Pin-up

Aktfotografie

"Ironie hinter dem Sexobjekt"
Cynthia Bond, fotografiert von Elmer Batters, um 1962 (© Taschen-Verlag)

"IRONIE HINTER DEM SEXOBJEKT"

Knapper Leopardeneinteiler, Schmollmund und Puschelöhrchen im Haar: Pin-up ist der Inbegriff zugespitzter Weiblichkeit und verkauft sich gut. Das weiß auch der Taschen Verlag, der jetzt in "The big book of Legs", einer historischen Pin-up Sammlung, die Sinnlichkeit der weiblichen Beine feiert. Selbst in die Welt der Wissenschaft haben Pin-up-Bilder längst Einzug gehalten: Die amerikanische Professorin Maria Buszec leitet an der Universität Kansas City Seminare zum Forschungsstand des Pin-ups. art sprach mit ihr über den künstlerischen Wert der Bilder, die Emanzipation und Symbolik der weiblichen Beine.
// ANNA PRIZKAU

Frau Buszek, was ist ein Pin-up?

Maria Buszec: Übersetzt man "to pin up", kommt man dem Wesen des Pin-ups sehr nahe: Pin-ups sind ursprünglich Bilder von Mädchen in erotischen Posen, die früher in den Spinden der Soldaten hingen und sie daran erinnerten, wofür es sich zu kämpfen lohnt.

Wie lässt sich das Pin-up charakterisieren?

Nun ja, es müssen mehrere Kriterien erfüllt werden: Grundsätzlich sind Pin-ups – egal ob männlich, weiblich oder etwas dazwischen – begehrenswert und sexy. Die Abbildungen müssen erzählende, romantische, sentimentale oder patriotische Elemente aufweisen. Meistens sind sie aber auch witzig oder ironisch, den abgebildeten Schönheiten passieren oft kleine Missgeschicke. Wichtig aber ist, dass die Sexualität der abgebildeten Personen eher andeutend als enthüllend dargestellt wird. Ein weiteres Merkmal der Pin-up Bilder ist, dass sie Reproduktionen sind.

Es besteht also ein Unterschied zwischen Pin-up- und Akt-Bildern?

Pin-up ist etwas was man an die Wand heften kann, deshalb ist es weder so freizügig wie ein Akt, noch in irgendeiner Form anzüglich oder pornografisch. Außerdem geht es bei Pin-ups nicht nur um den Körper, sondern um die vollkommene Inszenierung der Persönlichkeit.

Die meisten Pin-up-Girls sind sexy, neckisch und glücklich. Gehört auch das dazu?

Da Pin-ups sexuell anziehend sein müssen, ist es nötig, dass Bilder bestimmte Normen erfüllen, wie das Einhalten erotischer Mimik oder auch Pose. Dennoch haben gute Pin-ups enorme Persönlichkeit, denn hinter dem reinen Sexobjekt steckt Ironie.

Welchen künstlerischen Wert hat Pin-up?

Das ist sehr unterschiedlich, natürlich gibt es viele schlechte Bilder, beziehungsweise Bilder ohne künstlerischen Anspruch. Andererseits gibt es Pin-up-Darstellungen, die hinterfragen, den Betrachter zum Nachdenken bringen. Deshalb ist es bei den Pin-ups wie mit anderen Kunstwerken auch, viele sind schlecht aber einige sind überwältigend.

Oft stehen weibliche Beine, egal ob gespreizt oder gestreckt, im Mittelpunkt eines Pin-ups...

Ich denke, dass Beine für Stärke und Freiheit stehen. Sie werden nicht sofort mit Sexualität assoziiert, wie Brüste. Beine zeigen, heißt zeigen, dass man gehen kann, vorankommen will und selbständig ist. Deshalb sehe ich in den Beinen auch ein Stück Emanzipation.

Wie hat die Emanzipation die Darstellung von Pin-up-Girls verändert?

Enorm. Dank der sexuellen Revolution, waren die Bilder nicht mehr schmuddelig. Die Frauen waren selbstbewusster und stärker. Weibliche Erotik durfte offen demonstriert werden, und die gängigen Rollen-Klischees wurden auf provokative Weise karikiert.

Was fasziniert Sie an diesem Forschungsgegenstand genau?

Am meisten haben mich die Rollen-Klischees gereizt. Es ist doch unglaublich interessant, sich als Frau mit der Weiblichkeit auseinanderzusetzen. Ich beschloss, meine Doktorarbeit zu diesem Thema zu schreiben, zu einer Zeit, in der wirklich jeder von weiblichem Aufbruch sprach und man nicht Frau sein durfte, sondern Männlichkeit en vogue war. Ich wurde lediglich belächelt. Doch der Erfolg hat mir Recht gegeben. Mittlerweile unterrichte ich an der Universität, kuratiere Ausstellungen und schreibe zu dem Thema.

"The big Book of legs"

Taschen-Verlag, 39,99 Euro

http://www.taschen.com

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