst ist aber auf der Kunstausstellung nur ein Randthema. Einmal löste ein herrenloser Koffer Sprengstoffalarm aus - darin war eine Bohrmaschine.

Die Ausstellung zieht schräge Gestalten und selbst ernannte Künstler an

Die Besucher kommen meist mit Alltagsproblemen zu den Beamten - und das im Minutentakt. Ein Mann berichtet von einem herrenlosen Hund, zwei Touristinnen wollen wissen, ob sie mit ihren Taschen in die Ausstellung kommen. Dafür ist die Polizei nicht zuständig, trotzdem helfen die Beamten nach Kräften.

Der Dienst mit Blick auf den Kunsttempel "Parthenon der Bücher" ist freiwillig: "Jeder, der kommt, weiß was ihn hier erwartet", sagt Viereck. Anstrengend wird es für die Beamten durch die mediale Wirkung der Documenta: Die Ausstellung zieht schräge Gestalten, selbst ernannte Künstler und Menschen an, die die öffentliche Aufmerksamkeit für sich nutzen wollen.

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"Wir hatten eine Dame hier, die mit drei Metallbehältern und einem Schild umherzog", sagt Viereck. Darauf stand: "Geht nicht wählen." Eine andere Person habe penetrant mit Flugblättern versucht, Unterstützer für den eigenen Gerichtsprozess zu finden. Gegen solche Trittbrettfahrer gehe die Documenta vor: "Wenn deren Sicherheitsdienst nicht weiterkommt, versuchen wir das zu lösen", sagt Viereck.

Das sei bisher immer gewaltfrei gelungen, aber nicht einfach: Das Herz der Documenta, der Friedrichsplatz, ist ein öffentlicher Ort. Doch während der Kunstausstellung seien Bereiche vermietet - an die Ausstellungsmacher und an Gastronomen, die dort Hausrecht hätten, sagt Viereck. Mangels klarer Grenzen bewege man sich oft in einer Grauzone.

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