Gib mir fünf!

Tipps der Woche



DIE FÜNF TIPPS DER WOCHE

Unsere Serie "Gib mir fünf!" präsentiert Ihnen jede Woche fünf Kunst-Höhepunkte, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. art-Autorin Marie-Hélène von Montgelas empfiehlt diese Woche: Josephine Meckseper, Annie Leibovitz und surreale Kinderbildnisse.
// MARIE-HÉLÈNE VON MONTGELAS
Zürich: Josephine Meckseper

Die deutsche Künstlerin Josephine Meckseper ist überzeugte Pazifistin. Sie ist Herausgeberin des sozialkritischen Kunstmagazines FAT, sowie gefeierte Konzeptkünstlerin. In ihrer ersten Schweizer Einzelausstellung im Migros-Museum für Gegenwartskunst Zürich, die noch bis zum 3. Mai zu sehen ist, beschäftigt sie sich mit dem Irakkrieg.

Hier kann sich der Betrachter durch die eigens für die Ausstellung angefertigten Ölbohrturm- und Bunkerkonstrukte den Kriegsherd der USA in Nahost vor Augen führen. In ihren Videoprojektionen kritisiert die Künstlerin den amerikanisch-republikanischen "Way of Life", den sie in Form einer Konfrontation von politischem Aktivismus mit Konsumgütern und Werbemotiven zur Schau stellt. Katalog: In Zusammenarbeit mit der Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst Münster und der Blaffer Gallery, Houston (2009)

Berlin: "Annie Leibovitz: A Photographer's Life. 1990-2005"

"The Über-Photographer" Annie Leibovitz, wie die Künstlerin gerne von Ihren amerikanischen Landsleuten betitelt und weltweit wie ein Popstar gefeiert wird, begann Ihre Karriere in den siebziger Jahren beim Rolling Stone Magazine. Wer hätte damals gedacht dass die zierliche Fotografiestudentin eines Tages so manchem Rockstar den Rang an Popularität ablaufen könnte? Ihre legendären Fotografien, die stets ihre Liebe zu Perfektionismus und Detailverliebtheit zum Ausdruck bringen, sind vom 21. Februar bis zum 24. Mai, in der Ausstellung "A Photographer`s Life. 1990-2005" in der Berliner C/O Galerie zu sehen. Dem Besucher werden sowohl ihre bekannten schillernden Star-Porträts geboten, als auch private Aufnahmen wie die ihrer gestorbenen Lebensgefährtin, der Journalistin Susan Sontag, sowie ihrer Tochter die sie mit Hilfe eines unbekannten Samenspenders im Alter von 51 Jahren zur Welt brachte. Gerade dieser umfassende Blick hinter die Lebens-Kulissen eines großartigen Fotografiestars lässt diese Ausstellung besonders faszinierend werden. Literatur: "Annie Leibovitz At Work", Schirmer/ Mosel Verlag, 46 Euro

Düsseldorf: "Ruud van Empel. Souvenir"

Die Ausstellung "Souvenir", die noch bis zum 29. März in der Galerie Kai Brückner zu sehen ist, zeigt ein breites Spektrum von Ruud van Empels bisherigem künstlerischen Schaffen. Der Fokus liegt diesmal nicht auf den meist surrealen Kinderbildnissen, sondern auf einem ganz anderen Blick. Van Empel lässt in der Schau Privatleben in Stillleben erstarren. Beim Werk "Monument 2:Boy" dienen Kinderfotos des Künstlers als Vorlage für die Konstruktion der Skulptur des Knaben. Durch die kleinen Dinge, die er in den Bildern platziert, gibt er dem Betrachter die Rolle eines "Sachensuchers", der von kindlicher Neugier gepackt den Krimskrams, der wie in kleinen Holzschaukästchen angeordnet ist, bestaunen kann. Die Welt erscheint durch die Dreidimensionalität haptisch und plastisch. Die detailgetreue Darstellung der Dinge erinnert an ein Set-Design und lässt van Empels Film-Passion zum Vorschein kommen.

München: "Apichatpong Weerasethakul. Primitive"

Thailändischen Künstlern wurde bis jetzt auf dem internationalen Kunstparkett nur wenig Beachtung geschenkt. Das dürfte sich bei dem hervorragenden Regisseur Apichatpong Weerasethakul ändern. Beweis für seine Popularität des südostasiatischen Filmemachers war 2008 die Berufung in die Wettbewerbsjury der 61. Filmfestspiele von Cannes. Deutschen Kunstliebhabern ist sein neuestes Werk "Primitive" nun bis zum 17. Mai im Haus der Kunst in München zugänglich. Die Installation auf mehreren Wänden zeigt eine Dokumentation über eine Reise in den Nordosten Thailands, auf die er sich für die Recherche eines Spielfilmes 2008 begab. Das verschlafene Dorf Nabua und seine Einwohner stehen hierbei im Fokus des Films, in welchem die Einwohner an Animismus, einer Seelenwanderung zwischen Menschen, Pflanzen und Tieren glauben.

Spiekeroog: "Enrico Nawrath. Bayreuth Backstage"

Wer einmal die prunkvollen Inszenierungen der Bayreuther Festspiele, in einer der Aufführungen im Festspielhaus, oder als Zuschauer einer Fernseh- oder Radioübertragung erlebt hat, den lässt der Bayreuth-Zauber nicht mehr los. Wem die Zuschauerperspektive für einen umfassenden Eindruck der Wagnerschen Musik und Festspielakte nicht ausreicht, der wird von der Fotografie-Ausstellung des Festspielfotografen Enrico Nawrath, die noch bis zum 31. März im Künstlerhaus Spiekeroog zu sehen ist, profitieren. Der ehemalige Bühnentänzer gewährt dem Zuschauer einen Blick hinter die Kulissen der Festspiele und lässt den Betrachter den kompletten Entstehungsprozess der Festspiel-Produktion verfolgen. Und nicht nur die Leistungen der Opernsänger, sondern auch der Menschen, die abseits des Scheinwerferlichts zum Erfolg der Festspiele beitragen, wie Statisten, Maskenbilder, Anziehhilfen und Choreographen werden in der Ausstellung gewürdigt.

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