Bitte nicht anfassen!

Die Kunst-Unfälle des Jahres

Es gibt viele Gründe, warum 2016 ein äußerst unerfreuliches Jahr war. Auch die Kunst musste sich einiges gefallen lassen. In keinem anderen Jahr der jüngsten Vergangenheit gab es so viele Meldungen von Beschädigungen an Statuen, Gemälden und Ausstellungsobjekten in Museen und an historischen Plätzen.

Tatort London

Die Kunst-Unfälle des Jahres

Finger ab! Die antike "Townley Venus" kam im 18. Jahrhundert nach England und steht heute im British Museum.

Im März 2016 wurde bekannt, dass wenige Wochen zuvor ein Catering-Mitarbeiter bei einem Empfang im British Museum gegen eine römische Statue gestoßen war. Die als "Townley Venus" bekannte Dame aus Marmor verlor dabei einen Finger. Ironischerweise ereignete sich der Vorfall wohl im Rahmen einer Schulung für externes Event-Personal. Noch während der Besprechung in den Räumen der Griechisch-Römischen Sammlung kniete der Caterer unter der Venus und stieß mit dem Kopf beim Aufstehen so heftig gegen ihren Daumen, dass dieser abbrach. Die Statue aus dem ersten oder zweiten Jahrhundert v. Chr. gilt seit dem Erwerb durch das British Museum im Jahr 1805 als eine der bedeutendsten römischen Skulpturen der Sammlung. Die Venus ist übrigens Leid gewöhnt, denn bereits 2012 wurde ihr von einem unachtsamen Museumsbesucher ein Finger abgeschlagen.

Tatort Lissabon

Die Statue von Dom Sebastian, einem Portugiesischen König aus dem 16. Jahrhundert, erschien einem Touristen im Mai 2016 als attraktiver Partner für ein Selfie. Das Problem: Die Skulptur befand sich in einiger Höhe an der Fassade des Rossio Bahnhofs in Lissabon. Beim Erklimmen der Fassade konnte der 24-jährige Tourist jedoch nicht verhindern, dass die ins Wanken geratene frei stehende Skulptur aus dem Jahr 1890 zu Boden fiel und zerbrach.

Die Kunst-Unfälle des Jahres

Aufregung nach dem missglückten Selfie-Versuch in Lissabon.

Tatort Shanghai

Ebenfalls im Mai 2016 tauchte bei YouTube ein Video aus dem Shanghai Museum of Glass auf. Zu sehen sind zwei Jungen im Grundschulalter, die einige Kampfbewegungen üben – allerdings nicht miteinander. Ihre Interaktion gilt der Glas-Skulptur "Angel Is Waiting" der Künstlerin Shelly Xue. Doch damit nicht genug: Hinter der Absperrung des Kunstwerks stehen die erwachsenen Begleiterinnen der Kinder und filmen das Geschehen mit ihren Smartphones.

Das fragile Kunstobjekt ist im Museum seit 2014 zu sehen und besteht aus Glasfragmenten, die von der Künstlerin über einen Zeitraum von 27 Monaten zusammengefügt wurden. Das Museum beschloss nach dem Vorfall, die Skulptur nicht wieder restaurieren zu lassen, sondern sie in ihrem beschädigten Zustand zu belassen. Die Flügel werden nun unter dem Titel "Broken" ausgestellt – daneben ein Bildschirm, auf dem das Überwachungsvideo der Beschädigung zu sehen ist.

Tatort Columbia

Auch das National Watch and Clock Museum im US-amerikanischen Columbia veröffentlichte im Juni 2016 das Video einer Überwachungskamera. Weit über 1 Millionen Menschen konnten so bei YouTube beobachten, wie ein Mann zunächst für etwa eine Minute eine Holz-Uhr des Künstlers James Borden in Bewegung brachte, bevor diese sich von der Wand und in ihre Einzelteile auflöste. Das Video des Museums trägt den Titel "Please Don’t Touch!!!" und dient den Besuchern der Institution in Zukunft hoffentlich als warnendes Beispiel.

Tatort Nürnberg

"Insert Words" – diese Werkbeschriftung hatte eine Seniorin im Juli 2016 wörtlich genommen. Einen Kugelschreiber musste sie sich erst ausleihen, bevor sie das Bild "Reading/ Work-Piece" des Fluxus-Künstlers Arthur Köpcke im Neuen Museum Nürnberg ausfüllen konnte. Die 90-jährige Hannelore K., eine ehemalige Zahnärztin, hatte gegenüber der Süddeutschen Zeitung betont, sie sei sich sicher gewesen, sie hätte ganz im Sinne des Künstlers gehandelt. Köpckes Werk aus dem Jahr 1965 war mit 80.000 Euro versichert gewesen. Laut Angaben des Museums hätten die Restaurierungskosten im niedrigen dreistelligen Bereich gelegen. Bereits wenige Wochen nach der Beschädigung konnte das Werk in die Ausstellung zurückkehren.

Die Kunst-Unfälle des Jahres

Arthur Köpcke: "Reading/Work-Piece", 1965

Nochmal Lissabon

Im November 2016 war Lissabon wieder der Schauplatz eines Foto-Unfalls mit einem Kunstwerk. Im portugiesischen Nationalmuseum für Antike Kunst kollidierte ein Tourist mit einer Statue des Heiligen Michael. Der Brasilianer wollte gerade ein anderes Kunstwerk fotografieren als er dabei versehentlich die Skulptur aus dem 18. Jahrhundert von ihrem Podest stieß. Das Museum ist immerhin optimistisch, dass sie zerbrochene Skulptur wieder restauriert werden kann.

Die Kunst-Unfälle des Jahres

Zerbrochene Holzskulptur des Heiligen Michael.

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Kreuzworträtsel-Kunstwerk hängt wieder
Eine 90-jährige hatte das Fluxus-Kunstwerk, welches Teile eines Kreuzworträtsels enthielt, ausgefüllt und damit beschädigt. Nun die Collage von Arthur Köpcke wieder im Neuen Museum Nürnberg zu sehen