Röntgentomograf - Klaus Bente

Bis in die kleinste Pore

Am Leipziger Institut für Mineralogie, Kristallografie und Materialwissenschaft steht seit kurzem ein einzigartiger Röntgentomograf, der dreidimensionale Bilder von diversen Untersuchungsobjekten, hochaufgelöst bis zu 700 Nanometer liefert. Die Supermaschine begeistert nicht nur Naturwissenschaftler, sondern auch Kunsthistoriker, Restauratoren und Archäologen.
Die Supermaschine:Kunstwerke enthüllen ihr Innenleben

Prof. Bente bei der tomographischen Einrichtung einer ägyptischen
(mittleres Reich) Sarkophagmaske (Privatsammlung) aus Holz (Höhe 25 cm)
mit Gold- und Mineralfarbauflagen (v.l.n.r.: Röntgenquelle, Maske auf
Objektaufnehmer, Detektor)

"Für Menschen wäre diese Strahlendosis nach vier Stunden tödlich", erklärt der Klaus Bente, Professor am Leipziger Institut für Mineralogie, Kristallografie und Materialwissenschaft. Behutsam schließt Bente die schwere Schiebetür einer Bleikammer. Dahinter schießt seit einigen Wochen ein einzigartiger Röntgentomograf dreidimensionale Bilder von
diversen Untersuchungsobjekten, hochaufgelöst bis zu 700 Nanometer.

Doch es sind nicht nur Materialien aus Industrie, Forschung und Natur, die hier an diesem Institut analysiert werden. Auch für Kunsthistoriker, Restauratoren und Archäologen geht mit der Supermaschine ein Traum in Erfüllung. Bronzezeitliche Artefakte, antike Keramikgefäße und Kleinskulpturen werden auf einem schwenkbaren Tablett zwischen der Strahlenquelle und einem Bildschirm fixiert und enthüllen nach kurzer Zeit ihr Innenleben bis in die kleinste Pore. Der Megarechner im Nebenraum setzt Hunderte von Einzelbildern wieder zu einem räumlichen Eindruck zusammen und färbt verschiedene Materialien mit leuchtenden Fehlfarben ein.

Ohne Kunstgegenstände zu zerstören, entlarvt der Tomograf, der gemeinsam mit Wissenschaftlern vom Dresdner Fraunhofer-Institut entwickelt wurde, Fälschungen oder gibt wertvolle Informationen für die sachgemäße Wiederherstellungvon Objekten. Zusätzlich erstellt er chemische Analysen. Bente ist selbst begeistert von seinem "Bomber": "Es ist das weltweit erste Gerät mit dieser Auflösung." In Leipzig wurden schon eine venezianische Statuette, eine frühhellenistische Terrakottafigur und ein Renaissancereliquiar erfolgreich durchleuchtet. Die Dienste des 1,3 Millionen Euro teuren Geräts stehen ab jetzt Museen und privaten Sammlern zur Verfügung. Eine Expertise kostet von 250 Euro an aufwärts. Es sei dabei immens wichtig, so Bente, eng mit den Auftraggebern und Kunstexperten zusammenzuarbeiten, denn Technologie ersetze nicht Fachwissen: "Das Ergebnis muss anvisiert werden. Ich bin kein Kunstwissenschaftler und muss genau wissen, was wir sehen sollen."

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