Galerien - Wien

Winter-Fest

Zwölf alteingesessene und jüngere Galerien in Wien rund um die drei Grandes Dames Ursula Krinzinger, Rosemarie Schwarzwälder und Grita Insam haben sich zu einer neuen Initiative entschlossen: „Seilerstätte plus“. Ein Galerienrundgang durch die verschneite österreichische Metropole
Ab auf die Piste:Der Kunstwinter ist eingeläutet

Die märchenhaft-kafkaesken Schneekugeln der spanischen Künstlerin Paloma Muñoz

Die Kulisse draußen ist ein guter Wegweiser und es ist gar nicht verkehrt, den Rundgang gleich in der Galerie Mauroner zu beginnen. Dort stellt die spanische Künstlerin Paloma Muñoz ihre märchenhaft-kafkaesken Schneekugeln aus: „Secrets sleep in winter clothes“

Weiter geht es in die Galerie Krinzinger, wo der japanische Künstler Shintaro Miyake (*1970) in der vergangenen Woche sogar persönlich arbeitete – als roter Oktopus verkleidet. Schon 2004 war Miyake bei Krinzinger als Artist in Residence zu Gast, seine neue Wiener Installation heißt „Hatchobori“, benannt nach einer Hafenstadt in der Nähe von Tokio, wo in der Edo-Zeit (1600 bis 1867) der Fischhandel blühte und eine neue soziale Schicht von Kaufleute entstand.

Streng formal und mit großem kunsthistorischem Ernst geht es dagegen auf der anderen Seite der Seilerstätte bei Lukas Feichtner, der den 1967 in Graz geborenen und seit 1982 in den USA lebenden und arbeitenden Bildhauer Johannes Girardoni präsentierte, zu. Dieser hat rund 1000, mit Bienenwachs und Pigment eingelassene Blättchen mit so viel Abstand an die Wände gepinnt, dass sie wie ein heimelig duftender Vorhang vor der Mauer schwebten. Ihn interessiere bei seinen Arbeiten die Verbindung von Skulptur und Malerei, erklärt der Künstler. Die Kombination von Wachs, Holz und Farbe zieht sich – teils verfremdet, verhüllt, verborgen – auch durch seine anderen ausgestellten Objekte, allesamt sehr weich, sinnlich gerundet und eben sehr formal.

Um das alte Moderne-Mantra „form follows function“, dreht sich die Ausstellung des Künstlers Gerold Tagwerkers (*1965) bei Grita Insam. Da stottert etwa Österreichs Architekturpapst Friedrich Achleitner auf einem Video diese berühmten drei Worte vor sich hin und schließt mit einem ratlosen Achselzucken und einem ebensolchen Blick durch seine kreisrunde Brille. Prachtstück der Schau ist eine, sich in seiner partiellen Verspiegelung teils selbst optisch auflösende Konstruktion aus Spanplatten, die das System eines beliebten Baukasten-Steckspiel aus den Siebziger Jahren wieder aufnimmt.

„The object is the mirror“ könnte diese Installation heißen. Wenn nicht schon die ganze Ausstellung in Insams Vis-à-vis-Galerie so hieße: Die beiden jüngsten Seilerstätten-Akteure „Layr Wüstenhagen“ haben den ebenso jungen New Yorker Kurator und Kritiker Max Henry eingeladen, ihnen eine kleine, aber feine und jedenfalls sehr „diskursive“ internationale Gruppenschau junger Konzeptkünstler zusammenzustellen. Aus zehn Galerien kommen die Werke, in spiegelnder Schrift steht da etwa „The picture holds. The action and the sound stop“ an der Wand oder der Besucher bleibt mit den Augen an Olivier Babins spiegelverkehrt replizierten On-Kawara-Datumsbildern hängen.