Russische Gemälde - Royal Academy

Keine Russen in London?

Die mit Spannung erwartete Schau "Aus Russland: Russische und französische Gemälde 1870 bis 1925 aus Moskau und St. Petersburg" in der Londoner Royal Academy findet möglicherweise doch nicht statt. Der Grund: diplomatische Verstimmungen
Keine Russen in London?:Royal Academy Schau vor dem Aus

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In einem Schreiben an das britische Kulturministerium bestätigte die russische Regierung, dass für die 120 Kunstwerke aus den vier nationalen Museen des Landes, die zur Zeit noch an den Wänden des Museums Kunstpalast in Düsseldorf hängen, vorläufig keine Ausfuhrgenehmigung nach Großbritannien erteilt werde.

Die von der britischen Regierung abgegebenen Garantien, dass keines der Werke beschlagnahmt werde, wenn Erben ihrer früheren Besitzer Besitzansprüche erheben, seien nicht ausreichend, heißt es in dem Schreiben. Viele der sich in Privatbesitz befindenden Werke, etwa von Vincent van Gogh, Henri Matisse und Pablo Picasso, waren nach der Oktoberrevolution von der bolschewistischen Regierung konfisziert worden.

In Großbritannien gibt es, anders als etwa in Deutschland, noch keine dementsprechende Gesetzgebung. Zwar liegt dem Parlament ein Gesetzesentwurf vor, der aber erst im Frühjahr, nach der Eröffnung der Schau im Januar 2008, hätte verabschiedet werden sollen. Nun hat Kulturminister James Purnell, als Antwort auf das russische Schreiben, zugesagt, die Verabschiedung vorzuziehen, um so die russischen Bedenken auszuräumen.

Beobachter sind jedoch der Ansicht, dass auch die Politik zumindest mit hineinspielt, wenn nicht gar der dominante Faktor ist. Die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern haben sich in den letzten Wochen erheblich verschlechtert, vor allem nach der Weigerung Russlands, den im Mordfall Litwinenko verdächtigen früheren KGB-Mitarbeiter Andrej Lugowoi auszuliefern.

Leidtragende einer möglichen Absage der Schau wären die Royal Academy, die viel Geld verlieren würde, und natürlich die Kunstfreunde, die sich mit den überall aushängenden Werbeplakaten zufriedengeben müssten.