Arp Museum - Remagen

War die Entstehung des Arp-Museums ein "krimineller Akt"?

Die lange Entstehungsgeschichte des Arp-Museums in Remagen ist nach Ansicht des Rechtsanwalts Wolfgang Daube mit einem "kriminellen Akt" belastet. Der Streit im Arp-Untersuchungsausschuss im rheinland-pfälzischen Landtag geht in die nächste Runde.
Der Streit geht weiter:Entstehung des Arp-Museums – ein "krimineller Akt"?

Im Jahr 2007 wurde das umstrittene Prestigeprojekt der rheinland-pfälzischen Landesregierung eröffnet

Der Gründer Arp-Vereins, Johannes Wasmuth, habe die Witwe und Erbin des Dadaismus-Mitbegründers Hans Arp "sittenwidrig" zur Überlassung eines Kunstvermögens im Wert von 200 Millionen Mark (108 Millionen Euro) ohne Gegenleistung überredet, sagt der 87-jährige Jurist Wolfgang Daube als Zeuge im Arp-Untersuchungsausschuss im rheinland-pfälzischen Landtag in Mainz.

Das auf Initiative der CDU eingesetzte Gremium soll klären, ob es bei Planung und Bau des Museums zu Fehlern der Landesregierung und Verschwendung von Steuergeld gekommen ist. Der private Arp-Verein hatte dem Land einst eine Sammlung mit 404 Arp-Werken für 20 Millionen Mark verkauft.

Nach Daubes Darstellung bekam Arps Witwe Marguerite Arp-Hagenbach, die in Frankreich lebte, 1976 einen Steuerbescheid über zehn Millionen Franc. "Die hatte sie gar nicht. Sie war entsetzt", berichtet der Zeuge aus Essen. Wasmuth habe ihr aber gesagt, mit der Übertragung in eine deutsche Stiftung – seinen Verein – in Remagen könne sie das Arp-Erbe vor dem Zugriff des französischen Fiskus retten. Arp-Hagenbach habe nur einen Tag nach einem Blutsturz mit fast völliger Blindheit diesem Vorschlag bei einem Notar zugestimmt. "Das war die Täuschung einer alten Frau", sagt Daube am Rande der Sitzung. SPD-Landtagsabgeordnete betonten dagegen, dass Notare genau prüfen müssten, ob Vertragspartner bei Unterschriften wirklich im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte seien.

Der Umstand, dass der Remagener Arp-Verein eine große Sammlung von Werken des deutsch-französischen Bildhauers besitzt, war der Grund für den Bau des 33 Millionen Euro teuren Arp Museums. 2007 wurde das umstrittene Prestigeprojekt der rheinland-pfälzischen Landesregierung eröffnet. Arp-Hagenbach und Wasmuth leben heute beide nicht mehr.

Auch Kunsthistoriker Gert Reising übt Kritik

Als zweiter Zeuge tritt Gert Reising auf: Der Karlsruher Kunsthistoriker wird rasch seinem Ruf als einer der vehementesten Kritiker des Arp Museums gerecht. Das Land habe zu viel Steuergeld für Arp-Werke gezahlt, da ein Teil gar keine Originale seien, moniert der 62-Jährige. Nach Arps Tod hätten Mitarbeiter zum Beispiel Gießgipse verändert. Der SPD-Parlamentarier Manfred Geis hält dagegen: Nur 44 der 404 vom Land erworbenen Arp-Werken seien Plastiken – und von diesen wiederum nur elf nach dem Tod des Künstlers entstanden.

Nach der Sitzung klafft die Sicht von SPD und CDU weit auseinander. So kritisiert CDU-Obmann Gerd Schreiner, die Vernehmungen hätten gezeigt, dass die Landesregierung bei Auswahl und Bewertung ihrer Arp-Werke "äußerst schlampig und oberflächlich" gearbeitet habe. Der SDP-Obmann Carsten Pörksen hingegen betont, der alte Streit in der Kunstwelt über Originalität und Wert von Arp-Güssen nach dem Tod des Bildhauers sei auch jetzt nicht geklärt. Gutachten bestätigten zudem, dass die "hochwertige" Arp-Sammlung des Landes durch wenige posthume Werke nicht beeinträchtigt werde.

Die Beweisaufnahme des vor einem Jahr eingesetzten Untersuchungsausschusses ist nun vorbei. Es folgen zwei nichtöffentliche Sitzungen zur Beratung des Abschlussberichts. Dieser soll dann noch im Plenum des Landtags diskutiert werden. Jens Albes, dpa

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