Dian Hanson

Interview

"Künstler lieben Pornografie"
"The New Wave". Aus: Dian Hanson's Collection of Roy Stuart's Leg Show work 1996–2001 (© Roy Stuart, Courtesy Taschen Verlag)

"KÜNSTLER LIEBEN PORNOGRAFIE"

Dian Hanson kämpfte als Hippie für die sexuelle Revolution, studierte die Parameter männlicher Lust und veröffentlicht seit über 25 Jahren pornografische Magazine und Bücher. Beim Taschen-Verlag ist Hanson für die "Sexy Books" zuständig – und für Bestseller wie "The Big Book of Breasts", "The Big Penis Book", "Terryworld" oder "Sex to Sexty". art sprach mit ihr über monströse Brüste, geile Künstler und neuen Feminismus.
// LEONIE RADINE

Frau Hanson, wofür braucht der Taschen-Verlag eine Sexpertin?

Dian Hanson: Ich weiß nicht, wie viel Sie über Benedikt Taschen wissen. Denn er ist Taschen. In den frühen neunziger Jahren hatte er mich zum ersten Mal angerufen. Er war ein Fan meines damaligen Fetisch-Magazins "Leg Show", das auch in Deutschland ein Verkaufsschlager war. Er war damals noch sehr jung, ungefähr 31 Jahre alt, gut gekleidet, charmant, doch anfangs sehr schüchtern.

Dass er Sex-Bücher veröffentlichte, die über kein pornografisches Limit verfügten, hat mich ungeheuer beeindruckt, denn schließlich besaß er einen Kunstbuch-Verlag, den er mit derartigen Publikationen womöglich in den Ruin treiben könnte. Doch er sagte damals nur: "Warum nicht? Wir können tun, was wir wollen. Es gibt keinen Unterschied zwischen gutem Sex und guter Kunst. Es sollte alles gleichwertig sein."

Benedikt Taschen scheint seine Interessen der Öffentlichkeit auch nicht vorenthalten zu wollen. Von David LaChapelle ließ er sich einst mit seiner nackten Exfrau, die in Highheels die Peitsche schwingt, ablichten...

Ja! Und sein Hintern ist entblößt! Ein lustiges Bild!

War es Taschen wichtig, dass Ihre Publikationen auf einer umfassenden historischen Recherche beruhen, um eine intellektuelle Masturbationsvorlage zu liefern?

Ich würde nicht einmal behaupten, dass Benedikt Taschen der intellektuelle Aspekt so wichtig ist. lacht Er sagte ja auch, wie brauchen keine "Master-Pieces", sondern "Masturbation-Pieces". Er ist sehr glücklich, wenn die Bücher zur Masturbation anregen, und deshalb sollen sie Bilder enthalten, die er sexy findet. Am Anfang unserer Zusammenarbeit hatte ich noch keine Ahnung, was ihm gefallen würde. Wenn ich ihm Bilder zeigte, von denen ich glaubte, sie seien besonders gut und verfügten über einen großen künstlerischen Wert, kamen von ihm teilweise niederschmetternd einsilbrige Reaktionen wie: "Nein, das macht mich nicht geil." Was er wollte, war schlichtweg die beste Sexfotografie, die sowohl über erregendes Potenzial, überraschende Elemente und vor allem über Humor verfügt, ohne der ästhetischen Komposition geschuldet zu sein. Die meisten Menschen sind bei der Betrachtung pornografischer Bilder sehr angespannt und wissen nicht, was sie zu erwarten haben. Wenn sie aber etwas Lustiges sehen, können sie lachen.

"The Big Book of Breast" zeigt neben üppigen Brüsten fast horrende Exemplare, bei deren Anblick man sich fragt, ob die Natur tatsächlich so reiche Geschenke macht.

Ich bin mir sicher, es ist keine einzige Brust dabei, die nicht anziehend auf einen großen Prozentsatz der Männer wirkt. Vielleicht sind sie für Frauen irritierend, nicht aber für Männer.

Woher wissen Sie das so genau? Wie gelingt es Ihnen, sich in Männer hinein zu versetzen?

Ich habe ja lange Zeit an Magazinen wie "Leg Show" mitgearbeitet, da bekommt man viel Feedback. Männer schickten mir Briefe, manchmal 10 bis 15 pro Tag. Und ich las jeden einzelnen. Sie gestanden mir ihre tiefsten Wünsche und Begierden. So habe ich die Parameter der männlichen Wolllust gelernt. Ich tue mich noch etwas schwer mit der weiblichen Begierde, aber die männliche verstehe ich.

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3 Leserkommentare vorhanden

21boobs

22:10

17 / 12 / 08 // 

3 Schwänze auf 21 Titten

Aha,... jetzt entdecken die wenigen Kunstmagazine die pornographische Seite der Kunst. Dummerweise ist dieser Artikel ja nur ein entspanntes Geschenk in den (Werbe) Sack von Taschen. Interessant hierbei die Verteilung von Schwänzen und Titten in der Fotostrecke: 3 Schwänze auf 21 Titten! kann man da nicht mehr wagen? Ich als bisexueller Mann jedenfalls könnte ein 50:50 auch gut vertragen. Das grosse Problem allerdings ist die noch immer herrschende Prüderie in der Kunstkritik, Kunst mit pornographischen Inhalten eher beiseite zu lassen, obwohl jeder weiß, daß ein unglaubliches negatives Potential, verbreitet durch's Internet längst grossen Eingang in die Massen unserer Gesellschaft gefunden hat. Klar, Sex sells, aber die Kritik daran sollte fundamentierter daherkommen, und nicht nur als Reklame für ein Buch, dessen Inhalte für einige nicht unbedingt als Kunst zu erkennen sind. Komischerweise wird Jeff Koons dann schon wieder zum Avantgardisten,immerhin hat er Porno als solchen einfach nur reproduziert!

MEHR!

08:02

18 / 12 / 08 // 

Super!

Wow, ich find´s toll! Ein mutiges Interview - man erfährt viel über Benedikt Taschen, diesen "Kunst"-Verlag und über die "Feministin" Hanson. Und Sex in der Kunst ist ja wohl das älteste und beliebteste aller Motive - deshalb: Unbedingt mehr davon!

dan hansen

22:18

18 / 12 / 08 // 

och nö

sorry, aber ich habe mir das buch angesehen und wirklich keine einzige brust gefunden, die mir gefallen hat. und nein, ich bin nicht schwul. wollen wir auch mal außerhalb von klischees denken?

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