DAAD Berlin - Ariane Beyn

Die Leute wollen nach Berlin

Ariane Beyn, neue Leiterin der Abteilung Bildende Kunst beim DAAD (Deutscher Akademischer Austausch Dienst), setzt auf Künstler aus Südamerika und Asien. Ein Gespräch über Künstlerförderung, Berlin und ihre geplanten Projekte.
"Die Leute wollen nach Berlin":Interview mit der neuen DAAD-Leiterin Ariane Beyn

"Es gibt viele spannende Künstler, die hierzulande nicht so sichtbar sind und nicht von sich aus nach Berlin kämen", meint Ariane Beyn.

Die Kunsthistorikerin und Kuratorin Ariane Beyn, die in den Neunzigern neben dem Studium für Rirkrit Tiravanija und Thomas Demand arbeitete, war 2006/07 Gastkuratorin am CCA Wattis Institute for Contemporary Arts in San Francisco und zuletzt künstlerische Leiterin der Berliner Kunstmesse abc (art berlin contemporary) und will nun vor allem verstärkt Kontakte zu den Kunstszenen in Asien und Südamerika aufbauen. Das Künstlerprogramm des DAAD ermöglicht jährlich sechs bildenden Künstlern aus dem Ausland einen einjährigen Wohn- und Arbeitsaufenthalt in der Hauptstadt, und organisiert Ausstellungen sowie Publikationen. Der Gesamtetat des Künstlerprogramms betrug im Jahr 2008 unegfähr 1,5 Millionen Euro.

Frau Beyn, das Berliner Künstlerprogramm schaut auf eine lange Tradition zurück – hat es heute noch seine Berechtigung?

Ariane Beyn: Natürlich. Als das Künstlerprogramm 1963 gegründet wurde, war es ein Geschenk der Amerikaner an Berlin. Es ging darum, internationale Künstler nach Westberlin zu bringen, um die Stadt als kulturellen Standort und die Kontakte in den Osten zu stärken. Nach dem Mauerfall ergab eine Überprüfung, dass auch das wiedervereinigte Berlin unbedingt diese Möglichkeit haben sollte. In den Neunzigern hat das vom Außenministerium und dem Senat gemeinschaftlich getragene Programm in der Stadt dann starke Akzente gesetzt. Damals haben die Museen an ihrer Unterfinanzierung sehr gelitten.

Heute jedoch gilt die Stadt als größte Produktionsstätte für bildende Kunst in Europa.

Durch den Zustrom von Künstlern wird unser Programm nicht unattraktiver, im Gegenteil. Die Leute wollen jetzt erst recht nach Berlin kommen. Das bedeutet für uns, dass wir uns noch mehr die Frage stellen: Wer fehlt? Es gibt viele spannende Künstler, die hierzulande nicht so sichtbar sind und nicht von sich aus nach Berlin kämen. Das besondere des Berliner Künstlerprogramm-Stipendiums ist zum Beispiel, dass die Künstler hier ein Jahr lang ohne Auflagen oder Marktzwänge in Ruhe arbeiten können. Dass viele Künstler aus westlichen Ländern sowieso hierherkommen, ermöglicht uns auch, über den Ausbau bestimmter Schwerpunkte nachzudenken – neben Osteuropa zum Beispiel Asien oder Südamerika. Die Ausrichtung auf Gegenden, wo die Kommunikation schwieriger ist, stellt eine große Herausforderung dar.

Und welche Projekte planen Sie für 2009?

Im Hamburger Bahnhof wird im Januar eine Veranstaltung mit Dan Graham stattfinden, zeitnah gibt es zudem eine Ausstellung in der Berliner Daad-Galerie. Graham war 1976 Gast des Programms. Im Sommer zeigen wir dann in der Galerie ein Filmprojekt der britischen Konzeptkünstlerin Bethan Huws zu Duchamp. Huws wird die Idee des Ready Made neu überdenken. Ein weiteres Filmprojekt realisieren wir mit Armando Andrade Tudela, einem jungen Künstler aus Peru. Auch mit dem britischen Künstler Phil Collins arbeiten wir derzeit zusammen. Geplant ist auch eine Ausstellung mit Erzen Shkololli aus dem Kosovo sowie eine Publikation mit Katerina Sedá aus Tschechien.

"Ceramics and other things"

Aktuelle Ausstellung: Sarah Crowner und Paulina Olowska. Termin: bis 31. Januar 2009, DAAD-Galerie, Berlin
http://www.berliner-kuenstlerprogramm.de/

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