Venedig Biennale 2017

Wer ist Christine Macel?

Mit Christine Macel wird eine Französin die kommende Venedig Biennale leiten. Seit 2000 ist sie Kuratorin am Centre Pompidou. Was ihre Arbeit dort auszeichnet, und was das für die nächste Biennale bedeuten könnte, weiß Paris-Korrespondent Heinz Peter Schwerfel.
Wer ist Christine Macel?

Leiterin der nächsten Vendig Biennale: Cristine Macel im Berliner Café Bravo

Bei der 1895 gegründeten und damit ältesten Kunst-Biennale der Welt, der Biennale di Venezia, mahlen die Mühlen immer noch etwas langsamer als in der übrigen Kunstwelt: Mit der Französin Christine Macel wird 2017 erst zum vierten Mal eine Frau die Biennale leiten. Und das, obwohl die Kunstschau schon zum 57. Mal stattfindet und es weltweit längst eine Menge herausragender Kuratorinnen und Museumsleiterinnen gibt.

Doch ist das nicht der einzige Hoffnungsschimmer, den die Berufung Macels, seit 2000 Kustos am Pariser Centre Pompidou, verheißt. Denn die Französin, Jahrgang 1969, steht auch für mutige und extravagante Ausstellungen formal kompromissloser Künstler. Von Sophie Calle und Philippe Parreno bis John Bock und Gabriel Orozco – mit allen arbeitete sie ohne Zugeständnisse gegenüber dem Publikum. So bestand die Parreno-Ausstellung aus einem einzigen Film, auf 70mm gedreht und aufwendig im Ausstellungsraum mit sichtbarem Projektor vorgeführt, während der Mexikaner Orozco einige wenige Objekte wie Reliquien auf Arbeitstischen ausstellten durfte.

Keine Fortführung einer kritisch-politischen Linie

An diese kompromislose Komplizenschaft mit den Künstlern dachte wohl auch Biennale-Präsident Paolo Baratta, der sie der Findungskommission vorschlug und von der Bedeutung "ihrer eigenen Universen" für die zeitgenössischen Künstler sprach. Nur aus ihnen können sie "ihre großzügige Vitalität in die Welt, in der wir leben, injizieren." Keine Fortführung einer kritisch-politischen Linie also, wie vom letztjährigen Biennale-Leiter Okwui Enwezor vorgeschlagen. Dessen Ausstellung stieß bei der Kritik auf kein gutes Echo.

Von einer "Ehre für das Centre Pompidou" sprach die konservative französische Tageszeitung Le Figaro. Dessen Leiter Serge Lasvigne freute sich über die Auszeichnung für eine "engagierte, kühne Persönlichkeit", die keine Angst habe vor "neuen Formen einer sich erst erfindenden Kreation, die ihren Weg noch sucht." Ein Verweis auf die Christine Macel unterstellte, von ihr selbst gegründete Abteilung für "Zeitgenössische und prospektive Kreation", die sich ausdrücklich als suchend und forschend versteht. Eine Haltung, die im Centre Pompidou nicht nur Freunde findet, denn der von Macel prominent in den Süd-Galerien eingerichtete Ausstellungsraum "315", der experimentelle Kunst von Künstlern um die 30 präsentiert, soll angeblich schon bald in die oberen, weniger besuchten Stockwerke der permanenten Sammlung verbannt werden.

Sie setzt konsequent auf zeitbasierte Kunst

Dabei war Macel innerhalb des Centre Pompidou eine der ersten, die konsequent auf zeitbasierte Kunstwerke setzte und dafür auch beliebte Medien wie Malerei und Installation hintanstellte. Zudem bezog sie außerkünstlerische Felder wie Politik oder Sozialwissenschaften mit in ihre Gruppenausstellungen ein. Etwa in der hervorragenden Schau "Airs de Paris" (2007) zur Gentrifizierung und urbanen Veränderungen oder "Die Versprechen der Vergangheit" (2010), einer Ausstellung zur experimentellen und nicht-offiziellen Kunst aus osteuropäischen Ländern jenseits des Eisernen Vorhangs ab 1956. In ihrer letzten thematischen Gruppenausstellung "Danser sa Vie" stellte sie 2011 nach gründlicher Recherche eine ganze Reihe bekannter und unbekannter Beispiele für die Berührungspunkte von Gegenwartskunst und Tanz seit einem Jahrhundert vor.

Konventioneller war ihr Überblick "Eine Geschichte – Kunst, Architektur, Design" über die Bestände von Werken der achtziger Jahre in der Sammlung. Diese Ausstellung wird ab März 2016 im Münchner Haus der Kunst zu sehen sein, während Christine Macel im Centre Pompidou für Mai diesen Jahres eine Einzelschau des in Berlin lebenden französischen Künstlers Melik Ohanian vorbereitet.

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