Turner Preis 2017

Deutsche Künstlerin nominiert

Andrea Büttner steht auf der Shortlist und könnte den Turner-Preis nach Deutschland holen. Erstmals waren Künstler über 50 zugelassen.
Deutsche Künstlerin nominiert

Installationsansicht von "Andrea Büttner: Gesamtzusammenhang" in der Kunst Halle Sankt Gallen

Die deutsche Künstlerin Andrea Büttner hat es in die Endauswahl des renommierten britischen Turner-Preises geschafft. Büttner überzeugte die internationale Jury mit ihrem Portfolio an Skulpturen, Gemälden und Filmen. Die gebürtige Stuttgarterin (Jahrgang 1972) studierte in Berlin, sie lebt und arbeitet in London und Frankfurt/Main. Erst ein Deutscher, der Fotograf Wolfgang Tillmans, hat bisher den Turner-Preis bekommen.

Ausschlaggebend für die Nominierung waren Büttners Ausstellungen in der Kunsthalle St. Gallen (Schweiz) und bei David Kordansky in Los Angeles. Die Künstlerin thematisiere in ihren Werken Moral, Ethik und Religion, erläuterte die Jury am Mittwoch. Büttner nutzt häufig Archivmaterial wie zum Beispiel Heimvideos von Amateuren.

Neben der Deutschen nominierte die Jury mit Hurvin Anderson und Lubaina Himid zwei Künstler, die über 50 Jahre alt sind - das ist ein Novum. Bis zum vergangenen Jahr galt die Altersgrenze von 50. Die Organisatoren änderten diese Regelung, um auch die Leistung von Künstlern zu würdigen, die erst spät ihren Durchbruch schaffen. Andersons Malerei stellt politische und soziale Kategorien wie Identität und Zugehörigkeit in den Vordergrund. Die aus Sansibar stammende Himid widmet sich in Gemälden, Grafiken und Installationen dem Einfluss schwarzer Einwanderer auf die westliche Kultur. Die vierte Kandidatin auf der Shortlist ist die Filmkünstlerin Rosalind Nashashibi. Die Britin mit palästinensischen Wurzeln erforscht vor allem von Menschen besetzte Räume - vom Kleingarten bis zum Gaza-Streifen. Mit ihrer Kamera hält sie Momente fest und versucht Kontraste zu Fantasienwelten zu erzeugen.

Der seit 1984 vergebene Preis ist nach dem Maler William Turner benannt. Er gilt als wichtigste britische Auszeichnung für moderne Kunst. Geehrt werden Künstler, die in Großbritannien geboren wurden, dort leben oder arbeiten. Der Preisträger erhält 25 000 Pfund (knapp 30 000 Euro).

Helen Marten gewinnt
Der renommierte britische Turner-Preis geht in diesem Jahr an Helen Marten. Die englische Künstlerin schafft Installation, die aus alltäglichen Gegenständen gemacht sind, zum Beispiel Münzen, Wattestäbchen oder Schüsseln