Promis und Kunst

»Those boobies«

Ob Heidi Klums Brüste auf einem Porträt von Richard Prince, Kunstunterricht für Brad Pitt oder eine Retrospektive von Silvester Stallone – die Beziehung von High Society und Kunst ist nicht neu, treibt aber gerne absurde Blüten. Als Kraftzentrum dieser protzenden Verbindung hat unsere Autorin Annekathrin Kohout einen kleinen Ort in den Schweizer Alpen ausgemacht.
»Those boobies«

Sylvester Stallone vor einems seiner Werke bei der Eröffnung seiner Retrospektive in der Galerie Gmurzynska in St. Moritz, 2011

2013 war ich das erste Mal in St. Moritz. Damals wurden während der "St. Moritz Art Masters" (SAM) Arbeitsstipendien ausgeschrieben. Die Formulierung, "vor der weltweit einzigartigen Kulisse des Engadins" könne man sich "frei und gelöst auf ein vorzügliches Programm" einlassen, hatte mich angelockt. Auf dem sogenannten "Art Walk", der durch die Ausstellungen der Art Masters führte, traf man auf Stars der Kunstwelt, darunter Rolf Sachs, Kind von Gunther Sachs, der im Engadin noch immer die Ikone schlechthin ist, aber auch Jonathan Meese, Ai Weiwei oder Julian Schnabel, dessen Sohn, Vito Schnabel, 2015 die St. Moritzer Räume des legendären Galeristen Bruno Bischofberger übernahm.

»Those boobies«

Piero della Francescas "Der Traum Konstantins" zierte in den Achtzigern den Swimmingpool von Hubert Burda in St. Moritz

Wer Bischofberger nicht kennen sollte, muss wissen: Dass in St. Moritz die Koinzidenz von Prominenten und Künstlern Tradition hat, haben die Engadiner nicht zuletzt ihm zu verdanken. Er nämlich hat Andy Warhol in den späten sechziger Jahren in das Schweizer Idyll gebracht. Was Warhol da machte? Prominente porträtieren. Darunter die Köpfe der Familie des Medienunternehmens Burda – im Stil der berühmten Marlyn-Siebdrucke. Ja, in St. Moritz wird lange schon der ein oder andere merkwürdige Auftrag vergeben, von dem der offizielle Kunstbetrieb nur selten etwas mitbekommt.

Ein Jahr später war ich wieder in St. Moritz. Das war 2014, und in der dortigen Dependance der Galerie von Bruno Bischofberger wurde Francesco Clemente ausgestellt. Dieser hatte in den achtziger Jahren, apropos merkwürdige Auftragskunst, den Swimmingpool in der St. Moritzer Villa von Hubert Burda – nicht nur Milliardär, sondern auch Mann der Tatort-Kommissarin Maria Furtwängler – ausgemalt. Motiv? Eine Neuinterpretation von "Der Traum Konstantins" von Piero della Francesca. Ein Bild, das Hubert Burda nach eigenen Aussagen in seinem Leben besonders geprägt hat, wie er in seinem Buch "Temporäre Architekturen" schreibt.

Gemalt wurden Klums Brüste von Richard Prince

»Those boobies«

Instagram-Post von Vito Schnabel mit Klum-Porträt von Richard Prince

Doch zurück zur Galerie von Vito Schnabel, zum Eröffnungsabend: Zu Gast sind, neben Maria Furtwängler und Hubert Burda und Gunther-Sachs-Sohn Rolf Sachs natürlich auch Schnabels Lebensgefährtin Heidi Klum. Was mich auf ein weiteres Beispiel für seltsame Auftragskunst bringt, das erst kürzlich das Licht der Öffentlichkeit erblickt hat, und zwar auf dem Instagram-Account von Vitos Galerie: Ein Akt-Bild seiner Freundin Heidi. Zumindest muss man es als solches deuten, wenn Heidi Klum in Persona kommentiert: "I recognize those boobies. Smiley."

Gemalt wurden ihre Brüste von Richard Prince, der erst vor wenigen Monaten seine Urheberschaft eines weiteren bis dato nicht bekannten Auftragsbildes zurückgezogen hat, nämlich eines Porträts von Ivanka Trump. Man würde sie gerne einmal in einer Ausstellung versammelt sehen: Sämtliche Porträts von superreichen Superpromis, aus der Hand superberühmter Künstler.

Pierce Brosnan malt, Brad Pitt nimmt Kunstunterricht

Wenden wir den Blick in Richtung eines anderen Ortes, an dem sich seit den fünfziger Jahren Künstler und die High Society begegnen und an dem es ebenso "frei und gelöst" zugehen dürfte: Saint-Tropez. Dort wohnt nicht nur die leibliche Mutter von Ivanka Trump, sondern auch Stefan Szczesny, ein ehemaliger "Neuer Wilder", der mittlerweile vor allem sogenannte "Schattenskulpturen" entwirft, die man übrigens nicht nur in Saint-Tropez, sondern auch in St. Moritz begutachten kann. Und wer ist einer seiner besten Freunde? Pierce Brosnan, der auch malt. "Ich bin nur ein Maler, Stefan ist Künstler!". Trotzdem: Die beiden arbeiten auch schonmal gemeinsam an einem Bild.

»Those boobies«

Für Kunst interessiert sich Brad Pitt schon lange, hier besucht er 2009 die Art Basel

Schauspielerkollege Brad Pitt nimmt neuerdings ebenfalls Kunstunterricht. Und zwar bei dem britischen Bildhauer Thomas Houseago. Da kommen unangenehme Erinnerungen hoch – nämlich an die Kunst von Silvester Stallone. Die farbigen und dickschichtigen Gemälde sollten ihm dabei helfen, sich selbst zu verwirklichen, Einblicke in sein Ich zu geben, schilderte er der Presse. Immerhin wurde Stallone bereits mit einer Retrospektive geehrt. Das war 2011. Wo? In St. Moritz.