Verfemte Künstler - Kulturrat

Appell gegen das Vergessen

Der Deutsche Kulturrat fordert den Kulturstaatsminister Bernd Neumann auf, das Gedenken an verfemte Künstler stärker zu fördern: Nicht die Errichtung neuer Gedenkstätten, sondern nur die aktive Wiederaufführung, Neuverlegung und Ausstellung ihrer Werke könne das Vergessen ihrer Kunst verhindern.
Deutscher Kulturrat fordert:Neumann soll Erinnerung an verfemte Künstler fördern

Ausschnitt aus dem Aktionsplakat des Deutschen Kulturrats: Name für Name sollen von den Nazis verfemte Autoren und Künstler ins Gedächtnis zurückgerufen werden

Die Erinnerung an die von den Nationalsozialisten verfemte Kunst und die verfolgten Künstler müsse stärker gefördert werden, so der Appell des Deutschen Kulturrates an den Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU). "Gedenken erschöpft sich nicht in Gedenkstätten, so wichtig diese sind", meinte der Geschäftsführer des Kulturrats, Olaf Zimmermann, am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung einer bundesweiten Plakataktion zum bevorstehenden 75. Jahrestag der öffentlichen Bücherverbrennungen durch die Nazis am 10. Mai 1933.

"Die beste Form des Gedenkens an die verfemte Kunst und die verfemten Künstler wäre, ihre Werke wieder aufzuführen, zu zeigen oder zu verlegen", betonte der Spitzenverband der Bundeskulturverbände. "Viele Autoren, Musiker und Bildende Künstler sind heute vergessen, weil ihre Werke nach dem Ende des Nationalsozialismus niemand mehr kannte."

Gemeinsam mit Organisationen wie der Deutschen Literaturkonferenz und der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek
(Hannover) startet der Deutsche Kulturrat eine Plakataktion mit dem Titel "Ihre Bücher wurden am 10. Mai 1933 von den Nationalsozialisten verbrannt". Zu den Autoren, an die erinnert werden soll, gehören neben Heinrich,
Klaus und Thomas Mann unter anderem Lion Feuchtwanger, Leonhard Frank, Alfred Kerr, Egon Erwin Kisch, Kurt Tucholsky, Anna Seghers, Bertha von Suttner, Arnold Zweig und Stefan Zweig, Irmgard Keun, Carl von Ossietzky, Ludwig Renn und Franz Mehring.

In der nächsten Woche werden die Plakate an mehr als 2000 deutsche Bibliotheken geschickt, auch Buchhandlungen, Literaturmuseen und andere Kultureinrichtungen können sie anfordern. Auftakt zur Bücherverbrennung war am 6. Mai 1933 die Zerstörung des Instituts für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld (1868 bis 1935) in Berlin; eine Ausstellung im Medizinhistorischen Museum der Charité erinnert an die Bedeutung des Sexualwissenschaftlers. Sein weltweit einzigartiges Institut für Sexualwissenschaft war eine der ersten Einrichtungen, die von den Nazis als sittenwidrig gebrandmarkt, geplündert und geschlossen wurden.

Hirschfelds Schriften wurden zusammen mit denen Sigmund Freuds unter dem Motto "gegen seelenzerfasernde Überschätzung des Trieblebens" in die Flammen geworfen. Die Dokumentation mit dem Titel "Sex brennt - Magnus Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft und die Bücherverbrennung" ist vom 7. Mai bis zum 14. September am Charitéplatz 1 zu sehen.

dpa

"Sex brennt"

Termin: 7. Mai bis 14. September, eine Ausstellung der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité, Berlin.
http://www.bmm.charite.de/aktuelles/hirschfeld/hirschfeld.html

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