Internetphänomen Joseph's Machines

Endlich wieder spielen

Joseph Herscher baut die schönsten, nutzlosesten und lustigsten Apparate der Welt. Die Videodokumentationen seiner Nonsens-Maschinen wurden im Netz millionenfach geklickt. Wir sprachen mit dem Künstler über die Murmelbahn seines besten Freundes, den Humor des klassischen Kunstpublikums und seine Vorbilder Fischli und Weiss.

Wie lange brauchen Sie, um die Installationen aufzubauen und die Videos zu produzieren?

An "Creme That Egg", meinem ersten Video, habe ich sieben Monate gearbeitet. Zum Filmen benötigte ich ungefähr 200 Versuche. An "The Page Turner" habe ich zwei Monate gebaut und brauchte nur noch 30 Versuche. Mittlerweile bin ich bei drei Wochen und fünf Versuchen. Scheint so, als ob ich tatsächlich besser werde.

Woher kommt Ihre Begeisterung für Kettenreaktionen, wann ging das los?

Ich habe es geliebt mit der Murmelbahn meines Freundes zu spielen. Aber ich hatte selber keine, also habe ich mir welche gebaut. Den ersten Apparat habe ich mit 5 Jahren konstruiert. "The Lolly Machine" war dazu da, Süßigkeiten aufzubewahren.

Was ist wichtiger für Sie: Wie ein Kind zu spielen oder sich als Künstler zu geben?

Machmal werde ich zu stark davon abgelenkt, darüber nachzugrübeln, was andere über mich denken. Am glücklichsten bin ich wirklich, wenn ich in meine Atelier rumbastele. Es erinnert mich daran, wie es war, sich als Kind auf dem Fußboden im Kinderzimmer stundenlang mit einer neuen Sache zu beschäftigen. Manchmal arbeite ich immer noch auf dem Boden, einfach weil es mich an dieses tolle kindliche Gefühl erinnert.

Siehst du deine Videos und Installationen eher als funktionale Kunst oder als Nonsens-Engineering?

Haha. Ich mag den Begriff Nonsens-Engineering. Darf ich den übernehmen?

Wie genau arbeiten Sie? Fangen Sie in einer Ecke an und bauen dann nach Gefühl weiter oder skizzieren und planen Sie die Strecke und besondere Funktionen?

Normalerweise überlege ich mir zuerst das Ende eines Apparats. Dann denke ich mir ein paar nette Ideen für zwischendrin aus. Zuerst realisiere ich die schwierigsten Passagen, damit ich mir sicher sein kann, dass es am Ende auch funktioniert. Dann verbinde ich alles.

Man fühlt bei Ihren Konstruktionen an Arbeiten von Fischli und Weiss oder Erwin Wurm erinnert. Wie beeinflusst Sie Kunst und Design?

Ich liebe die Arbeit "Der Lauf der Dinge" von Fischl und Weiss. Sie haben es einfach raus mit langsamen Bewegungen zu arbeiten. Und das sind die schwierigsten. Von bestimmten Elementen habe ich mich schon inspirieren lassen, zum Beispiel für "The Dresser (Ironing Board)".

2011 haben Sie eine Arbeit während der Biennale in Venedig realisiert. Wie hat das Kunstpublikum dort reagiert?

Auch wenn die Biennale eher ein intellektuelles Umfeld ist, die meisten Leute haben sich so verhalten wie überall: Sie waren neugierig und haben gelacht.

Können Sie von ihrer Kunst leben?

Mein Geld verdiene ich, indem ich Apparate für Firmen baue, Workshops veranstalte, Spielzeug entwerfe und alles mögliche andere mache. Als ich vor vier Jahren meinen Job als Software-Entwickler aufgegeben habe, hatte ich erst etwas Angst. Aber es war die beste Entscheidung, die ich jemals getroffen habe. Jetzt darf ich wieder jeden Tag Kind sein.

Joseph Herscher

Joseph Herscher wurde 1986 in Neuseeland geboren und lebt heute in New York.

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