van de Wetering - Rembrandt

Was kann ich dafür, dass die Welt aus mir eine Autorität machen will!

Als "vermutlicher Nachfolger von Rembrandt" stand es im Katalog des kleinen britischen Auktionshauses Moore, Allen & Innocent in Gloucester. Richtpreis: 1000 bis 1500 Pfund. Für 2,2 Millionen Pfund kam es daraufhin im letzten Herbst unter den Hammer – und nun hat es sich als echter Rembrandt entpuppt: das auf Kupfer gemalte Porträt eines "Lachenden Mannes". Die stolzen Besitzer – britische Kunsthändler, die sich darauf spezialisiert haben, "unterschätzte" Kunstwerke preiswert anzukaufen – dürfen sich nun schlagartig Millionen reicher schätzen.
Millionenschwere Aufdeckung:Der Rembrandt-Experte im art-Interview

Der Rembrandt-Experte Ernst van de Wetering

Denn Experten zufolge würde das Werk jetzt zwischen zehn und elf Millionen Euro einbringen. Zu verdanken ist das dem Rembrandt-Kenner schlechthin: Professor Ernst van de Wetering, 70, vom Amsterdamer Rembrandt Research Project RRP. Zwei Tage lang durfte er das Bild in England begutachten. Es fand Gnade vor seinen Augen, und da ein Urteil von van de Wetering einem Gütesiegel gleichkommt, ist die Welt nun um ein Rembrandtgemälde reicher. In Kürze kann es im Rembrandthuis in Amsterdam bewundert werden, doch Liebhaber müssen sich gedulden: Da es nun um einen echten Rembrandt geht, kann es nicht mehr ganz so leicht auf Reisen geschickt werden. art-Autorin Kerstin Schweighöfer sprach mit van de Wetering in Amsterdam.

Professor van de Wetering, welche Kriterien haben Sie davon überzeugt, dass Sie es mit einem echten Rembrandt zu tun zu haben?

Das wichtigste Argument ist das Monogram RHL, was Rembrandt Harmenszoon Leidensis bedeutet. Es zeigt eine spezifische Schreibart der Buchstaben die Rembrandt nur ein Jahr lang benutzte, nämlich 1628. Womit das Bild auch gleich datiert ist. Gleich wichtig ist jedoch, dass – wegen der Seltenheit dieses Typs von Monogramm – kein späterer Fälscher es gekannt haben könnte. Dabei sind die Buchstaben in die nasse Farbe des Hintergrunds geschrieben.

War die Tatsache, dass das Bild auf Kupfer gemalt ist von Bedeutung?

An sich nicht. Aber die Kupferplatte hat exakt dieselben Ausmaße wie eine Platte, die Rembrandt ebenfalls 1628 für eine Radierung benutzte. Sie muss also aus dem selben Vorrat kommen! Außerdem haben wir entdeckt, dass sich unter dem Bild ein anderes, offensichtlich verworfenes Gemälde befindet, ein Historienbild mit kleinen Figuren. Solche "doppelten" Gemälde findet man oft in Rembrandts Frühwerk.

Inwiefern war der Stil ausschlaggebend?

Man sieht hier bereits, wie Rembrandt im Umgang mit Kontouren und mit der Bildfläche auf seine Porträtstil ab 1631 vorgreift. Natürlich gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Kriterien – ich könnte stundenlang über dieses Werk reden – aber das waren die wichtigsten.

Altdirektor Frits Duparc vom Haager Mauritshuis kritisierte, dass die Arbeit des Rembrandt Research Projects (RRP) keine echte Teamarbeit mehr sei und zu sehr von der Meinung eines einzigen Experten abhänge – nämlich der Ihren.

Dieser Eindruck ist falsch! Das RRP ist ein multidisziplinäres Projekt. Ich sammle die notwendige Informationen und Einsichten meiner Kollegen, um sie dann in die jeweiligen Katalogtexte zu integrieren. Wer mehr über unsere Arbeit wissen möchte, kann das im "Burlington Magazine" vom Februar 2008 und auf unserer Website rembrandtresearchproject.org nachlesen (siehe Vorwort Band IV).

Frits Duparc hat auch davor gewarnt, das Urteil eines einzigen Experten – also das Ihre – zur allgemeingültigen Wahrheit zu erheben.

Ich weiß, aber so ist die Welt nunmal! Ich benehme mich zwar manchmal autoritär, aber nicht bei der Beurteilung von Gemälden. Was kann ich dafür, dass die Welt aus mir unbedingt eine Autorität machen will!

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