Museen räumen aus - Grossbritannien

Raus aus dem Museum, rein ins Museum

Wie die britischen Museen sich ihrer überflüssigen Werke entledigen sollen
Staubfänger raus:Museum Association erlaubt Räumung der Depots

Abhilfe in Sicht: Großbritanniens Museumsdepots quellen über

"Die Ware muss raus!", lautete zweimal im Jahr der Schlachtruf des deutschen Einzelhandels, als der Ausverkauf noch Ausverkauf hieß und nicht "Sale". Die Parole von Karstadt und Co. wird jetzt von Institutionen ausgegeben, von denen man es wohl nie erwartet hätte – den britischen Museen. Die sind seit über 30 Jahren mit dem Bann belegt, niemals auch nur ein einziges Kunstwerk abschaffen zu dürfen, was zur Folge hat, dass in den Depots der Museen Tausende von Kunstwerken im Wortsinne verstauben. Die Museums Association, die seit 1889 die Interessen der britischen Kunstinstitute vertritt, hob den alten Bann nun auf und forderte seine 1500 Mitglieder auf, sich von Werken, die inzwischen Staub angesammelt haben, zu trennen.

Ein bisschen Angst haben die Verantwortlichen wohl vor der eigenen Courage: Damit die Erlaubnis, Kunstwerke wegzugeben, nicht als Persilschein für ungebremstes Geldscheffeln durch Verkäufe missbraucht wird, hat die Association ein "Toolkit" (Werkzeugsatz) genanntes, 24 Seiten starkes Ethik-Papier zum Downloaden herausgegeben, in dem sorgfältigst aufgelistet ist, weshalb ein Werk auf keinen Fall abgeschafft werden darf (zum Beispiel: "Primär finanzielle Gründe").

Im Optimalfall sollen Kunstwerke, die auf gar keinen Fall im eigenen Hause Verwendung haben, an andere Museen oder an öffentliche Institutionen gegeben werden. Wobei man sich schon jetzt fragt, wie es in der Praxis funktionieren soll, wenn Museum A Teile seiner reichen Bestände an Museum B weiterreichen will, das womöglich selbst überquellende Magazine und vergammelnde Schätze birgt. In ganz außergewöhnlichen Sonderfällen soll denn zur Not auch mal eine Arbeit verkauft werden dürfen.

Mehr zum Thema im Internet