IKEA Art Event

Horrortrips für 9,90 (solange der Vorrat reicht)

Die Werke der neuen IKEA-Kunst-Edition lassen vor allem auf übertriebenen Einsatz verbotener Betäubungsmittel in der Grafikbranche schließen. Die Prints sind außerdem so streng limitiert, dass erst gar nichts über die Höhe der Auflage zu erfahren ist. Für Käufer, die das nicht abschreckt, hat unser Autor noch einen wichtigen Ratschlag parat.
Horrortrips für 9,90 (solange der Vorrat reicht)

Psychedelischer Grafik-Urknall: Motiv "Matsuri" von Yasuto Sasada, Papier, 61 × 91 cm

Limiterte Editionen von Künstlerdrucken sind eigentlich etwas für Sammler mit kleinem Geldbeutel. Es gibt sie in zwei- bis dreistelligen Auflagen und abhängig von der Prominenz des Schöpfers kosten sie den Preis eines Restaurantbesuchs oder eines Gebrauchtwagens.

Limitierte Editionen bei IKEA dagegen sind Poster für Jedermann. Sie sind so limitiert, dass es sie in diversen europäischen Ländern gibt, und zwar für 9,90 Euro. Auf die Nachfrage, wo nun genau das Limit liegt, will sich die gelb-blaue Presseabteilung deshalb auch lieber nicht äußern.

Künstliche Verknappung sieht jedenfalls anders aus. Sammlerleidenschaften dieser Art erinnern eigentlich eher an Panini-Bilder. Aber das schwedische Möbel- und Fleischbullar-Unternehmen will seinen Kunden unbedingt das Gefühl geben, etwas Einmaliges zu besitzen, richtige Kunst nämlich, nicht irgendso ein Deko-Motiv oder New York bei Nacht, was man halt so in den schwarzen oder weißen IKEA-Rahmen später über Kloschüsseln und neben Garderobenständern in Wohnungen findet, wo aus Kostengründen Aldi Trumpf ist. Nein, dieses Mal möchte der Bröselholzmassenhersteller Exklusivität und richtigen Geschmack verkaufen. Kunst eben. "Kunst für Jeden", wie es in der Promo heißt.

Horrortrips für 9,90 (solange der Vorrat reicht)

War hier auch der Innenausstatter auf verschreibungspflichtigen Medikamenten? Inszenierung der neuen IKEA-Kunst-Kollektion.

Es ist sicherlich die Schuld des Autors, wenn er von den Stars dieser Grafik-Serie noch nie etwas gehört hat, ebensowenig wie von den Street-Art-Künstlern, mit denen 2015 die Ikea-Kunst-Edition gestartet wurde, oder den Fotografen, die das Projekt 2016 fortsetzten. Aber im Gegensatz zu den knallbunten Sicherheitsmotiven der ersten beiden Posterwellen, deren Wandverpackungs-Qualitäten für die Emoticon-Generation sicher unbestritten sind, scheinen einige Motive des im April erhältlichen Ikea Art Events 2017 doch irgend, äh: strange?

Da quellen eine Menge LSD-Fratzen wie Nachgeburten Robert Crumps aus einer Hand im Weltall, die Werkzeug und Sichel (aber ohne Hammer) hält und von einem Spruchband umrankt ist, auf dem steht: "Life Is Pay The Bill", Leben heißt Rechnung zahlen. Laut IKEA reflektiere der indonesische Künstler Hahan damit seinen Standpunkt "zu Reibungspunkten zwischen einigen kommerziellen Ausdrucksformen, dem Kunstmarkt und – noch tiefgründiger – der Art und Weise, wie sich der Umgang mit Geld in unserer Gesellschaft darstellt.” Ist das nicht ein bisschen gestelzte Gesellschaftskritik für einen Konzern, dessen Umgang mit Geld auch bei dieser Serie – sehr wenig tiefgründig – vor allem darauf abzielt, möglichst viel davon von seinen Kunden einzunehmen?

Horrortrips für 9,90 (solange der Vorrat reicht)

 LSD-Fratzen wie Nachgeburten Robert Crumps: "Life is pay the bill" von Hahan, Papier, 61 × 91 cm

Eine weitere "Glanzleistung in der Welt der Kunst" (IKEA-Promo) sollen die naiven Bleistiftzeichnungen mit schwarzer Sonne von Ragnar Persson sein, die den depressiven Eindruck eines Nerds mit Horrorfilm-Faible machen, dem die viele Dunkelheit in Nordschweden nicht ganz so gut bekommt. Und was genau ist jetzt daran verkaufsfördernd, diesen netten Kerl folgendes für die Werbung erklären zu lassen: "Ich würde nicht sagen, dass ich künstlerisches Talent besitze. Mir macht es mehr Spaß, Kunst auszuüben, als gut darin zu sein.” Womit er völlig Recht hat.

Auch Yasuto Sasada produziert laut IKEA "hoch angesehen Arbeiten", wobei hoch kopfschmerzfördernd für das Wimmelbild eines Totenkopfes, der einen Grenzpfahl wie einen Joint im Mund trägt, wohl eher passend wäre. Für diesen psychedelischen Grafik-Urknall aus Spiegelei, Buddha, Erdbeeren und Gremlins ist der beste Platz vor dem Badezimmerspiegel, wenn man nach einer durchkifften Nacht plötzlich Sehnsucht nach einem Flashback hat.

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Überhaupt zeugt diese ganze Serie wohl vom übertriebenen Einsatz verbotener Betäubungsmittel in der Grafikbranche, denn auch auf den nicht genannten Beispielen dieses "Art Events" begegnet man vor allem wurstfömigen Gestalten mit heraushängender Zunge, Clownsbeinen mit Kopfgewulsten oder verstörenden Alice-im-Irrenland-Szenerien, wo Sex zwischen einer Made und einem Kätzchen noch zum Normalsten zählt. Vielleicht sollten die Kunstfreunde, die für diesen Rausch 9,90 Euro zu zahlen bereit sind, lieber nicht an dem mitgelieferten "doppelseitigen Klebeband für das Anbringen an der Wand" lecken. Wer weiß, was dann geschieht?

IKEA Art Event 2017

DIe Limited Collection ist ab April 2017 erhältlich und natürlich nur solange der Vorrat reicht.