»Monument« in Dresden

Vorwürfe, Pöbeleien, Mutmaßungen ... und Zuspruch

Nach erheblichen Protesten und der Verbreitung von Mutmaßungen und Manipulationsvorwürfen in den sozialen Medien, veröffentlichen die Organisatoren der Arbeit "Monument" eine Stellungnahme. Sachkundigen Zuspruch erhält die Installation von prominenter Stelle.
Vorwürfe, Pöbeleien, Mutmaßungen ... und Zuspruch

Die Eröffnung von Manaf Halbounis Installation "Monument" wurden von lautstarken Protesten begleitet.

Nach Pöbeleien rechter Demonstranten erhält die Installation "Monument" vor der Dresdner Frauenkirche sachkundigen Zuspruch. Der deutsch-syrische Künstler Manaf Halbouni habe damit ein "beeindruckendes Denkmal der Erinnerung an den Krieg - sei es der Krieg in Syrien oder der Zweite Weltkrieg" geschaffen, erklärte die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann, am Donnerstag in Dresden. Das Kunstwerk verstehe sich als Brückenschlag zwischen unterschiedlichen Kulturkreisen, die durchaus auch gemeinsame Schicksale teilten. Halbouni reihe sich damit ein in die Tradition der Nouveaux Réalistes in den 1960er Jahren, die Alltagsobjekte in die Kunstwelt überführten.

Postkartenidylle außer Betrieb
Drei hochkant aufgestellte Autobusse versperren die Sicht auf die wiederaufgebaute Frauenkirche und machen das Ensemble zu einem aktuellen Mahnmal der Zerstörung. Geschaffen hat das beeindruckende Monument ein Deutschsyrer

Das "Monument" besteht aus drei aufrechtstehenden Bussen und soll an das Leid der Zivilbevölkerung im umkämpften Aleppo erinnern. Eine solche Bus-Barrikade gab es in der syrischen Metropole. In Dresden ist sie Teil des Gedenkens an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg. Der Jahrestag wird am kommenden Montag begangen.

Rechte Demonstranten hatten die Einweihung der Installation am Dienstag massiv gestört. Sie schrien Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) nieder. Er wurde unter anderem als "Volksverräter" beschimpft. Zuvor hatte er sogar Morddrohungen erhalten, weil er im Hinblick auf das Dresden-Gedenken vor einem Opfer-Mythos gewarnt und Dresden als eine "alles andere als unschuldige Stadt bezeichnet hatte".

Vorwürfe, Pöbeleien, Mutmaßungen ... und Zuspruch

Vorbild der Skulptur ist eine Aufnahme von drei aufgerichteten Bussen, mit der sich Bewohner Aleppos vor Kriegsgranaten schützten.

Die Museen der Stadt Dresden veröffentlichten außerdem eine Stellungnahme zu Vorwürfen, die Arbeit des Künstlers würde terroristische Gruppierungen verherrlichen. Hintergrund der Vorwürfe ist die Tatsache, dass auf einigen frühen Fotografien einer Bus-Barrikade in Aleppo, die als Vorlage für die Dresdner Installation dient, eine Fahne der islamistischen Ahrar al-Scham Miliz zu erkennen ist. Medien, die diese Barrikade ohne die Fahne zeigten, wurden Bildmanipulationen vorgeworfen. Tatsächlich stammen die Fotos aber aus unterschiedlichen Zeiten.

Hier die Stellungnahme:

Seit dem heutigen Vormittag kursieren in verschiedenen sozialen Medien Mutmaßungen, die Barrikade aus Bussen in Aleppo sei von einer Rebellenorganisation errichtet worden.
 
Manaf Halbounis Collage zum Monument von 2015 basiert auf einem im gleichen Jahr in der englischen Zeitung The Guardian erschienenen Bild der französischen Nachrichtenagentur AFP. Dieses Bild wurde abgeschnitten. Es zeigt die Barrikade ohne Fahne. Weitere Vorarbeiten von Manaf Halbouni zum temporären Mahnmal basieren auf Bildern und Kontakten mit dem syrischen Fotografen Nizam Najar. Dieser arbeitete 2016 in Aleppo und stellte verschiedene Aufnahmen von dieser Barrikade sowie weiteren Schutzmaßnahmen für die Zivilbevölkerung zur Verfügung. Eine Auswahl dieser Bilder finden Sie im Anhang. Auf seinen Aufnahmen der Barrikade aus verschiedenen Blickwinkeln ist keine Fahne erkennbar. Verschiedene Quellen bestätigen, dass die Barrikade zum Schutz der Zivilbevölkerung errichtet wurde.
 
Hier aus aktuellem Anlass zwei Stellungnahmen seitens der Veranstalter und des Künstlers:
 
Manaf Halbouni, Künstler des Monument: „Das Bild der Barrikade aus den drei aufgerichteten Bussen existiert hundertfach im Internet. Das jetzt in den sozialen Medien von der Agentur Reuters stammende Motiv mit der Fahne der Organisation Ahrar al-Scham sehe ich zum ersten Mal. Es ist nicht auszuschließen, dass die Barrikade im Kriegsverlauf von verschiedenen Parteien in Anspruch genommen wurde. In der Situation dieses Krieges, unter der die Zivilbevölkerung leidet, gibt es viele Seiten. Mir geht es nicht um die Akteure, von denen die brutale Gewalt dieses Krieges ausgeht, sondern um das Leiden der Menschen in dieser Situation.“
 
Christiane Mennicke-Schwarz, Leiterin Kunsthaus Dresden: „Das Kunstwerk veranschaulicht die Situation, in der die Zivilbevölkerung in Aleppo im Krieg leben muss. Es ist nicht die Intention des Kunstwerkes auf die komplexe Situation der unterschiedlichen Parteien dieses Krieges Bezug zu nehmen. Das Monument zeigt einen Ausschnitt aus dieser menschenunwürdigen Situation und ist ein Mahnmal gegen Krieg und Gewalt in jeglicher Form – auch gegen die Gewalt von Terroristen.“

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