Come in and find out ...

Vor der Eröffnung der Ausstellung posierten die Guerilla Girls vor der Whitechapel Gallery in London. Schon von der Straße aus werden Passanten mit der Arbeit des Trios konfrontiert: "Die Guerilla Girls haben 383 europäische Museumsdirektoren nach Diversität gefragt. Nur ein Viertel hat geantwortet. Warum das so ist, sehen Sie drinnen!"

It's even worse in Europe

Nach dem Erfolg erster Demonstrationen in 1984 und 1985 wurden sie nach Europa eingeladen, um an verschiedenen Orten über ihre Erkenntnisse zu sprechen. Dabei mussten sie aber eines feststellen: Die Anzahl von Frauen in europäischen Ausstellungen und Sammlungen war sogar noch geringer als in Amerika.

Guerrilla Girls: "It's even worse in Europe", 1986

Käthe, Frida und Gertrude

Um die Aufmerksamkeit ausschließlich auf ihre Arbeit zu lenken, trägt jedes Guerilla Girl den Namen einer einflussreichen Frau. Diese sind keine geringeren als Frida Kahlo, Gertrude Stein und Käthe Kollwitz.

Is it even worse in Europe?

Ausstellungsansicht "Guerilla Girls, Is it even worse in Europe?", Whitechapel Gallery, London

Is it even worse in Europe?

15 Fragen wurden den Direktoren und Direktorinnen gestellt. Zum Einstieg geht es um die Rolle der Frau: "Wie viel Prozent der Künstler in ihrer Sammlung sind Frauen? Wie vielen Frauen wurden in den letzten fünf Jahren Einzelausstellungen gewidmet?“ Anschließend geht es um Künstler aus weniger privilegierten Regionen wie Südamerika oder Afrika. Sie fragen aber auch, wie viel Honorar einzelne Künstler bekommen, wie stark die Institutionen von der Regierung gefördert werden und welche Herausforderungen die Direktoren nachts nicht schlafen lassen.  

Is it even worse in Europe?

Die Liste der schweigenden Institutionen ist lang. Zu ihnen gehören unter anderem das Haus der Kunst in München, das Rijksmuseum in Amsterdam und das Centre Pompidou in Paris. Geantwortet haben dafür die Neue Nationalgalerie in Berlin, das Tate in London, das Guggenheim in Bilbao oder die Kunsthalle in Basel.

Is it even worse in Europe?

Mit der Präsentation jedes einzelnen beantworteten Fragebogens können sich die Besucher ein ganz klares Bild davon verschaffen, welche Institution was preisgegeben hat.

"Female Trouble"

Nur zwei Museen kannen einen weiblichen Anteil von über 40% vorweisen, ein Viertel der redebereiten Institutionen konnte nicht mehr als 20% nachweisen. Das Argument, dass es vorrangig um Talent und weniger um Geschlecht oder Herkunft ginge, belächeln die Künstlerinnen. Im Vergleich zum Durchschnitt von 22% haben polnische Institutionen übrigens am besten abgeschnitten: 28% sind es hier. Hinzu kommt, dass jedes polnische Museum, das geantwortet hat, ihren Künstlern Honorare zahlt und bis auf eines alle von einer Frau geleitet werden.

Is it even worse in Europe?

Selbst der Londoner Gastgeber schnitt schlecht ab: Obwohl 45% der Künstler in Gruppenausstellungen von 2011 bis 2015 nicht aus den USA oder Europa kamen, liegt der Anteil von Künstlern in Einzelausstellungen nur bei 13%.

Is it even worse in Europe?

Solange sich Kunsthäuser nicht auf eine Diversität, die der kulturellen Vielfalt Europas nahekommt, konzentrieren, vertreten sie lediglich eine Geschichte von Macht und Wohlstand - von ihrer These, rücken die Guerilla Girls auch nach diesem Projekt nicht ab.

Is it even worse in Europe?

Die Gorilla-Masken gelten nicht nur für die drei Protagonistinnen als Zeichen des Widerstands. Auch Anhänger - männliche und weibliche - zücken bei einer Veranstaltung ihre Masken.

Is it even worse in Europe?

Ist es in Europ nun noch schlechter als in den USA? Eine klare Antwort liefern die Guerilla Girls nicht. Ihre Ergebnisse weisen dennoch in eine klare Richtung. Davon abgesehen, dass sich nur ein geringer Teil den Fragen überhaupt zu stellen traute, herrscht in der europäischen Kunstwelt wenig Ausgeglichenheit. Überraschenderweise verweist die Ausstellung noch auf einen weiteren wichtigen Punkt, der derzeit viele in Europa beschäftigt: Die Zunahme an konservativen Regierungen sowie Nationalismus bereiten den Direktoren und Direktorinnen Bauchschmerzen. Auch die zunehmende Privatisierung von kulturellen Einrichtungen fällt in diese Kategorie.