Nachlass-Archiv - Abtei Brauweiler

Abtei wird Depot für deutsche Künstlernachlässe

Die Abtei Brauweiler bei Köln wird Nachlass-Archiv für Künstler aus der ganzen Bundesrepublik. Jetzt hat Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers den Startschuss für das bundesweit in dieser Form einmalige Projekt gegeben.
"Großes Interesse in der Künstlerszene":Abtei bei Köln plant Nachlass-Archiv

Start des ersten Bauabschnitts des Schaumagazins der Abtei Brauweiler. Spatenstich mit (v.r.) Harry K. Voigtsberger, Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, Jürgen Wilhelm, Bauminister Oliver Wittke und Staatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff

"Kunst entsteht, um gesehen zu werden und zu wirken – auch über die Lebzeiten der Künstler und Künstlerinnen hinaus", sagte Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. Zunächst soll der ehemalige Gutshof der rheinischen Barock-Abtei mit einem Finanzaufwand von gut 2,9 Millionen Euro zum Depot der Künstlernachlässe werden.

In weiteren Bauabschnitten soll in den nächsten Jahren ein "Schaumagazin Abtei Brauweiler" mit Ausstellungsfläche und Depots auf insgesamt 6000 Quadratmetern entstehen. Das Nachlass-Archiv nördlich von Köln stoße in der Künstlerszene Deutschlands auf großes Interesse, sagte Kunstfonds-Geschäftsführer Gerhard Pfennig der Deutschen Presse-Agentur. Viele durchaus namhafte Künstler wollten schon zu Lebzeiten ihr Erbe geregelt wissen. "Es bricht
schier über uns herein", sagte Pfennig. Auch legten viele Künstler jetzt schon fest, welche ihrer Werke künftig zur Finanzierung des Depots verkauft werden könnten.

"Kein herausgeputztes Museum"

Die Barock-Abtei soll möglicherweise auch Aufbewahrungsort für den umfangreichen Kunstbesitz des Bundes werden. Hier habe Berlin bereits "großes Interesse" signalisiert, erklärte NRW-Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff. Pläne der Landesregierung, auch die landeseigene Kunstsammlung aus Kornelimünster bei Aachen mit Werken von Richter, Uecker oder Polke nach Brauweiler zu bringen, hatten zu kontroversen Diskussionen geführt.

Zwischen 12 und 14 Millionen Euro sollen die künftigen Bauabschnitte kosten. An den Architektenwettbewerben hatten 23 Büros teilgenommen. Der erste Preis ging an das Architektenbüro BKSP (Hannover), das zwei kompakte Baukörper aus regionalen Ziegeln geplant hat. Mit dem Entwurf, der "kein herausgeputztes Museum" sein soll, habe man einen neuen Bautyp zwischen Ausstellungshaus und Kunst-Depot entwickelt, erklärte der Sieger-Architekt Thomas Obermann. dpa