Art Car von John Baldessari

»Niemand will langsam sein«

John Baldesari ist für seinen trockenen Humor und seine treffsichere Kritik bekannt ist. Jetzt präsentierte er in Miami seine Version des BMW Art Cars. art traf den Künstler um mit ihm über schnelle Autos, teure Messen und politische Korrektheit in angespannten Zeiten zu sprechen
»Niemand will langsam sein«

John Baldessari mit seinem Art Car

Es war John Baldessaris Idee, sein Art Car im Rahmen der Kunstmessen in Miami und nicht in einem Museum zu präsentieren und sich wie ein Rockstar feiern zu lassen. Mit seinen 85 Jahren ist der kalifornische Künstler eine lebende Legende und der Pate von Generationen von Künstlern in Los Angeles. Als Meister der Konzeptkunst wurde Baldessari mit Arbeiten bekannt, bei denen er gefundenes Bildmaterial in Form von Fotos und Film-Stills mit Malerei und Text mischte, um die Grenzen zwischen Kunstgattungen aufzuheben und die Absurditäten und Klischees des Lebens zu kommentieren.

Nach Künstlern wie Alexander Calder, der 1975 das erste Art Car für BMW gestaltete, und berühmten Nachfolgern wie Frank Stella, Andy Warhol, Jenny Holzer, Roy Lichtenstein oder David Hockney gestaltete Baldessari den 19. Kunst-Renner, ein weißer M6 GT3, mit seinem Markenzeichen, den bunten Punkten. Mit dem Schriftzug "Fast" auf der Fahrertür kam auch der für Baldessari typische Text zum Einsatz. Bislang hat kein Art Car jemals ein Rennen gewonnen. Am besten schnitt Warhols Flitzer ab. Jeff Koons schied vorzeitig mit technischem Schaden aus dem Rennen aus.

Es wird sich zeigen, ob Baldessari als mit Abstand ältester Art-Car-Künstler das Rennen macht – das 24-Stunden-Rennen von Daytona findet im Januar in Florida statt. In dem wunderbaren Kurzfilm über Baldessaris Werk, durch den Tom Waits führt, gibt der Künstler jungen Kollegen drei Lebensweisheiten mit auf den Weg: "Talent ist billig", "Man muss besessen sein und das kann man nicht wollen" und: "Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein". Was für Baldessari auf seine alten Tage Miami zu sein scheint. art traf den Künstler, der für seinen trockenen Humor und seine treffsichere Kritik bekannt ist, um mit ihm über schnelle Autos, teure Messen und politische Korrektheit in angespannten Zeiten zu sprechen.

art: Ist der von Ihnen gestaltete Rennwagen jetzt ein Kunstwerk?

John Baldessari: Es liegt nicht an mir, das zu entscheiden. Es hat mir auf jeden Fall gefallen, daran zu arbeiten. Wir haben den Wagen angemalt, auch die Ersatzteile. Ich nehme also an, dass etwas Durchhaltevermögen von dem Auto erwartet wird und dass es für eine Weile erhalten bleibt. Es war eine Herausforderung für mich, dreidimensional zu  arbeiten. Das habe ich noch nie vorher gemacht.

Ist es Ihnen wichtig, dass Ihr Wagen auch im Rennen gut abschneidet?

Wir sind kulturell von Schnelligkeit fasziniert und nicht von Langsamkeit. Aus irgendeinem Grund will niemand langsam sein. Ich erinnere, dass ich als Kind oft Rennen besucht habe. In Los Angeles macht die Polizei viel Geld mit Strafzetteln für Geschwindigkeitsüberschreitung.

»Niemand will langsam sein«

John Badessari beim Bemalen des Wagens

Kam Ihnen auf Anhieb die Idee, den Rennwagen mit ihren ikonischen Punkten zu schmücken?

Wir hatten freie Hand und es hat sich so entwickelt. Wir müssen ein großes Publikum ansprechen: Leute, die mich nicht kennen. Mir gefiel die altmodische Idee, mit wirklicher Farbe auf dem Auto zu malen.

Was lässt ein Auto gut aussehen?

Es geht darum, was man als cool empfindet. Was sich am besten mit gutem oder schlechtem Jazz vergleichen lässt. Man weiß es einfach, wenn man es hört.

Sie haben die Bedeutung von Kommunikation – sei es durch die Massenmedien oder Billboards – mit Ihrer Kunst untersucht. Wo stehen wir dank der sozialen Medien heute?

Das ist die Welt, in der wir leben. Aber ich schenke dem nicht zu viel Bedeutung. Ich schirme mich von dem meisten ab. Wie die meisten Menschen trage ich ein Gerät mit mir herum und filtere für mich die wichtigen Informationen heraus – Sachen wie meine Hotel-Zimmernummer oder die Namen meiner Kinder.

Aber wir sind wie nie zuvor von einem Meer an Bildern umgeben, die obendrein alle gleich aussehen.

Was so ziemlich die Kunstwelt reflektiert. Künstler machen bei anderen Künstlern Anleihen. Kunst sieht wie andere Kunst aus. Ich denke, dass ich das in der Kunstwelt respektiere. Es war schon immer so.

Haben Sie die Art Basel Miami Beach besucht?

Das habe ich.

Und? Haben Sie dort gute Kunst gesehen?

Zumindest die zwei Arbeiten, die ich gekauft habe: einen Sol LeWitt und ein Bild von Philip Guston.

A Brief History of John Baldessari

Besuchen Sie regelmäßig Kunstmessen?

Dies sind die einzigen, die ich besucht habe. Die Galerien haben anscheinend ihr Geschäft auf die Messen verlagert.

Wo man Kunst definitiv anders erfährt, wenn die Arbeiten zum Verkauf aufgereiht auf Ständen präsentiert werden.

Das hört sich jetzt wie ein Bordell an.

Dieses Jahr konnte man zumindest mehr politische Kunst sehen.

Das sehe ich mit etwas mehr Langeweile: Die Galeristen geben dem Publikum, was es will. Wenn das politische Kunst ist, dann liefern sie politische Arbeiten. Sowohl die Kunsthändler als auch die Sammler wollen hip erscheinen. Und es ist im Trend, politisch korrekt zu sein.

»Niemand will langsam sein«

Ist es wirklich dermaßen ernüchternd?

Das ist es.

Es prallen die meist liberalen Künstler auf der einen Seite und die Sammler, also das gern konservative Geld, zusammen. Und letztlich zählt nur das Geld?

Zählen Sie Donald Trump dazu. Das erinnert mich an diese Geschichte über einen Künstler, der zu seinem Leben befragt wird. Der Künstler sagt total schockiert: Was glauben Sie, wer ich bin? Und die Kritiker antworten: Das können wir nur über den Preis herausfinden.

Was halten Sie davon, dass Kunst, Design, Mode und Architektur näher aneinander rücken?

Das ist das Problem mit den Kunstmessen, denke ich. Alles wird schön bequem gemacht.