Emojis und Memes zu Frida Kahlo

FridaMojis für alle!

Mit ihren faszinierenden Bildern und ihrem markanten Auftreten ist Frida Kahlo zur Kultfigur geworden. Wie relevant die Künstlerin auch noch für die Generation der Millennials sein kann, zeigt das Projekt Museumito mit einer »FridaMoji«-Kollektion.
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Die Frida Emojis sorgen im Netz für Furore

Denkt man an die Märchen der Gebrüder Grimm, kommen einem viele schöne Geschichten in den Sinn, vom Rotkäppchen, das seine Großmutter rettet, bis zum Dornröschen, das von einem Prinzen aus ihrem Gefängnisturm befreit wird. Märchen haben etwas Fröhliches an sich, und das, obwohl die Originalfassungen oft blutrünstig waren – und zum Teil auch noch sind. Man denke nur an Hänsel und Gretel: Die Geschichte handelt von einem Geschwisterpaar, das sich im Wald verirrt, nachdem es von den Eltern dort ausgesetzt wurde, und in die Gefangenschaft einer Hexe gerät, die den Jungen mästet – mit dem Ziel, ihn aufzuessen – und das Mädchen versklavt.

Einen ähnlichen Effekt gibt es auch bei den Werken von Frida Kahlo. Was auf den ersten Blick durch Farben und Tierfiguren ein bisschen naiv-kitschig erscheint, ist auf den zweiten Blick oft erschreckend bedrohlich. Zum Beispiel, wenn echte, blutige Herzen gemalt werden, wo sonst oft das entsprechende Symbol als Stellvertreter fungiert.

Kultufigur – auch für den heutigen Netz-Feminismus

Überhaupt hat Frida Kahlo auf eindrückliche Weise Schmerzen in ihren Bildern thematisiert. Insbesondere die des Frau-Seins, wenn sie etwa ihre eigene Geburt malte, bei der die Mutter als Tote ihr Kind gebärt, oder wenn sie ihrer Hebamme im Bild eine schwarze Totenmaske aufsetzte. Sie hat das Mann-Sein ausprobiert, als sie sich der Jungen-Clique ihrer Schule, den "Cachuchas“ anschloss, oder sich im Gemälde ihre Haare abschnitt.

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Die Darstellung von Schmerz ist in vielen Werken Frida Kahlos Thema

Zugleich war sie die Frau von Diego Rivera und trug ihm zuliebe die mexikanische Tracht. All das machte sie in den siebziger Jahren zu einer Ikone der Frauenbewegung. Mit ihren üppigen Augenbrauen und dem Damenbart passt sie aber auch in den gegenwärtigen Netz-Feminismus. Es ist daher kein Zufall, dass sich die Follower des Instagram-Accounts der Galerie Cantor Fine Art bei einer Abstimmung für eine Emoji-Kollektion von Frida Kahlo entschieden haben. Andere Kandidaten wie Andy Warhol, Salvador Dalí oder Jean-Michel Basquiat konnten da nicht mithalten.

Sam Cantor, der Art Direction studiert hat und bei der berühmten Werbeagentur Wieden+Kennedy arbeitete, hat die Emoji-Kollektion im Team mit Museumito entworfen. Dafür wurden Kahlos Gemälde eingehend studiert, was dazu führte, dass viele Emojis bewusst ausgewählte Bilder repräsentieren. Unter anderen jenes Selbstporträt, auf dem Kahlo im Herrenanzug und mit frisch geschorenen Haaren zu sehen ist.

Doch während Kahlo im Gemälde den Betrachter mit strengem Blick ins Visier nimmt und die erröteten Wangen von einem exzessiven Erlebnis zeugen, schaut die äquivalente Emoji-Figur heiter strahlend gen Schere, die sich noch in Verwendung befindet. Nun könnte man einwenden, und entsprechende Stimmen wurden auch bereits laut, das sei eine zu starke Vereinfachung und manifestiere sogar am Ende die Vorstellung, Kahlo male naiv-kitschig. Diese Emojis seien also eine schlechte Kunstrezeption.

Keine Werke, sondern Beiwerke

Doch die Vereinfachung ist der Logik von Emojis geschuldet, die eben keine Werke darstellen, sondern Beiwerke. Sie unterstützen in vielfältiger Hinsicht die Kommunikation, seltener indem sie diese ablösen, meistens indem sie Geschriebenes wiederholen oder ergänzen. Somit ersetzen sie Mimik und Gestik, die in einem schriftlichen Dialog fehlen. Dadurch kann der Tonfall des Gesprächs deutlich gemacht werden, etwa, wenn etwas ironisch gemeint ist. Aber das muss von allen Gesprächspartnern verstanden werden können. Emojis sind deshalb oft so gestaltet, dass sie möglichst allgemeingültige oder konventionelle Ausdrücke und Alltagssituationen beschreiben.

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Haarschneide-FridaMoji

Auch wenn die "FridaMojis", wie die Kollektion genannt wird, am Standard-Set vorhandener Ausdrücke orientiert wurden, sind die meisten sehr komplex und speziell, weswegen man sich nur schwerlich vorstellen kann, in welchen Situationen sie verwendet werden. Nehmen wir das besagte Haarschneide-FridaMoji. Die ideale Übersetzung und damit Verwendung wäre wohl: "Ich schneide mir meine Haare ab, danach sehe ich aus wie ein Mann.“ Die roten Wangen und die Tatsache, dass es ein Frida-Kahlo-Emoji ist, erzeugen eine ironische Brechung, indem sie signalisieren: "Ich denke den üblichen Vorwurf, mit kurzen Haaren sehe die Frau aus wie ein Mann, schon mit.“ Das ist eine überaus spezielle Kommunikationssituation. 

Frida Kahlo auf einem Foto von Guillermo Kahlo
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Doch diesen Einwand nimmt Sam Cantor auf seinem Instagram-Account bereits vorweg, wenn er "Frida for when"-Bilder postet – gewissermaßen eine Anleitung zur Verwendung der Frimojis. Meist bleibt er dabei jedoch innerhalb des Frida-Kahlo-Kosmos. Zum Beispiel wenn es heißt: "Frida for when: Diego forgets his phone and it is unlocked."

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"Frida for when"-Bilder

Dass der Mythos um Frida Kahlo voll ausgeschöpft wird, liegt nicht zuletzt daran, dass die Emoji-Kollektion auch eine werbende und erinnerungskulturelle Funktion hat. Auf eine Art ist es eine digitale Denkmalsetzung. Für die Umsetzung hat die Galerie mit der Frida Kahlo Corporation zusammengearbeitet, die durchaus großes Interesse daran haben dürfte, dass Frida Kahlo weiterhin – auch im Internet – als Kultfigur gehandelt wird. Und dafür gibt es kaum ein zeitgemäßeres Medium als das Emoji.

Ursprünglich dienten Märchen dazu, dass sich Erwachsene am Abend in einer geselligen Runde gruselige Geschichten erzählen konnten. So wenig wie die Märchen einst für Kinder gedacht waren, schienen bisweilen auch die Gemälde von Frida Kahlo nicht viel mit der Welt heutiger "Millennials“ zu tun zu haben. Werden sie aber von ihnen verwendet, ist das ein umso stärkerer Beweis, wie gut der Frida-Kahlo-Kosmos funktioniert und dass er eine große Zukunft vor sich hat.

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