Garage Moskau - Darja Schukowa

Dasha, Kabakov – und viele Lachsschnitten

It-Girl der Kunstwelt: Darja Zhukova, Freundin von Roman Abramowitsch, eröffnet ein Museum für internationale Kunst in einem ehemaligen Moskauer Busdepot – mit einer Kabakov-Retrospektive. art war bei der Eröffnung dabei.
It-Girl der Kunstwelt:Darja Zhukova eröffnet ein Museum in Moskau

Darja Schukowa (m.) mit ihrer Beraterin, der ehemaligen Gagosian-Galeristin Mollie Dent-Brocklehurst (l.). Rechts stehen der Künstler Ilja Kabakov und seine Frau Emilia – vor der zentralen Arbeit der Ausstellung "Roter Waggon"

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Wer nicht auf der Liste ist, den bestrafen die Türsteher. Vier massige Bodyguards blockieren den schmalen Schlitz im Zaun, den Zugang zum Gelände der neuen Ausstellungshalle "The Garage", offiziell: The Garage Center for Contemporary Culture Moscow. Gezeigt wird eine Retrospektive des weltbekannten Künstlerpaars Ilya und Emilia Kabakov.

Wer nicht zur Pressekonferenz angemeldet ist, muss draußen bleiben. Selbst verzweifelte Anrufe bei den Presseagenten der Veranstalter helfen nicht. Ist die erste Hürde genommen, trifft man auf den nächsten "Man In Black" am Eingang. "Alle Metallgegenstände auf den Tisch!", befielt er und tastet die eingeschüchterten Schreiberlinge mit dem Metallsucher ab.

In der Halle erklingt ein Sprachwirrwarr aus Englisch, Japanisch, Französisch, Deutsch und Russisch. Mittendrin steht die Initiatorin des Kulturzentrums Dasha Shukova, 27, Ex-Model und Freundin von Roman Abramowitsch. Der Milliardär, Sammler (jüngste Auktionskäufe: Francis Bacons "Triptychon" für 86,3 Millionen Dollar und Lucian Freuds Aktgemälde "Benefits Supervisor Sleeping" für 33,6 Millionen Dollar), Putin-Vertrauter und Besitzer des Chelsea-Fußballclubs hat das Großprojekt, so wird gemunkelt, finanziert.

"Wir wollen die Entwicklung der modernen Kunst vorantreiben"

Selbstbewusst betritt Darja "Dasha" Schukowa, neuer Darling der Kunstszene, die Bühne. Blitzlichter von allen Seiten. Etwas weiter hinten, quasi in ihrem Schatten, sitzen der Künstler Ilja Kabakov und seine Frau Emilia. Schukowa setzt sich, nimmt ein Blatt Papier in die Hand und liest laut vor: "Guten Tag!" Sie schaut kurz hoch und liest weiter – Sätze wie "Wir freuen uns, Sie bei der Eröffnung begrüßen zu dürfen!" oder "Wir wollen die Entwicklung und Förderung der modernen Kunst in Zukunft vorantreiben". Ihr Traum sei es, "besonders junge Menschen anzulocken, solche, die normalerweise nicht ins Museum gehen", sagt sie noch. Ob sie schon Erfahrungen in der Kunstwelt gesammelt habe, fragt einer. "Nein, das hier ist ein neues Gebiet für mich, aber ich hatte immer großes Interesse an der Kunst."

Ilja Kabakov schaut von der Bühne ins Publikum, schmunzelt und sagt nichts. Statt dessen spricht seine Frau. Sie freue sich, heute hier in Moskau, bei der Eröffnung zu sein. Dies sei ein Beweis dafür, dass man im heutigen Russland künstlerisch arbeiten kann, dass "wir willkommen sind", dass alles möglich ist.

Wohl wahr! Zehn Millionen Dollar hat die Renovierung der 1927 von dem russischen Architekten Konstantin Melnikov errichteten Halle gekostet. Zu Sowjetzeiten diente der 8500 Quadratmeter große Bau mit filigraner Dachkonstruktion, Ziegelmauern und endlosen Reihen rechteckiger und runder Fenster als Busdepot. Dasha Schukova ließ die gigantische Halle, jetzt wohl Russlands größtes Ausstellungshaus für moderne Kunst, von dem Architekten Jamie Fobert aus London ausstellungsgerecht umgestalten.

Kabakov schmunzelt und zum Champagner gibt es Lachsschnitten

Gebäude und Grundstück gehören dem jüdischen Zentrum Moskaus. In zwei Jahren sollen hier die Bauarbeiten für das russisch-jüdische Museum beginnen. Die "Garage" wird vielleicht umziehen müssen, sagt ein Vertreter der jüdischen Gemeinde leise im Vorbeigehen. Doch das ist heute nicht so wichtig. Michail Schwydkoj vom russischen Kulturministerium, freut sich: Ein Zentrum für moderne Kunst in einem ehemaligen Busdepot neben dem jüdischen Zentrum wäre vor zwanzig Jahren undenkbar gewesen, sagt er. Kabakov schmunzelt immer noch und bleibt weiterhin stumm.

Zum Champagner auf Eis werden Lachsschnitten gereicht. Die Journalisten wandern ziellos durch die Halle. Im Zentrum steht Kabakovs begehbare Konstruktion "Roter Waggon" mit Himmelsleiter, der den Untergang der Sowjetunion symbolisiert. Die Inszenierungen des Künstlerpaars umfasst auch eine ihrer "Totalen Installationen", bei der von der Wandfarbe bis hin zur Fußleiste alles auf die Kunst abgestimmt ist und sich der Betrachter als Teil der Schau wahrnimmt: die Retrospektiven dreier imaginärer Künstler, deren Zeichnungen und Gemälde allesamt Ilya Kabakov fertigte, erkennbar nur an winzigen Signaturen.

Es ist die erste Ausstellung der Künstler in ihrer Heimatstadt, exakt 20 Jahre nachdem Ilya Kabakov in die USA emigrierte. Mit der Planung der Retrospektive waren die Kabakovs schon beschäftigt, "lange bevor Dasha hinzu kam", wie Emilia Kabakov nebenbei bemerkt.

Als "Koordinatorin" zukünftiger Ausstellungen angelte sich Dasha Schukova die ehemalige Gagosian-Galeristin Mollie Dent-Brocklehurst. Neben der ehemaligen Direktorin der Londoner Gagosian Gallery mit besten Society-Kontakten sind auch Sir Nicholas Serota, Direktor der Londoner Tate und Robert Storr, Direktor der Biennale in Venedig 2007, Teil ihres Beraterstabs. Als nächstes plant das "Garage-Team" eine Ausstellung mit Werken aus der Sammlung von Christie’s-Inhaber François Pinault. Die Eröffnung ist im Februar 2009.

"Ilja und Emilia Kabakov: Moskauer Retrospektive"

Termin: bis 19. Oktober, Garage Art Center, Uliza Obraszowa 19, Moskau
http://kabakov.moscowbiennale.ru/en/retrospective/news/2008/8/first_en.html