Vereinte Nationen

New York

Auf Mission nach der verlorenen Kunst
Das Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York. Seit dem Umzug im Jahre 1952 in den von Le Corbusier und Oscar Niemeier entworfenen Gebäudekomplex haben Mitgliedstaaten aus der ganzen Welt der UN Kunstgeschenke gemacht (Foto: UN / Mark Garten)

AUF MISSION NACH DER VERLORENEN KUNST

Erst im Zuge von Sanierungsarbeiten ist aufgefallen, dass im New Yorker Hauptquartier der Vereinten Nationen Kunstwerke verschwunden sind. Doch dort scheint niemand für die Kunst, deren Katalogisierung und Instandhaltung zuständig.
// CLAUDIA BODIN, NEW YORK

Für die Kunst scheinen die Vereinten Nationen nicht allzu viel übrig zu haben. Im New Yorker Hauptquartier, das wegen morscher Wasserleitungen und Asbest-Belastung saniert wird, sind einige Arbeiten verschwunden. Und das wurde nur bemerkt, weil die Werke im Zuge der vier Jahre dauernden Renovierungsarbeiten in ein provisorisches Gebäude umziehen sollten.

Mitarbeiter wurden beauftragt, Gänge und Räume der UN-Gebäude nach fehlenden Kunstwerken zu durchforsten. Auf der Vermisstenliste stehen Geschenke aus Mexiko und China, eine Arbeit des Bildhauers José de Rivera und ein Ölgemälde mit dem Titel "Evening" aus Weißrussland. Manche Arbeiten finden sich noch nicht einmal im offiziellen Kunst-Katalog. Entweder hielt sie jemand bei den Vereinten Nationen für nicht künstlerisch wertvoll genug – oder für so wertvoll, dass er sie mit nach Hause nahm.

Bei einer internen Untersuchung kam heraus, dass es nicht einen einzigen Menschen bei der großen Weltorganisation gibt, der überhaupt für die Kunst, deren Katalogisierung und Instandhaltung zuständig ist. Man kann nur hoffen, dass es in anderen Bereichen der Überbehörde nicht so kafkaesk zugeht. Seit dem Umzug im Jahre 1952 in den von Le Corbusier und Oscar Niemeier entworfenen Gebäudekomplex haben Mitgliedstaaten aus der ganzen Welt der UN Kunstgeschenke gemacht. Es hat also mehr als 50 Jahre gedauert, bis die Organisation die "interne Kontroll-Schwäche" aufdeckte.

Umzug nach Queens abgeblasen

Einige Arbeiten fanden sich inzwischen tatsächlich wieder ein. Insgesamt 270 Gemälde, Skulpturen oder Teppiche siedeln gemeinsam mit einigen Abteilungen in ein Übergangsgebäude auf dem UN-Gelände um, das für stolze 150 Millionen Dollar errichtet und 2013 wieder abgerissen werden soll. Bei zusätzlichen Kosten von zwei Milliarden Dollar für die Sanierung verblüfft es schon, dass die Weltorganisation keinen Cent übrig hat, um seine Kunstsammlung zu versichern.

Dies war der Grund, warum der ursprünglich geplante Umzug der Kunst nach Queens abgeblasen wurde. Skulpturen, zu deren Abtransport starkes Gerät hätte aufgefahren werden müssen, oder Arbeiten wie die Wandgemälde von Fernand Léger im Sitzungssaal bleiben sowieso während der Sanierung im Haupthaus. Immerhin sollen sie sorgfältig verpackt werden.

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