Sammlung Bührle - DNA-Spur

DNA-Spur im Fall Bührle

Neue Spuren im wohl spektakulärsten Kunstraub in der Schweiz vor einem Jahr, bei dem in der Zürcher Sammlung Bührle vier Bilder im Wert von rund 130 Millionen Euro erbeutet wurden: Eine neue DNA-Spur führt zu mysteriösen Rammbock-Räubern.
DNA-Spur im Fall Bührle:Rammbock-Räuber als Täter vermutet

Sammlung Bührle in Zürich: Im Februar stürmten hier drei bewaffnete Kunsträuber die private Kunstsammlung

Im Februar letzten Jahres drangen Unbekannte in Zürich schwer bewaffnet in die weltberühmte Sammlung Bührle ein und raubten vier Bilder von van Gogh, Dégas, Cézanne und Monet im Gesamtwert von rund 130 Millionen Euro. Nun bestätigt die Zürcher Staatsanwaltschaft eine Meldung des Nachrichtenmagazins "10 vor 10" des Schweizer Fernsehens DRS, dass eine Spur zu Tätern führt, die 2007 in schneller Folge mithilfe eines Rammbocks Uhren- und Schmuckgeschäfte in der Zürcher Innenstadt ausgeraubt haben.

"In Zusammenhang mit dem Bilderraub wurden DNA-Treffer festgestellt, die auf die Rammbock-Räuber hinweisen", gab jetzt die Zürcher Staatsanwaltschaft bekannt. Die Täter hatten auf brachiale Weise mit einem auf ein Auto montierten Rammbock die Schaufenster durchschlagen und die Vitrinen leergeräumt. In der Folge schützten die Juweliere ihre Geschäfte durch ausfahrbare Pflöcke und verstärkte Scheiben, und die Einbrüche gingen stark zurück. Eventuell suchten sich die Einbrecher im Kunstdiebstahl ein neues Betätigungsfeld.

Ob es sich um dieselben Täter handelt, steht für den zuständigen Staatsanwalt Alois Ruegg allerdings noch nicht fest: "Wir haben bisher noch keine Befragungen und Verhaftungen durchgeführt." Er ließ auch offen, wo die DNA-Spuren gefunden wurden und ob sie für eine Identitfizierung ausreichen könnten. "Eine Information der Presse ist eine Information der Täter", sagt er. Die festgestellte DNA sei lediglich eine Spur unter vielen anderen, denen man nachgehe. Nach der Aussetzung einer Belohnung von 100 000 Franken seien viele Hinweise unterschiedlichster Qualität eingegangen. Ausgemacht ist für den Staatsanwalt dagegen, dass es sich um keine Einzeltäter handelt: "Wer Bilder wie diese stiehlt, arbeitet mit einer Organisation zusammen." An Spekulationen darüber, ob sie aus Osteuropa kommen, will er sich aber nicht beteiligen: "Das würde ich nicht unterschreiben." Auch erkennt er keinen Zusammenhang mit dem Raub zweier Picasso-Bilder aus einer Ausstellung im Seedamm-Kulturzentrum in Pfäffikon am anderen Ende des Zürichsees vier Tage vor dem Bührle-Raub: "Polizeiliche Erkenntnise lassen uns das schließen, nähere konkrete Angaben möchte ich nicht machen."

Profitiert hat vor allem die Versicherungsbranche

Bei dem wohl spektakulärsten Kunstraub in der Schweiz vor einem Jahr waren die Täter mit Waffengewalt in die Privatsammlung eingedrungen und hatten die erstbesten Werke beim Eingang in der Reihenfolge der Hängung ab. Darunter befanden sich Inkunbaln der klassischen Moderne. Vincent van Goghs "Blühende Kastanienzweige" und Claude Monets "Mohnfeld bei Vétheuil" wurden eine Woche nach dem Raub in einem weißen Opel Omega auf dem Parkplatz der Psychiatrischen Universitätsklinik Burghölzli in Zürich gefunden, in dem die Polizei auch Gesichtsmasken und Pullover sicher stellte. Das auf 100 Millionen Franken geschätzte Gemälde von Paul Cézanne "Der Knabe mit der roten Weste", mit dem die Sammlung Bührle weitherum identifiziert wird, und Edgar Dégas' Familienporträt "Ludovic Lepic und seine Töchter" sind weiterhin vermisst.

Profitiert vom Bührle-Raub hat die Versicherungsbranche. Die Allianz Suisse konnte 2008 für den Kunstbereich ein Wachstum um 30 Prozent verzeichnen. Der Wert der versicherten Kunstwerke sei von 650 auf 900 Millionen Franken gestiegen. Die Bilder der Sammlung Bührle sollen nach Fernsehen DRS nicht versichert gewesen sein. Bei einem geschätzten Gesamtwert von über einer Milliarde Franken wären mehrere hunderttausend Franken an Versicherungsprämien im Jahr angefallen.