Jelzin-Denkmal - Moskau

Kugelfetzen und Cognacgläser

Ein radikaler Entwurf für ein Denkmal Boris Jelzins weckt den Zorn der Familie des verstorbenen russischen Präsidenten. Sie bezeichnet die geplante Skulptur als "biomorphes Monstrum"
Biomorphes Monstrum:Jelzins Familie geschockt von Denkmals-Entwurf

Rohre, Würfel, Kugelfetzen: Dimitrij Kawargas Entwurf will Verfall und Dekonstruktion zeigen

Kurz nach Boris Jelzins Tod im April hatte das Moskauer Museum art4.ru einen Wettbewerb für ein Denkmal zu Jelzins Ehren ausgeschrieben. Der Sieger wurde per Online-Abstimmung ermittelt. Gewonnen hat Dmitrij Kawarga mit dem Entwurf einer dunkel glänzenden Skulptur aus zusammengeklumpten Würfeln, Rohren und Kugelfetzen. Das Museum sprach von der „radikalsten“ Idee. Sie sei, so die Website, „ein Denkmal der Dekonstruktion und des Verfalls, ohne die es unmöglich ist, das absolut Neue zu schaffen". Weniger angetan von dem Entwurf ist Jelzins Familie – die das geplante Denkmal als „biomorphes schwarzes Monstrum“ bezeichnet, das ausgerechnet auf dem Ljubjanka-Platz aufgestellt werden soll, dem Sitz des Geheimdienstes. Die Familie wird in jedem Fall gegen die Realisierung protestieren. Das würde sie aber wahrscheinlich gegen einige der Entwürfe – sicherlich aber gegen den des inzwischen verstorbenen Dmitrij Prigow: Der stellte ein überdimensioniertes Cognacglas auf einen Sockel mit einem Fähnchen darin. Darauf steht „Jelzin“.

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