Ferdinand Hodler - Kunstraub

Dreister Trickdiebstahl in Zürich

Erst anderthalb Jahre nach der Tat wird im Zusammenhang mit der großen Retrospektive des Malers Ferdinand Hodler im Kunstmuseum Bern der Verlust eines Bildes entdeckt.
Dreister Trickdiebstahl:Frau holte bei gutgläubiger Sammlerin Gemälde ab

Gemälde von Ferdinand Hodler, "Kahle Kastanienbäume im Tessin", 1893

Kurz nach Eröffnung der fulminanten Hodler-Ausstellung im Kunstmuseum Bern wurde bekannt, dass ein Bild zwar im Katalog abgebildet ist, aber nicht gezeigt werden kann, weil es bereits vor anderthalb Jahren auf besonders dreiste Weise entwendet worden ist, ohne dass der Diebstahl bemerkt wurde. Die frühe Landschaft "Kahle Kastanienbäume im Tessin" von 1893 im Wert von 1,1 Millionen Franken gehört einer Sammlerin aus Zürich und war verschiedentlich in Ausstellungen zu sehen, so etwa 1983 im Kunsthaus Zürich, 1998 im Kunstmuseum Winterthur und 2000 in Essen.

Wie Direktor Matthias Frehner erklärt, hatte das Kunstmuseum Bern 2005 mit der Besitzerin Kontakt wegen einer Ausleihe aufgenommen und 2006 den Leihvertrag ausgehandelt. Im September 2006 war dieser unterschrieben. Kurz darauf meldete sich bei der Besitzerin telefonisch eine Frau, die sich als Beauftragte des Kunstmuseums Bern ausgab. Sie fuhr in einem, wie die Zürcher Polizei bekannt gab, "dunkelfarbigen Mittelklassewagen" vor und nahm das Bild einfach mit. Die "zwischen 1,60 und 1,65 Meter große, schlanke Frau mit dunkelblonden bis dunkelbraunen Haaren, die Schweizerdeutsch sprach", wie Polizeisprecher Marco Cortesi bekannt gab, benutzte dazu weder die übliche maßgefertigte Transportkiste, noch gab sie der Besitzerin irgendeine eine Art von Quittung für die Ausleihe.

Die gutgläubige Sammlerin, deren Identität die Polizei nicht preisgibt, war offensichtlich nicht einmal misstrauisch, dass das Bild anderthalb Jahre vor Eröffnung der Ausstellung abgeholt wurde. Erst als am 5. März dieses Jahres das vom Kunstmuseum Bern beauftragte Transportunternehmen bei der Sammlerin anrief, um einen Abholtermin zu vereinbaren, fiel diese aus allen Wolken. Sie wähnte das Bild die ganze Zeit über sicher verwahrt im Kunstmuseum Bern.

Woher die Täterin die Insiderinformationen über die Identität der Sammlerin und den Zeitpunkt des Vertragsabschlusses hatte, ist offen. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen. Auch wenn er erst jetzt bekannt wurde, so dürfte der Trickdiebstahl von vor anderthalb Jahren mit dem Diebstahl der beiden Picasso-Gemälde und dem Raubüberfall auf die Sammlung Bührle, die beide im Februar 2008 im Großraum Zürich stattfanden, aller Wahrscheinlichkeit nichts zu tun haben.

Sicherheitsexperten weisen auch darauf hin, dass ihrer Kenntnis nach die Schweiz derzeit nicht von einer Welle von großen Kunstdiebstählen heimgesucht wird oder Kunstbesitz hier besonders gefährdet wäre. Das Kunstmuseum Bern hat nach Aussage von Direktor Frehner die Sicherheitsvorkehrungen ohnehin bereits vor Bekanntwerden des Verlustes auf höchstes internationales Niveau erhöht und ist dem Ansturm der durchschnittlich tausend Besucher pro Tag auch sicherheitstechnisch bestens gewachsen.