Turkish Delight - Wiener Kunsthalle

Vandalismus schon zum zweiten Mal

Unbekannte beschädigten Olaf Metzels Skulptur „Turkish Delight“ auf dem Karlsplatz vor der Wiener Kunsthalle
Von Unbekannten beschädigt:Olaf Metzels Skulptur „Turkish Delight“ in Wien

Vom Sockel gestoßen: Skulptur „Turkish Delight“ von Olaf Metzel

Auf den ersten Blick wirkt die Figur wie ein X-beliebiger Frauenakt. Bei näherem Hinsehen aber wird klar, dass die weibliche Nackte ein eng geschlungenes Kopftuch trägt und wohl aus dem islamischen Kulturkreis stammt. Olaf Metzels Bronzefigur hat denn auch den Titel „Turkish Delight“ (art 5/2006) und steht seit dem 9. November vor der Kunsthalle Wien auf dem Karlsplatz. Wien als Schnittstelle zwischen östlicher und westlicher Kultur erschien dem Künstler ein geeigneter Ort.

Unerwünschte Reaktionen hatte er eigentlich nicht erwartet: „Man sollte keine Berührungsängste zum öffentlichen Raum haben”, erklärte er gegenüber der Zeitschrift „Die Presse”. Das aber erwies sich als Irrtum: Inzwischen wurde die Skulptur zum zweiten Mal vom Sockel gestoßen und beschädigt – eine Überwachungskamera hat den frevlerischen Akt aufgezeichnet, die Täter sind bislang unbekannt.

Für Gerald Matt, Direktor der Kunsthalle, ist „physische Gewalt gegen Kunstwerke” nichts anderes als „physische Gewalt gegen Ideen“. Nicht das Kunstwerk sei der Skandal, sondern die „zerstörerischen Aktionen von Menschen, die verhindern wollen, das Künstler zur Wort kommen“. Der Integrationsbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Omar Al-Rawi, wünschte sich, dass sich die Muslime „nicht von allem so leicht provozieren“ lassen“. Der Akt von Vandalismus habe bei ihm „tiefes Bedauern“ ausgelöst. Ob die Statue nach der Restaurierung wieder öffentlich aufgestellt wird, ist noch offen. Petra Bosetti