Cranach - London

Die Venusfalle

Die Londoner Verkehrsbetriebe geben nach – und die Royal Academy of Arts darf jetzt doch mit der nackten Venus in der U-Bahn werben. Vor sieben Jahren zeigten sie, bei einem ähnlichen Fall, keine Einsicht.
Die Venusfalle:Londoner Verkehrsbetriebe geben nach

Das umstrittene Plakat für die Cranach-Ausstellung in der Royal Academy of Art darf bleiben

Irgendwie hat sich bei den Oberen der Londoner U-Bahn doch so etwas wie Sinn für Kunst oder gesunder Menschenverstand durchgesetzt: Nachdem der Royal Academy of Art zunächst verboten worden war, mit dem Motiv einer fast unbekleideten "Venus" für eine Ausstellung des deutschen Altmeisters Lucas Cranach d. Ä. in den U-Bahn-Stationen zu werben, lenkten die Londoner Verkehrsbetriebe jetzt ein: Das 500 Jahre alte Kunstwerk darf plakatiert werden – sogar ohne schwarze Balken an delikaten Körperstellen, wie es die Königliche Akademie der Künste zunächst als Notlösung vorgeschlagen hatte. Ein Verantwortlicher der U-Bahn entschuldigte sich: "Jahr für Jahr werden Tausende von Werbungen geprüft, da können wir nicht immer alles richtig machen."

Allerdings vor sieben Jahren hatten sich die Londoner Verkehrsbetriebe noch weniger kulant gezeigt: 2001 sollte ein Porträt aus dem 17. Jahrhundert der Comtesse von Oxford des Malers Sir Peter Lely für eine Ausstellung der National Portrait Gallery in London werben. Die Sache hatte nur einen Haken – die adlige Dame trug eine nackte Brust zur Schau. Die Portrait Gallery gab nach. Wer allerdings durch die Straßen Londons schlenderte, konnte die adlige Dame in leichter Montur bewundern. Denn: "Wir machten einfach zwei Plakate, eines für den Untergrund und eines für die Öffentlichkeit oben", sagte damals Charles Saumarez Smith, Direktor der National Portrait Gallery, der für den Aushang in den U-Bahn-Stationen das Motiv einer korrekt bekleideten Herzogin von Richmond wählte.

"Cranach"

Termin: 8. März bis 8. Juni, Royal Academy of Art, London.
http://www.royalacademy.org.uk/

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