K. R. H. Sonderborg - gestorben

Ein grosser Informeller

Der Maler, mit bürgerlichem Namen Kurt Rudolf Hoffmann, liebte die Experimente mit Materialien und Techniken

Einer der wichtigsten deutschen Nachkriegskünstler, K. R. H. Sonderborg, ist im Alter von 84 Jahren in einem Hamburger Krankenhaus gestorben. Der 1923 als Kurt Rudolf Hoffmann im dänischen Sonderborg geborene Maler gilt als eine der führenden Persönlichkeiten der informellen Malerei. Sonderborg wuchs in Hamburg auf und studierte dort Malerei und Grafik. In den dreißiger Jahren gehörte er den so genannten "Swing Boys" an, einer Gruppe von Jugendlichen, zu der auch der Maler und Autor Hans Platschek gehörte und die sich bewusst gegen die Konformität unter dem Hitler-Regime stemmten, Jazz hörten, sich dandyhaft kleideten – und von der Gestapo verfolgt wurden. Sonderborg kam 1941 ins Gefängnis. Der Haftgrund lautete auf Anglophilie, staatsabträgliches Verhalten mit dem Ziel, Unruhe unter der Bevölkerung zu stiften.

Nach Kriegsende hatte er im Hamburger Kunstverein eine erste Gruppenausstellung. Sonderborg war in der Folge ein bewegter Mann: Er wohnte längere Zeit auf den italienischen Inseln Stromboli und Sizilien, lebte in Hamburg, Paris, New York und Berlin. "Es ist, als ob die Bewegung, die sich in farbigen und häufig schwarz-weißen Abläufen auf seinen Bildern manifestiert, ihm Lebenselement wäre", schrieb Wieland Schmied in seinem Standardwerk "Malerei nach 1945". Sonderborg experimentierte mit Techniken, Malweisen und verschiedenen Materialien, setzte auch mal einen Scheibenwischer ein, um schlierenförmige Bildstrukturen zu erzeugen, oder zerkratzte die Bildoberfläche mit Rasierklingen. Sonderborg war Mitglied der legendären Gruppe ZEN und nahm zweimal – 1959 und 1964 – an der Documenta in Kassel teil.