Ferdinand Hodler - Kunstraub

Verschwundenes Hodler-Bild gefunden

Einen Tag, nachdem ein angeblich vor anderthalb Jahren gestohlenes Gemälde von Ferdinand Hodler in Bern als vermisst gemeldet wurde, ist das Bild wieder aufgetaucht. Es soll im Depot gelegen haben. Das Kunstmuseum Bern kann die Tessiner-Landschaft des Malers demnächst in Empfang nehmen.
Gestohlenes Bild lag im Depot:Verschwundenes Hodler-Gemälde wieder aufgetaucht

Gemälde von Ferdinand Hodler, "Kahle Kastanienbäume im Tessin", 1893

Am Montag meldete das Schweizer Fernsehen in seiner Abendsendung "Schweiz aktuell", dass das frühe Landschaftsbild "Kahle Kastanienbäume im Tessin" von Ferdinand Hodler plötzlich wieder aufgetaucht ist. Das auf 1,1 Millionen Franken taxierte Gemälde von 1893 habe sich im Depot der Winterthurer Volkart Stiftung befunden, die von der Familie Reinhart ins Leben gerufen wurde. Ein Mitarbeiter der Stiftung soll sich nach den Medienberichten vom Wochenende daran erinnert haben, dass er das Bild gesehen habe. Aus anderer Quelle hiess es aber auch, es sei einfach irgendwo im Haushalt verlegt worden.

Andreas Reinhart zeigte sich hoch erfreut, dass das Werk wieder vorhanden ist. Er hat nach dem Tod seines Bruders George 1997 dessen Nachlass geerbt, zu dem auch das Hodler-Werk gehörte. Die Familie Reinhart ist international durch die Museen "Sammlung Oskar Reinhart am Römerholz" und "Museum Oskar Reinhart am Stadtgarten" mit ihren weltberühmten Werken der französischen Malerei und der deutschen Romantik bekannt geworden und verfolgt auch in der jüngeren Generation ein aktives Mäzenatentum, das über eine Reihe von Stiftungen betrieben wird.

Wem genau aus der weitverzweigten Familie Reinhart das Bild aktuell gehört, wer die Dame ist, bei der es im Herbst 2006 abgeholt wurde, und vor allem wer die ominöse Abholerin war, die vorgegeben hatte, im Auftrag des Kunstmuseums Bern zu agieren, wurde bisher nicht bekannt. Die Polizei will den genauen Vorgang jedoch ermitteln, wie Polizeisprecher Mario Cortesi gestern klar stellte.

Allerdings deutet alles daraufhin, dass es sich um eine Familienposse im materiell gehobenen Milieu handelt, die eher versehentlich an die Öffentlichkeit gelangte, weil das Bild in der Berner Hodler-Ausstellung fehlte. Matthias Frehner, der Direktor des Kunstmuseums Bern, bestätigte, dass das Bild demnächst in die Ausstellung integriert würde und diese "damit vollständig sei".