Nan Hoover - Gestorben

Licht wird Dunkel, Dunkel wird Licht

Die in New York geborene Videokünstlerin Nan Hoover ist am 9. Juni in Berlin im Alter von 77 Jahren gestorben. Das bestätigte Hoovers Agent und Manager René Schmitt am Sonntag in Frankfurt. Die Trauerfeier sei am Montag in Berlin geplant. Die Malerin und Fotografin Hoover lebte seit 2005 in Berlin und gilt wie Nam June Paik und Wolf Vostell als eine Pionierin der Video- und Performancekunst.
Pionierin der Videokunst:Nan Hoover in Berlin gestorben

"Metropolis" Installation von 2006

Hoover hatte zunächst in Washington Malerei studiert, zog 1969 nach Amsterdam, wo sie auch die niederländische Staatsangehörigkeit annahm. Aktionen, Performances und Installationen mit Licht- und Videoprojektionen hat Nan Hoover seit den siebziger Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. 1987 erhielt sie eine Professur für Video an der Düsseldorfer Kunstakademie.

Hoover ist mit ihren Werken in vielen internationalen Museen und Galerien wie dem Museum of Modern Art in New York oder dem Stedelijk Museum in Amsterdam vertreten. Unter anderem war sie Teilnehmerin der Documenta 6 und 8 in Kassel und der Biennale in Venedig. In der Bundeskunsthalle in Bonn zeigte Hoover ihre Videoinstallation "Bewegung aus jeder Richtung" mit den für sie typischen rätselhaften Schattenspielen und Lichtprojektionen, mit
denen die Besucher zu einem Teil des Kunstwerks gemacht werden.

"Fast alle Video-Arbeiten der Künstlerin sind abstrakt und fordern unsere Auseinandersetzung mit Geschwindigkeit, Zeit und Bewegung. Sie erforschen die Furcht vor dem Imaginären und spielen mit Fiktion und Realität", heißt es dazu in einem Text zu der Ausstellung. Und Udo Kittelmann, Direktor des Museums für Moderne Kunst Frankfurt und ab November Direktor der Berliner Nationalgalerie, schreibt: "Ein neuer Raum aus Licht und Schatten wird erfahrbar gemacht – es wird das Licht zu Dunkel und das Dunkel zu Licht." Auch wollte Hoover stets die Fantasie des Betrachters ansprechen und nach eigenen Worten "den Übergang oder die Grenze zwischen innerer und
äußerer Welt beschreiben".

Immer wieder hat sie kleinste Unterschiede und Details in ihren Arbeiten herausgehoben, wie zum Beispiel in ihrem Videopoem "Halfsleep" (1984), wo die Kamera der menschlichen Haut ganz nahe kommt und Pore für Pore abtastet. Nach ihrer ersten Licht-Performance 1976 in Berlin, wo sie 1980 auch Stipendiatin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) war, trat sie seit Anfang der 90er Jahre immer wieder auch mit spektakulären Lichtinstallationen hervor.

Petra Bosetti/dpa