Centre Pompidou feiert Jubiläum

Raffinerie der Kunst

Nicht mit einer einzigen Schau, sondern mit 50 Ausstellungen in 40 französischen Städten feiert das Pariser Centre Pompidou seinen 40. Geburtstag.
Raffinerie der Kunst

Wie der Eifelturm erging es auch dem Centre Pompidou: Zuerst gehasst, heute nicht mehr wegzudenken aus Paris.

Nicht mit einer einzigen Schau, sondern mit 50 Ausstellungen in 40 französischen Städten feiert das Pariser Centre Pompidou seinen 40. Geburtstag. Museen, aber auch Theater und alternative Szeneplätze von Brest über Nizza bis zur Überseeprovinz Martinique zeigen im Zeichen der Dezentralisation Kunst, Design und Architektur. Darunter Klassiker wie Henri Matisse oder Pablo Picasso, aber auch Surrealistenpapst André Breton, Designerin Eileen Gray oder Lichtinstallateur François Morellet. Ein betont französisches Programm.

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Laut Centre Pompidou-Präsident Serge Lasvignes gilt es, den nationalen Kreationsschub einem museumsscheuen Publikum nahezubringen. Genau das war von Anfang an Ziel des vom schwedischen Museumsvisionär Pontus Hultén am 31. Januar 1977 eröffneten Centre, das internationale Kunst zwischen Hoch- und Alltagskultur anbot. Bei seiner Eröffnung ein spätgeborener Erbe von Studentenrevolte und Kulturutopie, hat es bis heute 325 Ausstellungen gezeigt und  rund 210 Millionen Besucher angezogen, wovon allerdings gut die Hälfte auf die öffentliche Bibliothek entfallen.

Neben der Kunst waren im Centre auch Design und Architektur, das vom legendären Pierre Boulez geleitete Forschungszentrum für zeitgenössische Musik Ircam, mehrere Mehrzweckbühnen und -kinos und eine Abteilung für audiovisuelle Produktionen beheimatet. Bei seiner Einweihung Meilenstein für eine architektonisch und strategisch neue Form von Kulturzentrum, wurde der von Renzo Piano und Richard Rogers mitten ins zentrale "Quartier des Halles" geklotzte Bau ob seiner farbigen Lüftungsrohre auch "Raffinerie" getauft.

Erfolgskurs nach Anfangsschwierigkeiten

Doch was verheißungsvoll mit legendären, multidisziplinären Schauen wie "Paris – Berlin" oder "Paris – New York" begann, versandete bald im Sumpf der Selbstverwaltung. Krieg zwischen den Abteilungen sowie Kuratoren und Verwaltung, Streiks des Reinigungspersonals und eine erste fehlgeschlagene Renovierung ließen das Centre Pompidou zeitweise zum Opfer des eigenen Erfolgs werden. Doch nachdem eine zweite Renovierung die entscheidende Erweiterung der viel zu knappen Ausstellungsflächen brachte und Interimsdirektor Werner Spies eine radikale Umhängung und Neustrukturierung der ständigen Sammlung entschied, ist das Centre Pompidou seit 2001 wieder auf Erfolgskurs: risikoarme Blockbusterschauen sorgen für Besucheranstürme ( 790 000 für eine Dalí-Ausstellung, über 650 000 für Jeff Koons). Und der heutige Museumsdirektor Bernard Blistène erfand mit dem "Nouveau Festival" ein Feuerwerk von Theater, Ballett, Film und Konzerten, das ein neues, deutlich verjüngtes Publikum brachte. Mit dem Centre Pompidou Metz wurde erfolgreich ein Ableger gegründet, und immer häufiger werden neben sicheren Publikumsrennern spektakuläre Einzelausstellungen gestemmt – im letzten Jahr etwa Anselm Kiefer, zur Zeit Cy Twombly (bis 24. April 2017).

Trotzdem bleiben Probleme: So beklagt Blistène das wegen der zunehmenden Zahl von Pariser Privatmuseen lahmende Mäzenatentum – Europas größtes Museum für moderne Kunst muss über 40 Prozent seines Jahresetats von 135 Millionen Euro selbst erwirtschaften. Dazu kommt: Der Centre-Präsident ist weiterhin eine parteipolitische, der Direk­tor eine taktische Wahl – es werden ausschließlich Franzosen ausgesucht. Das Centre Pompidou ist damit zu einer typisch Pariser Institution geworden. Junge Kunst verliert es zunehmend an das Palais de Tokyo. International ist es ein Museum unter vielen, und selbst in Paris ist es kein Muss mehr.

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