Der ART-Kuratorenpreis für MUMOK-Trio

Einmal Richtung Himmel zeigen

Der ART-Kuratorenpreis wurde am Mittwochabend zum zweiten Mal während der Kunstmesse Art Cologne verliehen. In den Räumen des Auktionshauses Van Ham erfuhren die Gäste vieles über das Kuratieren von Ausstellungen, den wieder entdeckten slowakischen Künstler Július Koller – und eine Geste, die in schweren Zeiten hilft.
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Preisträger Georg Schöllhammer, hier mit Karola Kraus (Direktorin des MUMOK)

Als das Urteil der Jury bekannt gegeben wurde, war im Saal ein gewisses Erstaunen zu spüren, selbst die Geehrten schienen überrascht zu sein. Der ART-Kuratorenpreis für die Ausstellung des Jahres 2016 würdigt die Retrospektive eines Künstlers, der bis vor kurzem zwar bekannt, aber nicht berühmt war: Július Koller (1939-2007). Er zählte zu den bedeutendsten Vertretern der oppositionellen slowakischen Kunstszene zur Zeit des Kalten Kriegs, viele seiner Arbeiten entstanden im Verborgenen.

Das Kuratorenteam Daniel Grúň, Kathrin Rhomberg und Georg Schöllhammer hat die Schau »Július Koller. One Man Anti Show« im Wiener Museum Moderne Kunst Stiftung Ludwig Wien (MUMOK) in jahrelangen Recherchen erarbeitet und große Teile des Werks überhaupt erst erschlossen. Die Fachjury erkennt mit der Auszeichnung unter anderem den großem Forschungsaufwand und die bestechende Präsentation an.

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Zum zweiten Mal nach 2016 waren die Gäste zur Verleihung in den hohen Saal des Auktionshauses Van Ham in Köln-Raderthal gekommen. Dass mit der Koller-Ausstellung keiner der großen Blockbuster des Jahres ausgezeichnet wurde, mag manchen überrascht haben, bestätigt aber den Grundgedanken des Preises: Das ganze Spektrum der kuratorischen Arbeit soll in den Blick genommen werden, wie ART-Chefredakteur Tim Sommer in seiner Rede sagte: "Es soll eben dezidiert kein Star-Preis für ein Kuratoren-Jet-Set sein, keiner für das abgehangene Lebenswerk und auch kein Förderpreis für das Zukünftige – sondern ein Preis, der mitten aus der Wirklichkeit des deutschsprachigen Ausstellungswesens schöpft, das zum Glück nicht nur aus Biennalen und Documentas besteht – sondern aus der ehrgeizigen, engagierten, wilden, genauen, risikofreudigen Arbeit, die in vielen Häusern stattfindet, und die Kunst aller Epochen betrifft, nicht nur die zeitgenössische Kunst, für die der Begriff des Kurators in der Öffentlichkeit vor allem steht".

Begonnen hatte der Abend mit der Begrüßung der rund hundert Gäste durch Markus Eisenbeis, Chef des Auktionshauses Van Ham und Gastgeber des Abends. Er sagte auch ein paar Worte zur Ausstellung der legendären Kölner Avantgarde-Künstlerin Mary Bauermeister im Haus; derzeit sind hier Werke aus allen Schaffensphasen zu sehen, und die 81-jährige Künstlerin, ebenfalls anwesend, freute sich sichtlich über das neue Interesse an ihrem Werk. Tim Sommer stellte dann die Jury und die Nominierungen vor (siehe unten) und verkündete den Preisträger; die Laudatio hielt die Kunstkritikerin Almuth Spiegler, Redakteurin der Tageszeitung "Die Presse" und ART-Korrespondentin in Wien.

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Die Verleihung fand in den Räumen des Auktionshauses Van Ham statt.

Spiegler erzählte davon, wie fremd den meisten Wienern der nahegelegene Osten noch bis vor kurzen war. Obwohl Július Kollers Heimatstadt Bratislava nur 50 Autominuten von Wien entfern liegt, haben man lange zu wenig darüber gewusst. Sie beschrieb den Aufbau der Ausstellung: Ping-Pong-Tische hatten dort unter anderem gestanden – Koller hatte diese in den verhärteten Zeiten nach der Niederschlagung des Prager Frühlings in der Tschechoslowakei als Symbole der Verständigung begriffen. Und sie würdigte das Engagement der drei Kuratoren, die aus der Wohnung von Kollers Witwe in Bratislava tausende von Werken herausholten und aufarbeiteten – Grundlage für die Ausstellung im MUMOK.

Von den drei Kuratoren war mit Georg Schöllhammer einer persönlich anwesend, an seiner Seite kam Karola Kraus, Direktorin des MUMOK, mit auf die Bühne. Schöllhammer war sichtlich bewegt; in seiner Dankesrede fragte er sich, wie Július Koller jetzt wohl reagieren würde – und fand auch gleich die Antwort: Er reckte den Zeigefinger hoch in die Luft, eine Geste, mit der Koller immer darauf verwiesen habe, dass die Kunst auch ein schweren Zeiten einen höheren gedanklichen Raum öffnen könne. Dieser Fingerzeig könne auch in unserer Ära der Krisen helfen.

Die diesjährige Jury für den art-Kuratorenpreis setzte sich wie folgt zusammen:

  • Sabine Schulze, Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg
  • Achim Hochdörfer, Museum Brandhorst, München
  • Stefan Koldehoff, Deutschlandfunk
  • Ingrid Pfeiffer, Schirn-Kunsthalle, Frankfurt/Main
  • Tim Sommer, art-Das Kunstmagazin

Alle zwölf nominierten Ausstellungen finden Sie in der folgenden Bildstrecke.

 
Art Cologne 2018
Hier finden Sie alle wichtigen Informationen, aktuelle Hallenpläne, dazu Berichte, Interviews und Bilder aus der reichen Geschichte der »Mutter aller Kunstmessen« – unsere umfangreiche Themenseite zur Art Cologne