Mäzene - Steuerflucht

Die Flucht der Mäzene

Ausländische Mäzene fühlen sich in Großbritannien nicht mehr willkommen. Der Grund: Die Labour Regierung hat ein neues Steuergesetz eingeführt.
Die Flucht der Mäzene:Londoner Mäzene auf der Steuerflucht

Das Victoria and Albert Museum in London – der Umbau wurde von dem amerikanischen Ehepaar Judith und William Bollinger finanziert.

Am 24. Mai eröffnet das Victoria and Albert Museum mit Fanfaren seine neue Juwelengalerie. 3500 Exponate der einmaligen Juwelensammlung des Londoner Museums werden in neuer Umgebung zu sehen sein. Vier Jahre dauerte der Umbau und kostete 1,6 Millionen Pfund, finanziert von dem amerikanischen Ehepaar Judith und William Bollinger. Ob die beiden Mäzene allerdings an der Eröffnungszeremonie teilnehmen werden, ist fraglich. Denn sie haben dem Vernehmen nach London den Rücken gekehrt und sich nach Genf abgesetzt. Der Grund: Die Labour Regierung hat seit mehr als sieben Jahren im Land lebende Ausländer, die bisher für ihr im Ausland verdientes Einkommen keine Steuer zahlen mussten, mit einer jährlichen Zahlung von 30 000 Pfund belegt.

Nun ist die vom Finanzamt geforderte Summe für einen millionenschweren ehemaligen Investmentmanager keine große Sache. Bollinger und seiner ebenfalls vermögenden Frau, die sich auch der British Library, dem Natural History Museum und dem Royal Opera House gegenüber äußerst großzügig gezeigt haben, geht es deshalb auch weniger um Geld, als darum, dass sie sich als reiche Ausländer und Philanthropen in Großbritannien nicht mehr willkommen fühlen.

Genauso argumentierte Carol Høgel in einem offenen Brief an die Regierung. Sie sprach von "Feindseligkeit" und von einer "gehässigen, philisterhaften Einstellung". 24 Jahre lang lebte die amerikanische Erbin in Schottland und hat in dieser Zeit mehr als 20 Millionen Pfund gestiftet. Nutznießer ihrer Großzügigkeit waren unter anderem die National Galleries of Scotland, das Internationale Festival von Edinburgh und das London Philharmonic Orchestra. Jetzt siedelte sie nach Kalifornien um, "wo Philanthropen geschätzt und nicht bestraft werden".

Experten hatten die Regierung gewarnt, dass eine Reihe der insgesamt etwa 130 000 "Non-Doms", der steuerfrei im Land lebenden Ausländer, das Land aus Protest verlassen würden. Viele von ihnen, gerade jüngere, schnell zu Geld gekommene Finanzleute, unterstützen kulturelle Einrichtungen. Viele befürchten, dass der Exodus erst begonnen hat.