Garage Moskau - Darja Schukowa

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Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Wer nicht auf der Liste ist, den bestrafen die Bewacher. Vier massive Bodyguards blockieren den schmalen Schlitz im Zaun, ein Tor zur neuen Ausstellungshalle "Garage", einem neuen Zentrum der modernen Kunst in Russland. Wer nicht angemeldet ist, kommt nicht rein, und selbst verzweifelte Anrufe bei Presseagenten der Veranstalter werden nicht helfen.

Wer die erste Hürde nimmt, trifft auf den nächsten "Man In Black", am eigentlich Eingang zur Halle. "Alle Metallgegenstände auf den Tisch!", fasst er sich kurz und sucht die eingeschüchterte Schreiblinge mit dem Metallsucher ab. In der Halle selbst herrscht ein Echo aus mehreren Sprachen, Englisch mit amerikanischen und britischen Akzent, Japanisch, Französisch, Deutsch, Russisch. Die heutige Veranstaltung ist ein Event der internationalen Kunstszene, ohne Zweifel – in der russischen Hauptstadt eröffnet ein neues Zentrum für die moderne Kunst. "Garage" wird geleitet von der 27 Jahre alten Darja Schukowa, gesponsert – so sagt der Volksmund – von Roman Abramowitsch, Putins Vetrauten, zweitreichster Russe, Eigentümer eines englischen Fussballvereins, und Schukowas Freund.

Selbstbewusst besteigt Schukowa die Bühne für die Pressekonefernz, es blitzt von allen Seiten, der weltberühmte Künstler Ilja Kabakow und seine Frau Emilia verlieren sich leicht in ihrem Schatten. Schukowa setzt sich, legt ein Blatt Papier vor sich hin und liest laut vor: "Guten Tag!" Sie schaut kurz hoch und liest weiter, Sätze wie "Wir freuen uns, sie bei der Eröffnung von Garage zu begrüßen!" oder "Wir wollen in der Zukunft an der Entwicklung und Unterstützung der modernen Kunst zu wirken". Ilja Kabakow schaut von der Bühne ins Publikum, schmunzelt und sagt nichts. Statt dessen redet seine Frau Emilia. Sie sei überrascht über die Auszeichnung des japanischen Kaiser-Preis für Kunst im Bereich der Skupltur, die soeben bekannt gegeben wurde. Sie freut sich, heute hier zu sein, in Moskau, bei dieser Eröffnung. Dies sei ein Beweis dafür, dass man im heutigen Russland künstlerisch arbeiten kann, dass "wir willkommen sind", dass alles möglich sei. Und wie!

Zehn Millionen Dollar hat die Renovierung dieser 1926 erbauten Halle gekostet, in der Sowjetunion war hier eine Garage für öffentliche Busse. Das Gebäude und das Grundstück gehören dem Moskauer jüdischen Zentrum, in zwei Jahren sollen hier Bauarbeiten beginnen, für das russisch-jüdische Museum. Die "Garage" wird eventuell umziehen müssen, sagt ein Vertreter der jüdischen Gemeinde am Rande der Pressekonferenz, nicht laut, im vorbeigehen.
Das ist aber heute nicht so wichtig. Michail Schwydkoj vom russischen Kulturministerium, freut sich: Ein Zentrum für die moderne Kunst in einer ehemaligen Garage neben dem jüdischen Zentrum wäre noch vor zwanzig Jahren undenkbar gewesen, sagt er. Jetzt ist hier ein der größten Moskauer Zentren der modernen Kunst entstanden, auf acht Tausend Quadratmeter.

Kabakow schmunzelt und sagt weiter nichts. Er wanderte vor zwanzig Jahren nach New York, da ist alles denkbar.
Zum Champagner auf Eis werden Lachs-Schnitte gereicht, die Journalisten wandern ziellos durch die Halle, im Zentrum steht Kabakows Installation "Roter Waggon", eine Erinnerung an die Sowjetunion. Wer gehen will, muss sich vor Leibwächter erklären – sie haben den Zugang zur Garderobe blockiert. Wichtige Gäste im Café wollen bei wichtigen Gesprächen nicht gestört sein.

"Ilja und Emilia Kabakow: Moskauer Retrospektive"

Termin: bis 19. Oktober, Garage Art Center, Uliza Obraszowa 19, Moskau
http://kabakov.moscowbiennale.ru/en/retrospective/news/2008/8/first_en.html